Chile: Ihre Heimat liegt in Trümmern

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Santiago de Chile - Verzweifelte Menschen, zerstörte Heime: Das Beben in Chile hat schwerste Verwüstungen angerichtet. Jetzt bangt die ganze Pazifik-Region: Tsunami-Alarm!

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Der Erdstoß der Stärke 8,8 erschütterte am Samstag um 03.34 Uhr Ortszeit (07.34 Uhr MEZ) die Landesmitte einschließlich der Hauptstadt Santiago. Sein Zentrum lag rund 320 Kilometer südwestlich von Santiago unweit von Concepción. Für den Westen Südamerikas und weite Gebiete des Pazifik-Raums wurde eine Tsunami-Warnung ausgegeben.Die noch amtierende Präsidentin Michelle Bachelet rief für die Regionen um das Epizentrum den Katastrophenzustand aus. Die vorläufige Todesopferbilanz wurde am Samstagnachmittag (Ortszeit) mit mindestens 147 angegeben. Das Fernsehen zeigte Bilder von eingestürzten Wohnhäusern und Verletzten auf Tragen. Straßen waren zerstört, Überführungen in sich zusammengefallen, die Telefon-, Strom- und Wasserversorgung war unterbrochen. Der Flughafen von Santiago wurde für mindestens 24 Stunden geschlossen, weil das Passagierterminal schwer beschädigt worden war. In Concepción stürzte ein 15-stöckiges Hochhaus ein. Hunderte Menschen wurden noch unter den Trümmern vermutet. Die Behörden rechneten damit, dass die Opferzahlen stündlich steigen. "Die Opferzahlen werden leider sicher noch steigen", sagte Piñera. Das ganze Ausmaß der Zerstörung vor allem in der Region um Concepción war auch Stunden nach dem Beben unklar. "So etwas habe ich noch niemals zuvor gesehen", sagte eine fassungslose Frau. Ein TV-Reporter berichtete: "Es gibt keine Straße in Concepción, wo kein Schutt liegt. Man hört Kinder unter den Trümmer schreien." In der gesamten Region leben rund zwei Millionen Menschen.

Auf den gewaltigen Erdstoß folgten zahlreiche Nachbeben, von denen 21 die Stärke 5,0 oder mehr hatten, wie die US-Erdbebenwarte mitteilte. Eines der Nachbeben erreichte sogar die Stärke 6,9. Experten warnten derweil vor der Gefahr einer riesigen Flutwelle im Pazifik. Diese könnte um 22.19 Uhr MEZ auf Hawaii treffen, erklärte Charles McCreery vom Pazifischen Tsunami-Alarmzentrum der USA.

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Auf Hawaii trafen die Behörden Vorkehrungen für den Katastrophenfall. Schon am frühen Morgen (Ortszeit) wurden die Inselbewohner mit Sirenengeheul vor der drohenden Gefahr gewarnt. Küstennahe Gebiete wurden vorsorglich evakuiert. Bewohner standen vor Supermärkten Schlange, um sich mit Wasser, Dosennahrung und Batterien zu versorgen.

US-Präsident Barack Obama rief seine Landsleute auf, den Warnungen unbedingt Folge zu leisten. Die Behörden seien darauf eingestellt, dass eine hohe Flutwelle die Hawaii-Inseln sowie Amerikanisch-Samoa und Guam heimsuchen könnte. Obama erklärte ferner, dass die USA Chile bei den Rettungsarbeiten zu unterstützen bereit seien. Auf den zu Chile gehörenden Robinson-Crusoe-Inseln schwappte nach Angaben von Präsidentin Bachelet eine riesige Welle an Land. Genauere Berichte über Schäden lagen zunächst aber nicht vor. Nahe Concepción wurden Flutwellen von rund zwei Metern über dem Normalzustand registriert. Auch die Küstengebiete von Französisch-Polynesien wurden von einer rund zwei Meter hohen Flutwelle heimgesucht. Die Bewohner wurden zur Vorsicht aufgerufen. Auch auf den nahegelegenen Cook-Inseln sowie im Inselstaat Tonga wurden die Küstenregionen evakuiert. Auf Tahiti wurden alle Straßen gesperrt, die näher als 500 Meter von den Küsten entfernt liegen.

Erschütterungen auch in Argentinien

Das Erdbeben war nach Behördenangaben entlang des Gebirgszugs der Anden auch in Argentinien zu spüren. In Buenos Aires und Córdoba schwankten Gebäude. Schäden oder Verletzte gab es nach Behördenangaben aber nicht. Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach dem chilenischen Volk seine Anteilnahme aus. Hinweise auf deutsche Opfer lagen zunächst nicht vor, wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin mitteilte.

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Die deutsche Botschaft vor Ort sei eingeschaltet. Das Auswärtige Amt kündigte die Entsendung eines Erkundungsteams des Technischen Hilfswerks nach Chile an. Das stärkste jemals registrierte Beben wurde am 22. Mai 1960 ebenfalls in Chile gemessen. Bei dem Erdstoß der Stärke 9,5 kamen damals 1.655 Menschen ums Leben, zwei Millionen wurden obdachlos. Der davon ausgelöste Tsunami tötete Menschen in Hawaii, Japan und auf den Philippinen, an der Westküste der USA richtete er Schäden an.

ap/ntv

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