Weitere 20 Schafe auf Almen im Pongau vermisst

„Problemwolf“ reißt 25 Schafe - Bauern fordern Abschuss des Wolfes

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Wolfsbeauftragter Hubert Stock (2.v.li.) will auch die Interessen der Tierschützer berücksichtigen, Landesrat Schwaiger (3.v.li.) fordert einen schnellen Abschuss.

Großarl/Pongau - Ein „Problemwolf“ hat in den vergangenen zwei Wochen rund 25 Schafe einer Agrargemeinschaft gerissen, rund 20 Tiere gelten als vermisst. „Bei mir hat er drei Schafe erwischt, die restlichen sieben habe ich jetzt von der Alm in Sicherheit gebracht“, berichtet Rupert Prommegger, Nebenerwerbslandwirt auf 1200 Metern Seehöhe. Die Politik will handeln, Agrarlandesrat Sepp Schwaiger verspricht Hilfe, „die Bauern müssen bei der Bezirkshauptmannschaft einen Antrag auf Entnahme stellen“, Entnahme bedeutet Abschuss.

 
Die Tofernalm in der Gemeinde Großarl ist rund 700 Hektar groß, aufgetrieben werden Schafe, Pferde und Rinder, „die Almwirtschaft gibt es dort schon seit 1000 Jahren“, so der Landesrat. Nun sind die rund zehn Mitglieder der Agrargenossenschaft in heller Aufregung, ein einziger Wolf soll seit Anfang Juli 25 Schafe gerissen haben, gesehen hat ihn allerdings noch niemand. „Eine DNA-Probe Ende Mai hat einen Wolfsbiss bestätigt, auch bei den jetzt gerissenen Schafen gehen die Tierärzte von einem Wolfsbiss aus“, so Prommegger. Auch wenn neue DNA-Ergebnisse noch ausstehen geht auch der Wolfsbeauftragte des Landes, Hubert Stock, davon aus, „dass es sich um Wolfsrisse handelt“. 

Die betroffenen Bauern haben ihre Schafe aus Angst jetzt von der Tofernalm wieder heruntergeholt und im Tal oder nahe ihren Bauernhöfen untergebracht, schon Ende Juni wollen sie eine Unruhe in der großen Herde feststellt haben. „Wir leben teilweise von der Schafhaltung, von der Entschädigung von 200 Euro pro getötetem Schaf können wir nicht leben“, sagt Prommegger. 

Politik will Abschuss

Agrarlandesrat Sepp Schwaiger hat am Sonntagmittag vor Ort den betroffenen Bauern Hilfe zugesagt. „Die Anzahl der getöteten Tiere rechtfertigt die Definition eines ‚Problemwolfs‘, die Landwirte können daher bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft den Antrag auf Entnahme stellen“, so Schwaiger, Entnahme heißt übersetzt Abschuss. Der spezielle Wolf-Managementplan des Landes sieht die Grenze von 25 gerissenen Schafen für diesen Antrag vor. Falls die Behörde in St. Johann dem Abschuss zustimmt haben Naturschutzverbände allerdings noch ein Einspruchsrecht, sie forderten in ähnlichen Fällen immer alternative Maßnahmen wie zum Beispiel einen besseren, höheren Zaun zum Schutz vor Wölfen, Hirtenhunde oder Hirten. 

„Das alles ist auf unseren Almen auf 2000 Metern Seehöhe nicht möglich“, meint Prommegger, „wie wollen sie 70 Hektar einzäunen?“. Den Wolf zu vergrämen wäre eine andere Alternative, so der Wolfsbeauftragte, der sowohl die Interessen der Almbauern, als auch der Naturschützer vertritt, „vergrämen heißt, ihn erschrecken oder ihn mit Gummigeschossen vertreiben“. Nur, dazu müsste man ihn erst einmal zu Gesicht bekommen, aber außer den Schafen hat ihn noch niemand gesehen, auch Fotos von speziellen Wildkameras gibt es nicht.

„Schafrassen bedrohter als Wolf“

Der Landesrat ist auf Seiten der Bauern, er will, dass die Almen bewirtschaftet und die Schafe wieder aufgetrieben werden, „sonst veröden die Almen und wachsen zu“. Bezirksbauernobmann Silvester Gfrerer sieht die Situation dramatisch, kleine Nebenerwerbsbauern würden mit Herz und Leidenschaft kleine Schafherden halten, „teilweise gefährdete Tierrassen die vom Aussterben bedroht sind, wesentlich mehr als der Wolf. Wenn er jetzt tötet, verlieren diese Bauern nicht nur die Tiere, sondern auch die Freude an der Haltung“. Eine Dramatik wie jetzt im Großarltal habe er im Pongau noch nicht erlebt, er fordert eine schnelle Regelung, gemeint ist ein schneller Abschuss „ohne große Hürden“, der Schutzstatus des Wolfes müsse herabgesetzt werden. 


hud

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