Nach einer zehntägigen Reise

Todenhöfer: 7 verstörende Eindrücke vom IS

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Nach seiner Rückkehr von seiner Reise zum IS, fasste Jürgen Todenhöfer seine Eindrücke zusammen. Es sind zum Teil ganz andere Perspektiven auf den Islamischen Staat.

Er war vor Ort: Im syrische Raqqa und im irakischen Mossul machte sich der Publizist Jürgen Todenhöfer einen Eindruck vom IS. Er setzte sich dabei einer großen Lebensgefahr aus, nur ein Dokument des IS-Kalifen schützte ihn - eine Sicherheitsgarantie mit Siegel

Auf der Reise entstand auch das Interview für RTL mit dem deutschen Dschihadisten, das seit Mittwoch in Deutschland für Schlagzeilen sorgt.

Nach seiner Rückkehr fasste er seine sieben stärksten Eindrücke auf seiner Facebook-Seite zusammen. Hier in Kurzform:

1. "Der Westen unterschätzt die Dimension der IS-Gefahr dramatisch!"

Todenhöfer warnt: " Der IS hat in wenigen Monaten ein Staatsgebiet erobert, das größer ist als Großbritannien." Die Kämpfer seien angetrieben von einer fast "rauschartigen Begeisterung und Siegeszuversicht, wie ich sie in Kriegsgebieten noch nie erlebt habe".

2. "Der Zustrom neuer Kämpfer wächst"

Jürgen Todenhöfer war zwei Tage in einem Aufnahmelager des IS nahe der türkischen Grenze. Es seien an den beiden Tagen jeweils über 50 Menschen aus Europa, den USA und aller Welt neu angekommen. Darunter war auch erfolgreiche junge Leute.

3. Der 'Islamische Staat' scheint als Staat zu funktionieren

Vor allem in den Bereichen innere Sicherheit und Sozialfürsorge funktioniere der neue Staat. Die Sunniten im irakischen Teils des 'Islamischen Staats' würden ihn daher anscheinend widerstandlos hinnehmen.

4. "Ziel des IS ist die größte religiöse Säuberung in der Geschichte der Menschheit"

In der Vorstellung des IS sollen alle gemäßigten Muslime in der westlichen Welt, die die Demokratie bejahen, getötet werden. Ebenso wie Atheisten, Schiiten oder Hindus. Juden und Christen sollen als Buchreligiosen toleriert werden, müssten "aber eine fixe Schutzsteuer von einigen hundert Dollar pro Jahr zahlen". 

5. "Der IS ist eine 1-Prozent-Bewegung"

Jürgen Todenhöfer ist überzeugt: "Der IS predigt einen Islam, den 99 Prozent der 1,6 Milliarden Muslime unserer Welt ablehnen." Er habe als Christ den Koran mehrfach gelesen und kann nicht nachvollziehen, "was die Lehren des IS mit dem Islam zu tun haben sollen."

6. "Mit Bomben und Raketen ist der IS nicht zu besiegen"

Nur die sunnitischen Araber könnten den IS stoppen, meint Todenhöfer. "Die gemäßigten irakischen Sunniten würden sich dem IS allerdings nur entgegenstellen, wenn sie wieder voll in die irakische Gesellschaft integriert würden", glaubt der Publizist. Bombardierungen durch die USA und ihre Verbündeten seien "stets Terrorzucht-Programme".

7. Die wahre Terrorgefahr kommt nicht von den IS-Rückkehrern

Zwar könne man nicht ausschließen, dass ein Rückkehrer vom Bürgerkrieg in Syrien einen Anschlag in Deutschland verübe, jedoch gelten diese Rückkehrer für den IS als Verlierer, "die das Leben im Islamischen Staat nicht geschafft haben". Die größere Gefahr gehe eher "von noch nicht ausgereisten IS-Sympathisanten" aus. 

mg/ro24

 

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