Heeresflieger Fritzlar wollen Feuerwehren schulen

Gefährliche Fasern: Nach Flugunfällen drohen Gesundheitsrisiken - Einsatz nur mit Atemschutz

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Übung für den Ernstfall: 2016 probten Bundeswehr und zivile Retter bei einer großen Katastrophenschutzübung in Oberaula die richtige Vorgehensweise im Falle eins Hubschrauberabsturzes.

Sollte es zu einem Flugunfall mit einem Tiger-Hubschrauber kommen, sehen zivile Retter ein erhebliches Gefährdungspotenzial. Sie wollen mehr Informationsaustausch mit der Bundeswehr.

Neue Werkstoffe bergen für Rettungskräfte immer auch neue Gefahren. Gerade im Flugzeugbau hat Kohlefaserverbundwerkstoff (CFK) eine große Verbreitung gefunden. Moderne Militärmaschinen bestehen mittlerweile zu einem Großteil aus dem Werkstoff.

Denn CFK ist leicht und hochbelastbar. Im Ursprungszustand ist Kohlefaserverbundwerkstoff harmlos. Bei der Berührung droht keinerlei Verletzungsgefahr, das Material ist sogar speichelfest. Nach einem Flugunfall beziehungsweise Crashlandung sieht es anders aus.

Bei einem Brand erhöht sich das Gefahrenpotenzial überproportional

Entsteht kein Brand, liegt das Gefahrenpotenzial von CFK in den scharfen Kanten an den Bruchstellen. Entsteht ein Brand und liegt die Temperatur über 600 Grad Celsius – was in der Regel erreicht wird – erhöht sich das Gefahrenpotenzial überproportional. Verbrennt CFK, entstehen ab Temperaturen von 650 Grad Celsius lungengängige Partikel, die im Verdacht stehen krebserregend zu sein, und die medizinisch nicht zu entfernen sind.

Rettungsdienst sollte verseuchte Zone meiden

Um sich zu schützen, sollten Ersthelfer bei einem Brand die Windrichtung beachten, erklärte ein Sprecher des Kampfhubschrauberregiments 36 in Fritzlar: „Darüber hinaus ist für den sogenannten Erstangriff der Feuerwehr die entsprechende Feuerwehrschutzbekleidung und außenluftunabhängige Atemschutzgeräte zu tragen.“ Da der Rettungsdienst in der Regel nicht über Atemschutz verfügt, ist ein Arbeiten direkt im Bereich der CFK-verseuchten Brandasche möglichst zu vermeiden.

Bei Flugunfall mit Kampfhubschrauber Tiger wird ABC-Zug alarmiert

Die Dekontamination der Helfer erfolgt über die ABC-Züge der Landkreise. Die Heeresflieger in Fritzlar arbeiten darüber hinaus eng mit der Berufsfeuerwehr in Kassel zusammen. „Der ABC-Zug der Berufsfeuerwehr wird umgehend bei einem Flugunfall mit einem Kampfhubschrauber Tiger alarmiert, um die notwendige Dekontamination zeitnah sicherzustellen“, so der Bundeswehrsprecher.

Im Falle einer Kontamination muss die Schutzbekleidung von einer Fachfirma gereinigt oder entsorgt werden.

Führungspersonal der Feuerwehren sollen stärker eingebunden werden

Natürlich werde bei den Einweisungen am Standort Fritzlar auf das Gefahrenpotenzial CFK eingegangen und bilde einen Schwerpunkt, betont der Sprecher des Kampfhubschrauberregiments: „Eine Regelmäßigkeit ist mit dem Personalkörper des Regimentes für die Vielzahl des Personals ziviler Hilfsorganisationen nicht leistbar.“

Derzeit ist seitens der Heeresflieger aber geplant, das Führungspersonal der Feuerwehren auch der umliegenden Landkreise stärker in die Themenfelder Flugunfall einzubeziehen, um dann in einem weiteren Schritt Informationstage für die Hilfsorganisationen direkt am Heeresflugplatz Fritzlar durchzuführen.

Das würde auch Frielendorfs Gemeindebrandinspektor Christian Nill begrüßen. Die letzte Unterweisung sei vor über zehn Jahren erfolgt, so Nill: „Davon zehre zumindest ich noch heute. Allerdings wäre eine Auffrischung des Themas dringend notwendig. Auch, weil sehr viele neue Führungskräfte aktiv sind und wir in Frielendorf im Tieffluggebiet liegen. Auf uns kam die Bundeswehr bislang nicht zu.“

Von Matthias Haaß

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