So fühlt er sich jetzt

Künstler verbringt eine Woche in tonnenschwerem Felsbrocken

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Abraham Poincheval und seine steinerne Zwangsjacke.

Paris - Extremerfahrungen als Kunst: Das ist das Metier von Abraham Poincheval. Jetzt hat sich der 44-Jährige eine Woche lang in einen Felsbrocken einsperren lassen, und berichtet nun von seiner Erfahrung. 

Unter ärztlicher Aufsicht hat der französische Extremkünstler Abraham Poincheval am Mittwoch die von zwei Kalksteinhälften gebildete, zwölf Tonnen schwere Mini-Höhle im Pariser Museum Palais de Tokyo verlassen, in der er sieben Tage lang eingeschlossen war.

Er sei "ein bisschen groggy", sagte der 44-Jährige zu Journalisten, bevor er sich einer medizinischen Untersuchung unterzog. Ausgestattet war die steinerne Zwangsjacke, die in leicht vergrößerter Form Poinchevals Sitzhaltung nachzeichnete, mit Wasser, Suppe, Trockenfleisch als Nahrung, die sich in kleinen Nischen befand. Als Toilette diente ein kleiner Container, der unter ihm eingebaut war. Außerdem hatte er ein paar Bücher bei sich. Sinn und Zweck der Performance: "Ich will wissen, ob es möglich ist, ein anderes Leben als das unsere zu erforschen", wie er in einer Pressekonferenz Anfang Februar erklärte.

„Ich fühle mich überhaupt nicht eingeengt“

Eine Infrarotkamera filmte den Künstler. Besucher des Museums für moderne und zeitgenössische Kunst konnten die Performance so auf einem Bildschirm verfolgen. "In diesem Stein reise ich, ohne mich zu bewegen, wie ein Astronaut, ein bisschen wie auf einem Floß", sagte Poincheval am Freitag aus der Höhle heraus. "Ich fühle mich überhaupt nicht eingeengt."

Tatsächlich erlaubte ein Spalt zwischen den beiden Felsbrocken eine Kommunikation mit der Außenwelt. Besucher sprachen die Woche über mit ihm, lasen ihm Gedichte vor, ein junger Mann spielte ihm sogar mit einer Gitarre ein Lied vor.

Schwierigkeiten habe er nur mit dem Schlafen und dem Zeitgefühl: "Ich weiß nie so richtig, ob ich schlafe oder nicht, es ist komisch. Ich habe ein gewisses Zeitgefühl, was die Öffnungszeiten des Museums angeht, denn ich höre unterschiedliche Geräusche. Aber ich habe überhaupt kein Gefühl, ob es Tag oder Nacht ist."

Die verrückten Aktionen des Abraham Poincheval

Es ist nicht das erste Mal, dass Poincheval mit seinen Aktionen von sich reden macht. Im Jahr 2014 verbrachte er im Pariser Jagd- und Naturmuseum 13 Tage in einem ausgestopften Bären. Damals wollte er die Verbindung zu den Vorfahren und der Tierwelt erkunden. 

Ende Juli 2015 ließ sich der Extremkünstler, der in Marseille lebt, in einer Riesenflasche auf der Rhône treiben. Im Inneren der 6 Meter langen und 2 Meter breiten Glasflasche erreichten die Temperaturen teilweise bis zu 50 Grad. 

Der Bär als auch die Flasche, mit denen Poincheval auf Entdeckungsreise ging, sind im Museum ausgestellt.

Nach jeder Performance braucht der Vater zweier Kinder mehrere Monate, um wieder in die heutige Zeit zurückzufinden. Am schlimmsten sei das Ende seiner Aktionen, wie er erklärte. Da falle er in eine Art Depression. Bislang hat Poincheval noch nie eine Performance abgebrochen.

Bald schon steht seine nächste außergewöhnliche Kunstaktion an, ebenfalls im Palais de Tokyo: Ab Ende März will er als lebende Henne mehrere Wochen lang auf ein paar Dutzend Eiern sitzen und sie ausbrüten.

An einer Sache arbeitet Poincheval schon seit Jahren: Sein Traum sei es, auf Wolken zu gehen.

afp/dpa

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