Kinderkrebs nahe Atomkraftwerken bleibt Rätsel

+
Es ist weiterhin unklar, warum Kinder, die in der Nähe von Atomkraftwerken aufwachsen, häufiger Krebs kriegen als andere.

Berlin - Warum Kinder unter fünf Jahren besonders häufig an Krebs erkranken, wenn sie in der Nähe eines Atomkraftwerks wohnen, bleibt weiter unklar.

Die Häufung von Krebserkrankungen bei Kleinkindern rund um die deutschen Atomkraftwerke ist Experten nach wie vor ein Rätsel. “Bisher kann das Bundesamt für Strahlenschutz dort wohnenden Eltern nicht empfehlen, aus der Umgebung von Kernkraftwerken wegzuziehen“, erklärte die Behörde am Mittwoch bei der Vorlage ihres Jahresberichts in Berlin.

Nach der sogenannten KiKK-Studie vom Dezember 2007 erkranken Kinder unter fünf Jahren umso häufiger an Krebs - vor allem an Leukämie -, je näher sie an einem Atomkraftwerk wohnen. Im Fünf-Kilometer-Umkreis der 16 Atomstandorte wären statistisch im Durchschnitt 48 neue Krebserkrankungen bei Kindern dieser Altersgruppe zu erwarten. Tatsächlich seien es aber 77 Fälle. Bei Leukämie liege die Zahl der Fälle doppelt so hoch wie statistisch zu erwarten, fasste das Amt die Ergebnisse noch einmal zusammen.

Die Durchführung der Studie und ihre Ergebnisse seien inzwischen mehrfach unabhängig geprüft worden, unter anderem durch die Strahlenschutzkommission und durch britische Epidemiologen. Die Korrektheit sei bestätigt worden. Dennoch finden Experten keine schlüssige Erklärung für die Ergebnisse.

Strahlenbelastung gering

“Nach derzeitigem Kenntnisstand über die Wirkung von Strahlung ist die zusätzliche Strahlenbelastung durch den Betrieb der Atomkraftwerke allein zu gering, um die Risikoerhöhung in der Nähe von Kernkraftwerken erklären zu können“, fasst das BfS zusammen. “Dazu müsste die Belastung rund 1.000 Mal höher sein.“ Die Analyse anderer möglicher Ursachen - etwa die soziale Schicht, die Belastung durch Pflanzenschutzmittel oder Röntgenuntersuchungen des Kindes - lieferte demnach ebenfalls keine schlüssigen Hinweise.

Unter dem Strich bleibt laut BfS vorerst nur die Erkenntnis, dass Radioaktivität aus Atomkraftwerken als Risikofaktor nicht ausgeschlossen werden kann, dass aber die KiKK-Studie sie auch nicht als Ursache der Häufung belegt. Deshalb fordert die Behörde weitere Forschungen, zumal das Entstehen von Leukämie bislang nur sehr unzureichend verstanden werde. “Möglicherweise sind es mehrere Faktoren, die erst gemeinsam zu einem erhöhten Krebsrisiko führen“, erklärte das Amt. “Dies zu verstehen, stellt eine große wissenschaftliche Herausforderung dar.“

AP

Zurück zur Übersicht: Welt-News

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser