Natascha Kampusch: Wird ihr Fall neu aufgerollt?

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Natascha Kampusch war 3096 Tage von Wolfgang Priklopil gefangen genommen worden. Doch hatte er Mittäter oder -wisser?

Wien - Der spektakuläre Entführungsfall Natascha Kampusch beschäftigt mehr als fünf Jahre nach ihrer Flucht weiterhin Österreich. Eine alte Spur soll neu vertieft werden.

Soll der Fall Natascha Kampusch neu aufgerollt werden? Ein parlamentarischer Ausschuss in Wien nimmt derzeit die Ermittlungen in dem spektakulären Kriminalfall um die Wienerin, die als Zehnjährige entführt wurde und sich achteinhalb Jahre später befreien konnte, unter die Lupe. Als einziger Täter gilt bisher der Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil, der sich nach der Flucht des Opfers das Leben nahm. Der Vorsitzende des Ausschusses, Werner Amon, zog die Einzeltäter-Theorie im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in Zweifel. Der Nachrichtenagentur dpa sagte Amon am Montag: „Aus meiner Sicht ist der Fall nicht abzuschließen.“

Zu welchem gemeinsamen Schluss der Ausschuss komme, sei jedoch noch offen. Der Unterausschuss des Parlaments soll eine Empfehlung abgeben, ob der Fall als abgeschlossen zu betrachten ist, ob ein Untersuchungsausschuss eingerichtet werden soll oder ob die Staatsanwaltschaft aufgefordert werden soll, den Fall neu aufzurollen. Aus Justizkreisen hieß es dazu zur dpa, es seien keine neuen Erkenntnisse zu erwarten: „Intensiver kann man einen Fall nicht ausermitteln“.

Im Zuge der Ermittlungen um die Entführung der damals zehnjährigen Natascha Kampusch 1998 waren immer wieder Zweifel geäußert worden. Hauptfrage dabei war, ob es neben Priklopil, der sich nach Kampuschs Flucht das Leben genommen hatte, noch weitere Täter oder Mitwisser gab. Immer wieder wurden Verbindungen in die Pädophilen- und Sado-Maso-Szene vermutet.

Ausschuss-Vorsitzender Amon sagte der dpa, es gebe ein „umfangreiches Dossier an Fragen“, die aus seiner Sicht noch nicht gelöst seien. Die Gesellschaft habe „ein Recht, die Wahrheit zu erfahren.“ Er regt an, auch Angaben des Entführungsopfers selbst zum Täter in Frage zu stellen: „Ich bin der Meinung, es ist ihre Wahrheit, ihre subjektive Wahrheit, die ich so zur Kenntnis nehme.“ Die junge Frau „wird Gründe haben, das so darzustellen, wie sie es darstellt“.

Dem gegenüber stehe das Recht der Bevölkerung, „die ganze Wahrheit zu kennen“. Dabei gehe es auch darum, mögliche Gefahr für andere abzuwenden. Für das Justizministerium selbst ist die Mehrtäter-Theorie haltlos, wie Sprecherin Sabine Mlcoch der Nachrichtenagentur APA kurz vor Einrichtung des parlamentarischen Ausschusses sagte: „Es gibt keine Beweise. Man hat in diese Richtung alles geprüft.“

dpa

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