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Heftige Diskussionen, da Ortskräfte zurück blieben

Herzzerreißende Evakuierungsaktion: Ex-Soldat rettet 150 Hunde und Katzen aus Afghanistan

Paul Farthing, ehemaliger Soldat der Royal Marines und Gründer der Wohltätigkeitsorganisation „Nowzad Dogs“ kniet neben einem Hund.
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Paul Farthing, ehemaliger Soldat der Royal Marines und Gründer der Wohltätigkeitsorganisation „Nowzad Dogs“ kniet neben einem Hund.

Ein ehemaliger britischer Soldat ließ etwa 150 Hunde und Katzen aus einem Tierheim in Kabul nach Großbritannien ausfliegen. Was nach einer herzzerreißenden Rettungsaktion klingt, sorgt nun für heftige Diskussionen, da hingegen bis zu 1000 Ortskräfte im Kriegsgebiet bleiben mussten und nicht evakuiert werden konnten.

Kabul/London – Seit Wochen brodelt der Konflikt in Afghanistan wieder, viele Menschen haben deshalb fluchtartig das Land verlassen. Zahlreiche Länder evakuierten Diplomaten, Soldaten und Ortskräfte, doch auch viele andere Dinge wurden ausgeflogen. Während beispielsweise Deutschland bereits vor geraumer Zeit Wein und Bier aus dem Krisengebiet ausfliegen (Live-Ticker vom 17. August, Update 16.44 Uhr) ließ, sorgt nun eine weitere Evakuierungsaktion für Diskussionen. Diesmal sind es allerdings nicht die Deutschen, sondern die Briten, die teilweise heftig für ihr Handeln kritisiert werden.

Taliban-Sprecher auf Twitter um „sicheres Geleit für die Tiere“ gebeten

Wie die „Daily Mail“ berichtete, landete am Sonntagmorgen (29. August) das Charterflugzeug am Londoner Flughafen „Heathrow“. Mit an Bord: Nicht etwa Soldaten, Ortskräfte oder britische Staatsangehörige, sondern rund 150 Hunde und Katzen. Zuvor hatte ein ehemaliger britischer Soldat die militant-islamistischen Taliban um sicheres Geleit für die Tiere gebeten. „Mein Team und meine Tiere stecken am Umfeld des Flughafens fest. Wir haben einen Flug, der auf uns wartet. Können Sie bitte für sicheres Geleit für unseren Konvoi in den Airport sorgen?“, schrieb Paul („Pen“) Farthing auf Twitter an Taliban-Sprecher Suhail Shaheen.

Unterstützung der britischen Regierung

Hinter der Aktion, die als „Operation Ark“ („Operation Arche“) bezeichnet wurde, steht die Organisation „Nowzad“. Gründer dieser Organisation ist jener Paul Farthing, der selbst in Afghanistan stationiert war. Der ehemalige Soldat der Royal Marines hatte während seines Einsatzes im Krisengebiet bereits ein Tierheim in der afghanischen Hauptstadt Kabul gegründet.

Für die Evakuierung der Tiere aus „seinem“ Tierheim hat er sich zuvor in einer tagelangen Kampagne eingesetzt. Nach anfänglichem Zögern erhielt er schließlich die Unterstützung der britischen Regierung, die trotz der schwierigen Umstände ein Zeitfenster für seinen von Unterstützern finanzierten Charterflug zusagte.

Heftige Diskussionen durch Rettungsaktion entbrannt

Der Fall löste in Großbritannien eine heftige Kontroverse aus. Verteidigungsminister Ben Wallace hatte sich in Interviews darüber beschwert, dass die Diskussion zu viel Zeit in Anspruch genommen habe und warf Nowzad-Unterstützern vor, seine Mitarbeiter unter Druck gesetzt zu haben. Die „Times“ veröffentlichte eine Audio-Nachricht, in der Farthing angeblich einem Berater im Verteidigungsministerium damit droht, ihn in sozialen Medien zu „zerstören“, sollte er ihn nicht bei seinem Vorhaben unterstützen.

Bis zu 1000 Ortskräfte mussten zurückgelassen werden

Bei der britischen Rettungsoperation aus Afghanistan, die am Wochenende zu Ende ging, wurden nach Regierungsangaben mehr als 15.000 Menschen evakuiert. Angesichts von bis zu 1000 Ortskräften, die wegen der knappen Zeit zurückgelassen werden mussten, empörten sich viele Briten jedoch über die Evakuierung von Haustieren. Noch am Dienstag (24. August) hatte Wallace gesagt, er werde nicht die Tiere Menschen vorziehen, die sich in echter Gefahr befänden.

Woher der Sinneswandel bei Wallace kam, blieb zunächst unklar. Spekuliert wurde, die als besonders tierlieb bekannte Frau des Premierministers, Carrie Johnson, könne sich eventuell eingeschaltet haben. Regierungschef Boris Johnson wies jegliche Beteiligung von seiner Seite zurück. Er habe absolut keinen Einfluss auf einzelne Fälle, sagte Johnson am Donnerstag (26. August) zu Journalisten.

Was denkt ihr über die Aktion?

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge ist nur knapp die Hälfte der Briten (49 Prozent) der Meinung, dass Menschenleben mehr zählen als die von Tieren. Fast genauso viele (40 Prozent) halten die Leben von Menschen und Tieren für gleich wertvoll.

Fünf Katzen während Evakuierungsflug gestorben

Farthing verteidigte unterdessen seine Rettungsaktion und wies Kritik zurück. Die Tiere seien im Laderaum einer Cargo-Maschine ausgeflogen worden, in dem keine Menschen hätten befördert werden können. Fünf Katzen starben während der Reise, die übrigen Tiere sind nun in Großbritannien in Quarantäne.

aic mit Material der dpa

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