Hoffen auf die Wende in Fukushima

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Das am Dienstag veröffentlichte Foto zeigt Block 4 des AKW Fukushima.

Fukushima - Neue Stromleitungen für Pumpen und Kühlanlagen, dazu sinkende Temperaturen in einem Becken für Brennstäbe - im havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima wächst die Hoffnung auf eine Trendwende.

Von einer Entspannung der Lage konnte am Dienstag - elf Tage nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami - allerdings noch keine Rede sein.

Die Anbindung an die Stromversorgung ist ein bedeutender Schritt auf dem Weg, die prekäre Situation in dem Kernkraftwerk wieder unter Kontrolle zu bekommen. Bevor der Strom jedoch wieder angestellt werde, müssten die Pumpen und andere Geräte in den Reaktoren überprüft werden, teilten die Tokioter Elektrizitätswerke (Tepco) mit.

Bis die Kühlsysteme wieder umfassend funktionsfähig sind, kann es nach Einschätzung von Experten noch Tage dauern. Für Reaktor 2 steht bereits fest, dass die alten Pumpen nicht mehr verwendbar sind. Neue Geräte wurden bestellt, wann sie eintreffen, stand jedoch noch nicht fest.

Japan-Katastrophe: Die Bilder vom Dienstag

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Am späten Dienstagabend konnten im zentralen Kontrollraum des Blocks 3 die Lichter wieder angeschaltet werden. Das bedeute allerdings nicht, dass man das Kühlsystem wieder angeworfen habe, erklärten die Betreiber.

Große Sorgen bereitete am Dienstag ein Abklingbecken in Block 2 der Anlage, in dem 2.000 Tonnen radioaktives Material lagern. Der japanischen Atomsicherheitsbehörde NISA zufolge bewegte sich dort die Temperatur zeitweise um den Siedepunkt. Nachdem die Einsatzkräfte das Becken mit 18 Tonnen von Wasser besprengt hatten, sank die Temperatur jedoch wieder auf etwa 50 Grad Celsius.

Fukushima: Das AKW, vor dem die Welt zittert

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Das siedende Kühlwasser gilt auch als mögliche Ursache für die Wolken, die am Montag und Dienstag über den Reaktoren 2 und 3 in Fukushima zu sehen waren. Eine offizielle Erklärung dazu gab es bislang allerdings nicht.

Wegen der Wolken, in denen auch Radioaktivität vermutet wurde, mussten die Einsatzkräfte am Montag aus dem AKW abgezogen werden. Am Dienstag nahmen sie ihre Arbeit wieder auf und stellten die Stromleitungen fertig. Insgesamt waren nach Angaben der Atomsicherheitsbehörde am Dienstag rund 1.000 Arbeiter, Soldaten und Feuerwehrleute in dem Werk eingesetzt.

Wasserstände in Reaktoren gesunken

Auch die Lage in den Reaktoren bleibt kritisch. In zwei Blöcken seien die Brennstäbe weniger mit Wasser bedeckt als in den vergangenen Tagen, sagte ein NISA-Sprecher der Nachrichtenagentur dapd.

So hätten sie im Reaktor 3 bei der letzten Messung um 11.00 Uhr Ortszeit auf bis zu 2,35 Meter Länge freigelegen. Dies ist der höchste, seit Beginn der Krise bekannt gegebene Wert. Auch im Reaktor 1 sank der Wasserstand geringfügig ab, sodass die Brennstäbe dort mit 1,80 Meter etwa fünf Zentimeter weiter frei lagen als am Montag.

Nach dem Fund von radioaktiven Stoffen im Meer vor dem AKW wurde ein Forschungsschiff in die Gegend beordert, um regelmäßig Wasserproben zu sammeln und zu analysieren, wie das Wissenschaftsministerium mitteilte.

Mehr als 9.000 Leichen geborgen und identifiziert

In den von Erdbeben und Tsunami verwüsteten Gebieten des japanischen Nordostens sind bis Dienstag rund als 9.100 Leichen geborgen und identifiziert worden. Das teilte die japanische Polizei mit. Doch stündlich steigt die Zahl der Toten Es wird befürchtet, dass sich diese Zahl bis zum Abschluss der Bergungsarbeiten verdoppeln wird.

Rund 13.800 Menschen werden vermisst. Viele Leichen werden wohl nie gefunden werden. Nach dem verheerenden Tsunami 2004 wurden allein in Indonesien rund 37.000 der etwa 164.000 Todesopfer niemals gefunden. Ihre Leichen wurden vermutlich ins Meer gespült.

Wut auf Tepco

Derweil wächst der Zorn auf den Fukushima-Betreiber Tepco. Der Gouverneur der Präfektur Fukushima, Yuhei Sato, wies die Einladung zu einem Treffen mit Tepco-Präsident Masataka Shimizu scharf zurück. “Für Tepco ist es jetzt am wichtigsten, die Krise mit maximalem Einsatz zu beenden. Deswegen habe ich das Angebot abgelehnt“, sagte Sato dem Fernsehsender NHK und fügte hinzu: “Angesichts der Sorge, der Wut und der Verzweiflung, die die Menschen in Fukushima empfinden, gibt es für mich keinen Weg, eine Entschuldigung anzunehmen.“

Tepco werden massive Versäumnisse bei der Wartung von Fukushima-Daiichi vorgeworfen. Mindestens 33 Teile der Anlage seien nicht wie vorgeschrieben überprüft worden, heißt es in einem Bericht der japanischen Atomaufsicht.

Von Eric Talmadge und Mari Yamaguchi

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