„Operation Schnuller“

Globaler Kinderpornoring ausgehoben - 900 Festnahmen

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Den Haag - Zwei Jahre lang hatten sie im Geheimen recherchiert. Jetzt ist internationalen Ermittlern ein großer Schlag gegen einen weltweiten Kinderpornoring gelungen.

Rund 900 Menschen seien weltweit festgenommen worden, knapp 370 davon in Europa, teilte Europol am Freitag in Den Haag mit. Mindestens 259 sexuell missbrauchte Kinder seien identifiziert oder gerettet worden.

Anfang dieser Woche waren die drei Hauptverantwortlichen der Internet-Plattform „Playpen“ (Laufstall) in den USA zu Gefängnisstrafen von bis zu 30 Jahren verurteilt worden. Playpen ist nach Angaben von Europol eine der weltweit größten Kinderporno-Plattformen mit mehr als 150.000 Nutzern. Sie befand sich im verborgenen Teil des Internet, dem Darknet. Über sie konnten Nutzer Zugang zu großen Beständen von Kinderpornos bekommen.

Es sei die erfolgreichste Aktion gewesen, die jemals vom FBI gegen Kriminelle auf der Darknet-Servicewebsite Tor geführt worden war.

Das amerikanische FBI, das in der Aktion federführend war, hatte „Playpen“ 2015 entdeckt, die ein Jahr zuvor gestartet worden war. "Wenig später bemerkten wir es, aber wir konnten nichts tun", sagte FBI-Special Agent Dan Alfin. 

Umstrittener Einsatz von Schadsoftware

Erst im Dezember machte der Gründer einen Fehler und eröffnete den Ermittlern so Zugang zur IP-Adresse, die in den USA registriert war. "Den Hinweis bekamen wir von Kollegen aus dem Ausland.“ Anschließend hatten weltweit die geheimen Ermittlungen unter dem Namen „Operation Schnuller“ begonnen, um die Nutzer aufzuspüren. Europol koordinierte dabei die Ermittlungen in Europa.

Bei der Operation Pacifier setzte das FBI Schadsoftware ein, um sich so der Website und des Servers von Playpen zu bemächtigen. Anschließend hackten und verfolgten die Bundespolizisten Besucher der Website und nisteten sich ebenfalls in deren Computern ein. Insgesamt wurden so mehr als tausend Computer weltweit von den Ermittlern gehackt und ihre Nutzer identifiziert. Datenschützer kritisierten das Vorgehen, das den Angaben zufolge auf einem einzigen Gerichtsbeschluss beruhte.  

"Playpen ist geschlossen, aber andere machen weiter", sagte  Alfin. "Wir setzen unsere Bemühungen fort, so gut wir nur können", betonte er. "Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel, mit der Einschränkung, dass es kein Spiel ist."

dpa/afp

Rubriklistenbild: © picture alliance / Silas Stein/d

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