Deutscher Wahlbeobachter: "Großflächiger Betrug"

+
Hamid Karsai hat die Wahl offiziell gewonnen.

Berlin - Bei der Präsidentschaftswahl in Afghanistan ist es nach Angaben eines deutschen EU -Wahlbeobachters zu “wirklich großflächigem Betrug“ mit vielen fragwürdigen Stimmen gekommen.

Lesen Sie dazu:

Karsai gewinnt Präsidentschaftswahl

Mehr als 700 000 der derzeit knapp 5,5 Millionen ausgezählten Stimmen seien fragwürdig, sagte EU -Wahlbeobachter Gunter Mulack am Donnerstag in Berlin . In 2451 der bislang überprüften 19 000 Wahllokale habe ein einzelner Kandidat mehr als 90 Prozent der Stimmen erhalten. In 214 Wahllokalen sei die Zahl der abgegebenen Stimmen größer als die Zahl der erwarteten Wahlberechtigten. Mulack ist Politischer Analyst der EU -Wahlbeobachtermission und zugleich Direktor des Deutschen Orient-Instituts.

Die Betrugsvorwürfe in Afghanistan richten sich in erster Linie gegen das Lager von Präsident Hamid Karsai. Karsai kommt nach Angaben der Wahlkommission nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen derzeit auf eine absolute Mehrheit.

Teils keine ausländischen Beobachter

 Mulack sagte, weder vor der Wahl noch bei der Stimmabgabe habe es Hinweise auf einen derart massiven Betrug gegeben. In bestimmten Gebieten - speziell im Süden des Landes - habe es am Wahltag wegen der Sicherheitslage aber keine ausländischen Beobachter gegeben. Mittlerweile wisse man dort von Wahllokalen, die gar nicht geöffnet waren oder wo die gefüllten Urnen mehrere Tage verschwunden waren.

Mulack räumte ein, dass Wahlbetrug in der Dritten Welt in gewissem Umfang normal sei. “Das gehört dazu“, sagte der frühere deutsche Botschafter in Pakistan. Bei dem Umfang des Betrugs in Afghanistan gebe es aber große Zweifel, ob das Wahlergebnis von der Bevölkerung anerkannt werde. Denkbar seien aus seiner Sicht eine Wiederholung der Wahl in einigen Distrikten oder eine Stichwahl zwischen Amtsinhaber Karsai und seinem stärksten Herausforderer Abdullah Abdullah. Mit dem amtlichen Endergebnis, das ursprünglich am 17. September veröffentlicht werden sollte, sei wegen der notwendigen Nachzählungen ohnehin nicht vor Ende des Monats zu rechnen.

dpa

Zurück zur Übersicht: Welt-News

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser