Militärhistorische und taktische Weiterbildung

Gebirgspioniere erleben Tradition hautnah

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Die Ausbildungsgruppe mit Oberst a.D. Benkel (rechts hinten) und Oberstleutnant Klink

Julische Alpen - Das Gebirgspionierbataillon 8 führte mit ausgewähltem Führungspersonal eine militärhistorische und taktische Weiterbildung durch, die den Teilnehmern einen umfassenden Einblick in die Schlacht von Karfreit gewährte und zur tiefgreifenden Vermittlung des Traditionsverständnisses im eigenen Verband beitrug.

Die Pressemitteilung im Wortlaut:

Bis zum Monte Matajur (1643 Meter) sind es nur noch ein paar hundert Meter. Nach einer stürmischen Gewitternacht ist es jetzt schon ein dampfend heißer Morgen. Das Marschband, bestehendaus 25 jungen Gruppen- und Zugführern des Gebirgspionierbataillons 8, seinem Kommandeur Oberstleutnant Klink sowie Oberst a. D. Benkel, steigt durchgeschwitzt den steilen Steig hinauf. Die Soldaten folgen dem Weg, den bereits 102 Jahre zuvor auch Oberleutnant Erwin Rommel während des I. Weltkrieg mit seinen Männern des württembergischen Gebirgsbataillons wählte, um den Matajur in der Schlacht um Karfreit Ende Oktober 1917 zu erstürmen. 

„Nur wer weiß, woher er kommt, weiß auch, wohin er geht.“ sagte einmal der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss. Und das trifft auch heute noch, insbesondere auf uns Soldaten, zu. Das Gebirgspionierbataillon 8 wurde im Jahre 2010, also nach 53 Jahren am Standort Brannenburg/Inn, aus dem Gebirge und aus der Karfreit-Kaserne in das gebirgsferne Ingolstadt verlegt. Dadurch wurde die wichtigste Traditionslinie des Bataillons gekappt und sein identitätsstiftendes Traditionswappen entwurzelt. 

Ein Weiterbildungsteilnehmer bestimmt die Nordrichtung im Zuge der Geländeorientierung.

Vielen Gebirgspionieren fehlt aufgrund der Geographie seitdem der unmittelbare Bezug zum Gebirge und zur spezifischen Tradition des Verbandes. Zweck der jährlichen Weiterbildung am Isonzo ist es daher, das Traditionsverständnis des Verbandes wieder zu stärken und das taktische Verständnis für den Gebirgskampf zu schärfen. Schließlich tragen die Gebirgspioniere stolz den „Bläser von Karfreit“ im Bataillonswappen.


Traditionsverständnis entwickeln und richtig nutzen

Die Frage, die sich dabei stellt ist, was uns Soldaten in einer Einsatzarmee und im Gefecht wirklich hilft, unser Selbstbild angemessen und zeitgerecht auszurichten, und damit auch intrinsisch motiviert zu sein. Kann Tradition Vertrauen und Werteverbundenheit schaffen? Welchen Beitrag kann sie für die eigene mentale Kraft und persönliche Orientierung oder zur Stiftung des Gefühls der Zusammengehörigkeit leisten? Diese Frage muss zumeistjeder für sich selbst beantworten.

Hier besteht jedoch die entscheidende Lücke, die es auszufüllen gilt. Die dabei notwendigen Abgrenzungen und Ausschlüsse zu verstehen und zu erklären, ist und bleibt die große Herausforderung. Die Gebirgspioniere müssen zudem gemäß der Werte unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung die Möglichkeit erhalten, ihr eigenes Traditionsverständnis zu entwickeln und festzustellen, was hierfür maßgeblich ist. Dabei können alte Traditionen neu entdeckt und weiterentwickelt werden. Es gilt dabei auch, auf historischem Orientierungswissen aufbauend, militärhistorische Weiterbildungen an traditionsstiftenden Orten des Verbandes durchzuführen und dort greifbare und erlebbare Anknüpfungspunkte schaffen. Und genau das hat das Gebirgspionierbataillon 8 mit der Weiterbildung Isonzo getan.

Die Ausbildungsgruppe beim Marsch zum Fort Herrmann.

Weiterbildung auf historischen Wegen 

Am Montag zeigte Oberst a.D. Benkel den Teilnehmern der Weiterbildung am ersten Besprechungspunkt am Grenzübergang Arnoldstein die Aufmarschwege sowie damit verbundene Probleme auf. Nachdem somit die erste Fühlung zur Vergangenheit aufgenommen war, besichtigten die Soldaten weitere wichtige Ablaufpunkte im Verlauf des Aufmarschs. 

Der Tag gipfelte in einem Besuch des Museums zum ersten Weltkrieg in Karfreit, bei dem ein Museumsmitarbeiter emotional bewegende Geschichten zu allen Widrigkeiten und den Gegebenheiten des Krieges erzählte. Höhepunkt des zweiten Tages war neben den Besichtigungen der Flitscher Klause, des Fort Herrmann, der Abschussstelle sowie des Zielgebiets des Gaseinsatzes, der Besuch des deutschen Beinhauses mit einer Kranzniederlegung durch den Bataillonskommandeur Oberstleutnant Klink. 

Am nächsten Tag standRommels Weg zum Matajur im Fokus. Ausgehend vom Einsatzraum bis zur Einbruchsstelle in die italienischen Stellungen folgten die Weiterbildungsteilnehmer der Geschichte bis zum Abend der ersten Nacht der 12. Isonzoschlacht. Der Einbruch in die italienischen Stellungen wurde kurzerhand nach einem Entschluss durch einen Teilnehmer in Anlehnung an die damaligen Geschehnisse im Gelände nachgestellt („Rock Drill“), um so das taktische Verständnis im Gebirgskrieg zu festigen. 

Oberstleutnant Klink und zwei Soldaten der 4./ Kompanie bei der Kranzniederlegung im deutschen Beinhaus.

Als Tageshöhepunkt wurde so der „Kahlhügel“ geschwind im Handstreich genommen. An Tag vier der Weiterbildung marschierten die Soldaten schließlich auf den Monte Matajur und erreichten den Gipfel, wie Oberleutnant Erwin Rommel 102 Jahre zuvor, um Punkt 12 Uhr. Von dieser bestimmenden Höhe ließen die Teilnehmer alle vorangegangenen Tage in einer abschließenden lagebezogenen Geländeorientierung Revue passieren. 

Die Leutnantsbeförderung Oberfähnrich Deiningers am Gipfel in gleißender Mittagssonne und vor atemberaubender Kulisse krönte den Tag. Es liegt nun an uns jungen militärischen Führern, diese Erfahrungen zu verinnerlichen, als Multiplikatoren weiterzugeben, um so das Traditionsverständnis und die Traditionspflege des Verbandes weiter zu stärken.

Pressemitteilung der Geirgsjägerbrigade 23 "Bayern"

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