Lange Haft für Täterin

Baby entführt und als eigenes ausgegeben: Urteil

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Mit diesem Poster wurde Carlina White einst gesucht - das linke Bild zeigt sie als Kind, das rechte, wie sie als Erwachsene aussehen könnte

New York - Der Fall Carlina White machte weltweit Schlagzeilen: Eine Frau entführte 1987 in New York ein Baby und gab sich jahrzehntelang als dessen Mutter aus. Jetzt fiel das Urteil.

In einem der aufsehenerregensten Fälle von Kindesentführung in den USA ist ein Urteil gefallen. Weil sie vor rund 25 Jahren ein Baby aus einem New Yorker Krankenhaus entführte und sich jahrzehntelang als dessen Mutter ausgab, muss eine Frau eine langjährige Haftstrafe absitzen. Ein Richter in Manhattan verurteilte Ann Pettway zu zwölf Jahren Haft, meldete die “New York Times“ am Dienstag (Ortszeit). “Es war ein egoistisches Verbrechen, das einem Paar den schlimmsten Alptraum zugefügt hat“, begründete der Richter das bereits am Montag gefällte Urteil.

Die heute 25 Jahre alte Carlina White war dem Bericht zufolge nicht im Gerichtssaal. Sie lebe heute in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia und wolle nichts mehr mit dem Fall zu tun haben. Ihre leiblichen Eltern, die inzwischen geschieden sind, zeigten sich enttäuscht von dem ihrer Meinung nach zu milden Urteil. “Das wird nicht die Zeit aufwiegen, die meine Tochter verschwunden war“, sagte Whites Mutter der “New York Times“ zufolge. Whites Vater hatte eine Strafe von 23 Jahren verlangt.

Die Geschichte von Carlina White hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Im August 1987 hatte Pettway sie im Alter von nur 19 Tagen als Krankenschwester verkleidet aus dem 17. Stock eines Krankenhauses im New Yorker Stadtteil Harlem entführt. Ihre Eltern hatten sie dorthin gebracht, weil sie Fieber hatte. Pettway hatte angeblich mehrere Fehlgeburten erlitten und wünschte sich verzweifelt ein Kind.

Unter falschem Namen wuchs White bei ihrer Entführerin in den Bundesstaaten Connecticut und Georgia auf. Pettway brachte rund zehn Jahre später noch einen Sohn zur Welt. Schon als Kind kamen White jedoch Zweifel, da sie Pettway nicht ähnlich sah und diese ihr auch keine Geburtsurkunde zeigen konnte. Schließlich fand sie im Internet ihr Foto auf einer Webseite für vermisste Kinder und kontaktierte ihre leibliche Mutter. Pettway tauchte unter.

Anfang 2011 sahen sich White und ihre leiblichen Eltern unter großem Medieninteresse zum ersten Mal seit rund 23 Jahren wieder. Die Behörden verstärkten daraufhin die Suche nach Pettway. Nachdem sie in einem Pfandhaus in Connecticut erkannt worden war, stellte sich Pettway den Behörden. Vor Gericht entschuldigte sie sich bei der Familie. “Ich möchte es wiedergutmachen und bitte um Vergebung.“

Die Strafe von zwölf Jahren werten Beobachter als vergleichsweise mild. Die Höchststrafe für Entführung in den USA ist lebenslang. Die Staatsanwaltschaft hatte 20 Jahre gefordert, die Anwälte von Pettway plädierten auf rund zehn Jahre. Als strafmildernd werteten die Richter, dass Pettway dem entführten Kind “ein gutes Zuhause“ geboten habe. Die Entführung sei nicht von dem Wunsch jemanden zu verletzten geleitet gewesen, “sondern von der verzweifelten Sehnsucht nach einem Kind, kombiniert mit Depression und Trauer über ihre erfolglosen Schwangerschaften und einer schweren psychischen Krankheit.“

dpa

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