Leben die Geiseln noch?

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Im Jemen wurden sieben Deutsche verschleppt.

Sanaa/Berlin - Sind die neun im Jemen entführten Ausländer noch am Leben? Aus Sicherheitskreisen in Sanaa hieß es, alle neun seien getötet worden. Lokale Behörden bestätigten lediglich den Tod von drei Frauen.

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Unter den Entführten sind eine fünfköpfige deutsche Familie sowie zwei weitere Deutsche. Der Familienvater soll entgegen ersten Meldungen kein Arzt, sondern ein Techniker sein. Wie „Bild.de“ schreibt, handele es sich bei den Geiseln um Johannes H. (36), dessen Ehefrau Sabine (36), die Kinder Lydia (4), Anna (3) und Simon (11 Monate) sowie die Pflegehelferinnen Anita G. (24) und Rita S. (26). Die Bundesregierung konnte die Angaben zunächst nicht bestätigen. Ausserdem wurden ein Brite und dessen südkoreanische Ehefrau verschleppt. Die Erwachsenen hätten alle in einer Klinik in Saada gearbeitet.

Hier wurden die Deutschen verschleppt.

Das südkoreanische Außenministerium erklärte, die 34-jährige Südkoreanerin sei für eine niederländische Hilfsorganisation tätiggewesen. Die neun Ausländer wurden nach Angaben des jemenitischen Innenministeriums am Freitag während eines Picknicks in Saada entführt. Aus den Sicherheitskreisen hieß es am Montag, Schafhirten hätten am Morgen nahe der Ortschaft El Naschur in Saada im Norden des Landes drei Leichen entdeckt. Die Gegend ist als Versteck von Al-Kaida-Terroristen bekannt. Später hieß es, die übrigen sechs Geiseln seien ebenfalls tot aufgefunden worden. Es wäre der mit Abstand blutigste Ausgang einer Entführung von Deutschen im Ausland seit Jahren. Ein Stammesführer in der Region sagte, das Terrornetzwerk stehe hinter der Entführung und der Tötung der drei Frauen. Eine von der Regierung in Sanaa der Entführung beschuldigte schiitische Rebellengruppe erklärte umgehend, sie habe nichts mit dem Verschwinden der Gruppe zu tun.

Frühere Geisel Chrobog besorgt über Entführung

Merkel sagte nach den Meldungen über den Fund von drei Leichen: “Wir kennen diese Meldungen, und wir gehen dem jetzt nach. Aber im Augenblick kann ich keine Bestätigung seitens der Bundesregierung geben.“ Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes erklärte: “Das Auswärtige Amt kann entsprechende Berichte nach derzeitigem Kenntnisstand nicht bestätigen. Der Krisenstab in Berlin und die Botschaft Sanaa bemühen sich mit Hochdruck um Aufklärung.“

Deutsche als Entführungsopfer

Deutsche als Entführungsopfer

Immer wieder werden Ausländer im Jemen von militanten Stämmen entführt, die Lösegeld oder Zugeständnisse von der Regierung erpressen wollen. Sie werden jedoch zumeist unversehrt wieder freigelassen. Erst am Freitag ließen Stammeskämpfer 24 einheimische und ausländische Helfer frei, die in einem von Saudi-Arabien finanzierten Krankenhaus arbeiteten und 24 Stunden zuvor entführt worden waren.

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Der ehemalige Außenstaatssekretär Jürgen Chrobog, im Jahr 2005 mit seiner Familie selbst Opfer eine Entführung im Jemen, äußerte sich besorgt über den Entführungsfall. “Diese Entführung trägt eine völlig andere Handschrift, als das damals bei mir der Fall war“, sagte Chrobog laut dem “Tagesspiegel“ (Dienstagausgabe). “Im Moment ist alles reine Spekulation, auch, ob es sich bei den Entführern um Al-Kaida-Terroristen handelt, es könnten auch andere Fanatiker sein“, wurde Chrobog weiter zitiert.

Normalerweise würde in solchen Fällen der Krisenstab des Auswärtigen Amtes “sehr erfolgreich arbeiten“, aber “dieser Fall ist nicht normal“, erklärte Chrobog demnach. “Ich glaube nicht, dass sich diese Entführung konkret gegen Deutschland gerichtet hat“, sagte er laut “Tagesspiegel“. War Al Kaida an einer Entführung beteiligt, ging sie für die Geiseln oft tödlich aus: Im März kamen im Jemen vier südkoreanische Touristen bei einem Selbstmordanschlag ums Leben, der Al Kaida zugeschrieben wurde. Im Januar hatten militante Islamisten die Gründung von Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel bekanntgegeben, ein Zusammenschluss der beiden Terrornetzwerke aus Saudi-Arabien und dem Jemen.

AP

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