Drogenboss auf „Forbes“-Liste löst Empörung aus

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Weil ein Drogenboss auf der „Forbes“-Liste steht, ist die mexikanische Regierung empört.

Mexiko-Stadt - Mexiko hat in scharf dagegen protestiert, dass einer der meistgesuchten Drogenbosse des Landes vom Wirtschaftsmagazin “Forbes“ auf der Liste der mächtigsten Persönlichkeiten der Welt steht.

Das sei eine Beleidigung für den blutigen Kampf der Regierung gegen die Drogenkartelle und praktisch eine “Rechtfertigung des Verbrechens“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums, Luis Estrada, der Nachrichtenagentur AP. In der “Forbes“-Liste wurde Joaquín Guzmán, genannt “El Chapo“, auf Platz 41 der 67 “World's Most Powerful People“ gesetzt. Er rangiert damit noch vor den Staatspräsidenten von Russland und Frankreich, Dmitri Medwedew und Nicolas Sarkozy, und nur knapp hinter dem dem geistlichen Führer des Irans, Ayatollah Ali Chamenei.

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Die Aufnahme eines Verbrechers in die “Forbes“-Liste widerspreche nicht nur den Bestrebungen der mexikanischen Regierung, sondern dem weltweiten Kampf gegen mafiaähnliche Organisationen und das organisierte Verbrechen, sagte Estrada. Seit Beginn der Offensive von Präsident Felipe Calderón Ende 2006 kamen in Mexiko fast 14.000 Menschen bei Verbrechen im Zusammenhang mit dem Drogenhandel ums Leben. Empört auf den Bericht reagierten auch einige Bewohner der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juárez, wo es die meisten Verbrechensopfer gab - allein in diesem Jahr wurden rund 2.000 Tote gezählt.

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“Das ist schlecht, wenn die Nachrichtenmedien einen Drogenhändler über Menschen stellen, die ein legales Geschäft betreiben“, sagte die Buchhalterin Josefina Ramírez. Guzmán, Chef des Drogenkartells von Sinaloa, soll sich im nordmexikanischen Bergland versteckt halten. Vor einem Jahrzehnt floh er in einem Wäschetransporter aus dem Gefängnis.

Anstoß für eine Diskussion

Eine im März veröffentlichte “Forbes“-Liste der reichsten Personen schätzte sein Vermögen auf eine Milliarde Dollar. Seine Bande hat anderen Gruppen in blutigen Kämpfen wichtige Schmugglerroute abgenommen. Sie wird für viele der Gewalttaten im Zusammenhang mit dem Drogenhandel verantwortlich gemacht. “Natürlich ist er einflussreich, reich und mächtig“, sagte Gabriela López, eine Geschäftsfrau aus Culiacán, der Hauptstadt des Staates Sinaloa. “Aber er hat so viele Menschenleben auf dem Gewissen, so viele junge Menschen.“

“Forbes“ erklärte, die Aufnahme von Guzmán in das Ranking der mächtigsten Personen sei als Anstoß für eine Diskussion gedacht. Der Drogenboss sei ein “abscheulicher Krimineller“. In einem dramatischen Appell wandte sich auch die mexikanische Bischofskonferenz gegen den Drogenhandel. “Es reicht“, sagte Monsignor Miguel Angel Alba an die Adresse der Drogenhändler. “Hört auf, euch selbst zu schaden und unseren jungen Leuten, unseren Familien und unserer Heimat so viel Schmerz und Leid zuzufügen!“

Die Bischofskonferenz konnte nach dreitägigen Beratungen aber noch keine konkreten Empfehlungen der katholischen Kirche verabschieden. Alba sagte, diese sollten jetzt im neuen Jahr veröffentlicht werden. Die Gewalt von Drogenbanden hat seit Dezember 2006 rund 14.000 Menschen das Leben gekostet. Damals leitete der mexikanische Präsident Felipe Calderón mit seinem Amtsantritt eine Offensive gegen Drogenhandel und organisierte Kriminalität ein.

AP

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