Urlaub während der dritten Welle

Malle-Urlauber sorgen für heftige Kritik - diese reagieren irritiert: „Wo soll ich mich denn anstecken?“

Mallorca
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in Apartmenthaus steht vor einem leeren Strand auf Mallorca. Angesichts vieler auf Mallorca urlaubender Deutscher hat die Bundesregierung angekündigt, die Lage auf der Insel dauernd zu beobachten.

Während viele Deutschen einen Spaziergang an den malerische Stränden der spanischen Ferieninsel Mallorca genießen, regt sich hierzulande teils heftige Kritik an den Urlaubern.

Mallorca - Seit dem 14. März ist die Reisewarnung für die bei Deutschen beliebte Urlaubsinsel vom Auswärtigen Amt aufgehoben. Dieser Umstand sorgte nicht nur in der Politik für viel Kritik. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zeigte sich ob der nicht kommunizierten Entscheidung des Bundes, die Warnung vor Reisen nach Mallorca aufzuheben, irritiert. Der CSU-Vorsitzende sprach dabei von einer „Hoppla-Hop-Entscheidung ohne Rücksprache“, die die Legitimationswirkung bei den Bürgern in Frage stellen würde. 

Für Bayern kündigte Söder an, nur noch Personen mit einem negativen Test die Einreise gewähren zu wollen.

Bundesregierung will Lage auf Mallorca beobachten

Angesichts vieler auf Mallorca urlaubender Deutscher hatte die Bundesregierung ebenfalls angekündigt, die Lage auf der Insel dauernd zu beobachten. Man werde darauf schauen, ob sich Infektionsrisiken zeigen, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Nacht zum Dienstag (23. März) nach den Bund-Länder-Beratungen über das weitere Vorgehen in der Pandemie. „Es gab ja auch erste Informationen, dass dort die brasilianische Mutante aufgetaucht ist. Das wird etwas sein, was wir sehr genau untersuchen.“

„Insgesamt ist durch die Tatsache, dass es Übernachtungsmöglichkeiten auf Mallorca gibt, eine nicht einfache Lage eingetreten“, sagte Merkel. Die Rechtslage sei „verzwickt“. Die Kanzlerin erneuerte den Hinweis an die Bürger, „dass man eben nicht reisen sollte in diesem Jahr“. Bund und Länder appellierten aber an die Fluggesellschaften, keine zusätzlichen Flüge mehr für die Osterferien anzubieten.

Generelle Testpflicht soll vor Abflug nach Deutschland eingeführt werden

Zudem soll für alle Flüge aus dem Ausland nach Deutschland eine generelle Testpflicht vor Abflug eingeführt werden. Bisher müssen nur Einreisende aus „Hochinzidenzgebieten“ mit besonders vielen Infektionen sowie aus Gebieten mit neuen Virusvarianten bei Einreise einen Test vorweisen. Kommt man aus einem „normalen“ Risikogebiet, muss man sich erst 48 Stunden nach Ankunft in Deutschland testen lassen, was sich schwer kontrollieren lässt.

Es gibt aber auch Gebiete in Europa, die gar nicht mehr auf der Risikoliste des RKI stehen, wie zum Beispiel eben Mallorca. Die neue Testpflicht zielt vor allem auf Urlauber ab, die von dort in den nächsten Wochen nach Deutschland zurückkehren. In der Osterzeit sollen es um die 40.000 sein.

Urlauber scheinen Warnungen nicht zu stören

Vielen Urlaubern scheinen die eindringlichen Warnungen und drohenden Einschränkungen nicht zu stören. So hatte das deutschsprachige Blatt „Mallorca-Zeitung“ bei Touristen nachgefragt. Diese reagierten auf den Trubel in der Heimat aufgrund ihres Ausflugs mit Gelassenheit. So gab ein Ehepaar aus Thüringen gegenüber der Zeitung an, dass man kein schlechtes Gewissen habe. „Die Massen, von denen deutsche Politiker berichten, sehe ich nicht“, so der Mann. „Wo soll ich mich denn hier anstecken? Da ist die Gefahr für meine Frau, die als Erzieherin arbeitet, in Deutschland wesentlich größer. Dort tritt sie mit mehr Personen in Kontakt.“ Weiter gab das Paar an, dass man lieber in eine Ferienwohnung im Allgäu gefahren wäre, doch das sei ja leider nicht möglich.

Auch im ARD-Magazin „Weltspiegel“ kamen deutsche Urlauber zu Wort: „Test zur Einreise, die Maßnahmen an Bord sind auch hervorragend. Man hat sich nicht unwohl gefühlt“, erklärt eine Touristin. Ein schlechtes Gewissen hatten die Reisenden nicht. „In Deutschland sind die Inzidenzzahlen viel höher als hier in Palma.“

Stand 22. März weist die Balearen-Insel eine 7-Tage-Inzidenz von 27,57 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner auf. Deutsche Politiker weisen allerdings daraufhin, dass auf Mallorca vermehrt die brasilianische Variante des Coronavirus aufgetreten sei.

Virologen warnen

Virologen warnen, dass zunehmende Mobilität und Sorglosigkeit im Urlaub die Infektionszahlen in die Höhe treiben. „Wenn die Reiseaktivität steigt, dann werden auch die Inzidenzraten steigen. Das ist relativ klar“, sagt der Mainzer Virologe Bodo Plachter. „Im Urlaub möchte man sich erholen, möchte man dann auch Corona vergessen. Und das führt dazu, (...) dass die Vorsicht sinkt und die Infektionsraten steigen.“ Diesen Effekt gab es schon im vergangenen Sommer. Die Reiseveranstalter halten dagegen, dass es ja Abstandsregeln und Hygienekonzepte gebe und daher Pauschalurlaub relativ sicher sei.

Laut einer Umfrage des Meinungsinstituts YouGov im Auftrag der DPA (Deusche Presse-Agentur) gaben 79 Prozent der Befragten bereits in der vergangenen Wochen an, nicht verreisen zu wollen. Nur zwei Prozent hatten zum Zeitpunkt der Umfrage (16. bis 18. März) einen Urlaub im Ausland geplant, weitere vier Prozent wollten im Inland verreisen, zehn Prozent hatten sich noch nicht entschieden.

Alle Länder bereisbar

Allgemein gilt: Es gibt für kein Ziel ein Reiseverbot. Grundsätzlich kann man in alle Länder reisen, in denen keine Einreisebeschränkungen für Deutschland gelten und in die es Flugverbindungen gibt. Für etwa 160 von rund 200 Ländern weltweit gilt aber die Quarantänepflicht bei Rückkehr, weil sie als Risikogebiet eingestuft sind. Neben Mallorca und den anderen Balearen-Inseln wie Ibiza, Menorca und Formentera sind bisher nur wenige Urlaubsgebiete in Europa nicht auf der Risikoliste. Dazu zählen die kroatische Ferienhalbinsel Istrien, Teile des spanischen Festlands und Portugals Algarve-Küste. An der Algarve dürfen aber beispielsweise die Hotels - wie in Deutschland - keine Touristen aufnehmen.

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