Spontane Schnappschüsse oder Kunst?

Künstler verdient tausende Dollar mit fremden Snapchat-Nacktbildern

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Künstler Matty Mo beim Aufhängen seiner „Ausstellungsstücke“.

Los Angeles - Ein kurzer Snapchat-Aufruf und schon hatte Matty Mo hunderte Nacktbilder fremder Menschen auf dem Handy. Er verkaufte die Schnappschüsse bei einer öffentlichen Auktion - und verdiente tausende Dollar. Doch warum das Ganze?

Matty Mo aus Los Angeles, der sich selbst als „The Most Famous Artist“ bezeichnet, ist ein“Künstler des Internets“. Es liegt ihm am Herzen, mit seiner Kunst etwas zu bewegen, auf etwas aufmerksam zu machen, wach zu rütteln. Dazu gehört auch sein jüngstes Experiment, bei dem er vermutlich selbst nicht damit gerechnet hatte, dass es derart ausufern würde.

Bei genauerer Betrachtung der sozialen Medien fiel ihm auf, dass diese immer mehr dazu genutzt werden, die Gesellschaft zu sexualisieren. Menschen posteten einfach so Nacktbilder von sich, ohne Gegenleistung, ohne Scham. Vor allem über den Messaging-Dienst „Snapchat“, bei dem die gesendeten Bilder bekanntlich nach wenigen Sekunden wieder verschwinden - es sei denn der Empfänger macht einen Screenshot.

„Es liegt in der Natur des Menschen, dass wir aus Snapchat das gemacht haben, was es heute ist. Ich denke als Evan Spiegel Snapchat gründete, war es nicht seine Absicht, eine Plattform zu entwickeln, auf der Leute Nacktfotos senden“, sagt Matty Mo in dem Video, dass sein eindrucksvolles Experiment darstellt.

Matty erhielt hunderte Nacktbilder wildfremder Menschen.

Alles begann mit einem vermeintlich harmlosen Aufruf Mattys auf Snapchat: „Es ist mein Geburtstag und ich will euch berühmt machen. Schickt mir eure Nacktbilder“, sagt er in seine Smartphone-Kamera. Die Bedingung: Die Absender mussten mindestens 18 Jahre alt sein und durften auf dem Bild nicht identifizierbar sein. Somit umging Matty Mo alle rechtlichen Konsequenzen, die sich aus dem ergeben hätten, was nach dem Aufruf folgen sollte. „Ich bekam etwa 500 Bilder innerhalb von 24 Stunden. Jedes Mal wenn ich auf mein Handy schaute, hatte ich Angst vor dem, was ich sehen würde. Ich wusste nicht, würde es große Brüste sein, ein langer Penis, ein kleiner Penis oder ein A****loch. Es war schockierend“, so Matty im Video.

Schönste Bilder in New Yorker Kunstgalerie ausgestellt

Kenner der Kunst-Szene zahlten hohe Preise für das „Werk“.

Von den hunderten Bildern wählte Matty schließlich die 40 Fotos aus, die ihm selbst am schönsten und ästhetischsten erschienen und stellte sie in einer riesigen Kunstgalerie direkt an der New Yorker Wall Street aus, in der selben Woche, in der das Snapchat-Unternehmen an der New Yorker Börse debütierte. Für die Fotos nahm er je nach Größe zwischen 200 Dollar und 1.800 Dollar - und die Leute kauften es. Ein Käufer aus dem Video spricht genau das aus, was Matty Mo mit seinem Experiment zeigen wollte: „Für mich ist das Kunst. Es ist eine genaue Reflexion unsere Zeit und unserer Generation.“ Sagt es - und kauft ein Bild des nackten Hinterns einer jungen und ihm völlig fremden Frau für 600 Dollar.

„Das Internet verändert unsere Wahrnehmung von Scham“

„Unsere ursprünglichen Wahrnehmungen von Identifikation, von Scham, all das hat das Internet verändert. Nun leben wir in einer Welt, in der die Leute denken, dass es okay ist, Nacktbilder zu verschicken und noch weiter - zu glauben, dass diese nach ein paar Sekunden für immer verschwinden. Aber ich kann euch sagen - sie verschwinden niemals. Sie werden immer irgendwo gespeichert sein“, so Matty Mo.

Das für ihn Beste an dem Experiment sei gewesen, dass renommierte Leute der Kunstszene in seine Ausstellung gekommen seien, um diese „Kunst“ tatsächlich zu kaufen. Für Matty hat sich das Experiment in vielerlei Hinsicht gelohnt. Doch jeden weiteren Nutzer von sozialen Netzwerken sollte Matty Mos „Kunstprojekt“ zum Nachdenken anregen.

kah

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