Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Todesfahrer Stefan L. wartet weiter auf Prozess

Nach Unfall-Horror mit sieben Toten in Südtirol: Jetzt gibt es eine neue Millionen-Klage

Unfallwagen nach tödlichem Unfall in Luttach
+
Das von den Carabinieri Bozen herausgegebene Foto zeigt den Unfallwagen, der auf eine Mauer aufgefahren ist. Betrunken und vermutlich zu schnell - so fuhr ein Südtiroler in eine Gruppe junger deutscher Touristen. Am Tag danach starb ein siebtes Opfer im Krankenhaus.

Luttach/Bozen – Knapp drei Jahre ist die Unfalltragödie in Luttach (Südtirol) nun her. Damals starben sieben junge deutsche Touristen – totgerast von Stefan L. (damals 27). Juristisch aufgearbeitet ist die Horrornacht jedoch noch lange nicht. Jetzt gibt es neue Details dazu:

Vor dem Landesgericht in Bozen ist jetzt eine Klage gegen den Busfahrer, der den Touristenbus fuhr, eingereicht worden. Der Anwalt eines Schwerstverletzten, der seit der Unfallnacht ein Pflegefall ist, fordert darin von der Versicherung des Busunternehmens eine Entschädigung von rund 3,7 Millionen Euro. Die Bild-Zeitung hatte darüber zuerst berichtet.

Dr. Markus Wenter begründete die Klage auch gegenüber der Zeitung: „Der Busfahrer blendete in der Nacht unerlaubt auf und ließ die Touristengruppe an einem unsicheren Ort aussteigen.“ Durch das Aufblenden sei der Todesfahrer L. geblendet worden, habe deshalb ein Ausweichmanöver einleiten müssen und sei dann in die Menschengruppe gerast. Der Anwalt wurde laut Bild sogar noch konkreter: „Er (Anm. der Red.: Der Busfahrer) hätte nur ein paar 100 Meter weiterfahren, wenden und zur Pension der Deutschen zurückfahren müssen, dann wäre der Unfall sicherlich nicht passiert.“

Schon im Sommer 2020, nur wenige Monate nach dem Horrorunfall, war ein schockierendes Gerichtsgutachten veröffentlicht worden, das bei der jetzigen Klage durchaus eine Rolle spielen könnte. Ein renommierter Verkehrsgutachter aus Verona hatte die Unglücksnacht damals minutiös rekonstruiert (rosenheim24.de hatte berichtet) und den deutschen Skitouristen (und auch dem Busfahrer) eine Mitschuld attestiert. Begründung: L. habe gar nicht mehr rechtzeitig bremsen können, weil die Urlauber nicht auf dem beleuchteten Fußgängerüberweg die Straße überquert hätten – sondern kurz dahinter an einer sehr dunklen Stelle.

Horror-Unfall in Luttach fordert zahlreiche Todesopfer

 © Dominik Bartl
 © Dominik Bartl
 © Dominik Bartl
 © Dominik Bartl
 © Dominik Bartl
 © Dominik Bartl
 © Dominik Bartl
 © Dominik Bartl
 © Dominik Bartl
 © Dominik Bartl
 © Dominik Bartl
 © Dominik Bartl
 © Dominik Bartl
 © Dominik Bartl
 © Dominik Bartl
 © Dominik Bartl
 © Dominik Bartl
 © Dominik Bartl

Mit 90 km/h und zwei Promille in Gruppe gerast

Zu dem fürchterlichen Unfall war es am 5. Januar 2020 gekommen, als Stefan L. in Luttach in Südtirol mit einem Audi TT in eine Gruppe von Skitouristen gerast war. Hinterher kam raus: Der damals 27-jährige Todesfahrer hatte Liebeskummer und deshalb zuvor in verschiedenen Bars erheblich getrunken. Ein Alkoholtest ergab fast zwei Promille. Er soll mit rund 90 Sachen durch den kleinen Ort gerast sein – erlaubt sind maximal 50 km/h. Anfangs waren die Ermittler sogar davon ausgegangen, dass L. 100 km/h zum Unfallzeitpunkt fuhr.

Sechs junge Menschen waren nach dem Horror-Crash sofort tot, eine siebte Person starb wenig später in einem Krankenhaus in Innsbruck. Die Opfer stammten größtenteils aus Nordrhein-Westfalen. Einige Schwerverletzte haben bis heute mit den Spätfolgen des Unfalls zu kämpfen. Neben dem jungen Mann, der zum Pflegefall wurde, erlitt beispielsweise eine Frau eine Verletzung am Auge, ihre Sehkraft ist eingeschränkt. Ein Mann erlitt schwere Verletzungen an den Beinen und humpelt seit dem Unfall. Ein anderer Mann erlitt schwere Depressionen und musste mehrfach in einer Klinik behandelt werden. Die Versicherung des Todesfahrers hat den Opfern und deren Angehörigen inzwischen eine Entschädigung in Millionenhöhe bezahlt.

Stefan L. wurde wenig später festgenommen und lebt – nach einem kurzen Aufenthalt in einem Gefängnis in Bozen – seither im Kloster Neustift. Dort wartet er auf seinen Prozess, der am kommenden Montag (21. November) beginnen soll. L. muss sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung in sieben Fällen sowie schwerer und schwerster Körperverletzung verantworten. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 18 Jahre Haft.

mw

Kommentare