Weltweite Trauer um Absturzopfer

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Warschau - Mit zwei Schweigeminuten hat Polen am Mittag der 97 Opfer des Flugzeugabsturzes im westrussischen Smolensk gedacht. Zuvor hatten ganzen Land die Glocken geläutet.

Auch in der Nacht zum Sonntag kamen immer wieder Dutzende Menschen zum Präsidentenpalast, um den Toten die letzte Ehre zu erweisen. Sie zündeten Grabkerzen an und legten Blumen nieder. Der Platz vor dem Amtssitz des Staatsoberhauptes verwandelte sich in ein buntes Meer aus Grableuchten und Blumenkränzen. Die Straße musste gesperrt werden. 

Polen und Russland haben gemeinsam der Opfer gedacht. Die Regierungschefs Donald Tusk und Wladimir Putin legten am Abend am Ort des Unglücks gemeinsam Blumen nieder. Putin versicherte Tusk nach Angaben der Agentur Interfax, dass russische und polnische Spezialisten bei der raschen Aufklärung des Unglücks zusammenarbeiten würden.

Die russische Staatsanwaltschaft schließt eine technische Ursache für den Absturz aus. Die Maschine vom Typ Tupolew TU-154 sei in einwandfreiem Zustand gewesen, sagte Chefermittler Alexander Bastrykin am Sonntag nach Angaben der Agentur Interfax. Nach Auswertung des Stimmenrekorders im Flugzeug gebe es in den aufgezeichneten Gesprächen zwischen dem Piloten und dem Tower keine Hinweise auf technische Probleme. Vielmehr sei der Pilot von Kaczynskis Maschine mehrfach auf die schlechte Wetterlage und den Nebel hingewiesen worden und habe trotzdem mehrere Landeversuche unternommen, sagte Bastrykin.

Ein Fluglotse soll dem Piloten des polnischen Präsidentenflugzeugs kurz vor dem Anflug auf Smolensk geraten haben, wegen dichten Nebels nach Minsk in Weißrussland auszuweichen.

Trauerbeflaggung für Kaczynski

Für Kaczynski sollen auch in Deutschland die Fahnen auf Halbmast wehen. Als „Zeichen des tiefen Mitgefühls und der besonderen Solidarität mit dem polnischen Volk“ ordnete Bundesinnenminister Thomas de Maiziere am Sonntag für den Tag der Trauerfeierlichkeiten eine Trauerbeflaggung für alle Bundesbehörden an.

An allen deutschen Auslandsvertretungen in Polen sollen auf Anweisung von Außenminister Guido Westerwelle bereits ab dem Sonntag bis zur Trauerfeier die Fahnen auf Halbmast hängen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Ehemann Joachim Sauer trugen sich am Mittag in Berlin in das Kondolenzbuch der polnischen Botschaft in Berlin ein.

Identifizierung in Moskau

Viele der Todesopfer sind nach Moskau zur gerichtsmedizinischen Untersuchung gebracht worden. Spezialisten sollen nach dem Absturz der Maschine mit 97 Menschen an Bord die Leichen identifizieren, teilte die Staatsanwaltschaft am Sonntag in Moskau mit. Den Leichnam von Polens Staatschef hatte bereits dessen Zwillingsbruder Jaroslaw Kaczynski am Vorabend bei einem Besuch in Smolensk in Augenschein genommen.

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Das berichtete die polnische Zeitung “Gazeta Wyborcza“ unter Berufung auf Militärkreise am Samstag in ihrer Online-Ausgabe. Eine russische Maschine vom Typ Il-76 habe bereits eine halbe Stunde zuvor versucht, in Smolensk zu landen. Nach zwei erfolglosen Anläufen sei der erfahrene russische Pilot, der über gute Ortskenntnisse verfüge, dann umgekehrt und nach Moskau zurückgeflogen. Der polnische Pilot soll dagegen trotz der Warnung viermal den Landeanflug versucht haben. Die Fluglotsen hätten aber kein Recht, dem polnischen Präsidentenflugzeug die Landung zu verbieten.

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Ein Luftfahrtexperte von der Technischen Hochschule in Breslau, Tomasz Szulc, sagte, dem Piloten habe wahrscheinlich die “nötige Durchsetzungsfähigkeit“ gefehlt. Er erinnerte an einen Zwischenfall vom Sommer 2008. Damals hatte sich ein Pilot wegen akuter Gefahrenlage über die Order des Präsidenten, direkt nach Georgien zu fliegen, hinweggesetzt und war in einem Nachbarland gelandet. Lech Kaczynski musste mit einem Auto nach Tiflis chauffiert werden. Das Staatsoberhaupt warf dem Piloten damals Befehlsverweigerung vor.

dpa

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