Beschluss bekräftigt Freundschaft zu Stephan Ernst

Weitere Details im Mordfall Lübcke: Kasseler Markus H. bleibt in Haft   

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Tatort Istha: Auf der Terrasse seines Wohnhauses wurde Walter Lübcke am 1. Juni erschossen.

Seit Ende Juni sitzt Markus H. aus Kassel wegen Beihilfe im Mordfall Lübcke in Untersuchungshaft. Jetzt hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass er auch vorerst nicht freikommt.

Seit Ende Juni sitzt Markus H. aus Kassel in Untersuchungshaft. Ihm wird Beihilfe zum Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke vorgeworfen, weil er Stephan Ernst, dem mutmaßlichen Todesschützen, den Kontakt zu einem Waffenverkäufer in Westfalen vermittelt haben soll. 

Jetzt hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass Markus H. vorerst nicht freikommt. Eine entsprechende Haftbeschwerde wurde abgewiesen. Die Begründung liefert dabei interessante Details über den Mordfall und den Stand der Ermittlungsergebnisse. Eine Übersicht.

 H.s Verhältnis zu Stephan Ernst

Wie standen Markus H. und Stephan Ernst zueinander? Aus dem jüngsten Beschluss des Bundesgerichtshofs geht hervor, dass beide mehr waren als bloße Bekannte. Sie sollen eine enge Freundschaft entwickelt haben, nachdem sie seit 2013/2014 am Arbeitsplatz wieder in Kontakt gekommen waren.

Diese Freundschaft soll geprägt gewesen sein von einer immer radikaler werdenden rechtsnationalen Gesinnung. Gemeinsam nahmen Stephan Ernst und Markus H. auch an rechtsextremen Demonstrationen teil. Beide hätten nach der Zuwanderung von Ausländern bürgerkriegsähnliche Zustände befürchtet und seien so zu der Überzeugung gekommen, sich bewaffnen zu müssen. Über Markus H. kam Stephan Ernst in den Schützenclub in Sandershausen. 

Hier sollen sie sich oft getroffen und Schießübungen absolviert haben. Beide sollen sich einig gewesen sein, dass es an der Zeit sei, aktiv zu werden. Stephan Ernst soll konkrete Gedanken an ein Attentat auf Walter Lübcke gehabt, Markus H. aber nicht konkret eingeweiht haben. 

Laut Beschluss des Bundesgerichtshofs hat Stephan Ernst allerdings Andeutungen gemacht; der Bundesgerichtshof geht insofern davon aus, dass Markus H. seinen Freund Stephan Ernst in dessen Willen bestärkt hat, sein Vorhaben auszuführen. Demnach soll Markus H. die Tat auch schon dadurch gefördert haben, dass er Ernst die Möglichkeit verschafft hat, das Schießen zu üben..

Das wissen wir über Markus H.

Auch die frühere Lebensgefährtin von Markus H. hat als Zeugin Ernst und H. als Freunde beschrieben. Laut ihren Aussagen soll Markus H. der „Denker“ und Stephan Ernst der „Macher“ gewesen sein. Bis mindestens Anfang 2017 hätten beide gemeinsam an Demonstrationen teilgenommen. 

Markus H. soll oftmals nicht unter Klarnamen aufgetreten, sein Lebensstil auf Verheimlichung ausgelegt gewesen sein. So sollen Ernst und H. auch den verschlüsselten Messenger-Dienst „Threema“ genutzt haben. Seiner Lebensgefährtin soll Markus H. gesagt haben, dass seine Kinder nicht seinen Namen tragen dürften, weil er sich für den Fall der Diagnose einer schweren Erkrankung mit einem Sprengstoffgürtel in die Luft sprengen und möglichst viele „Kanaken“ mit in den Tod nehmen werde. 

Laut Bundesgerichtshof soll sich Markus H. mit seiner früheren Lebensgefährtin in einem Sorgerechtsstreit um das gemeinsame Kind befinden. Bei der Durchsuchung der Wohnung von Markus H. im Wesertor soll ein Buch gefunden worden sein, in dem die deutsche Flüchtlingspolitik polemisiert wird. Der Name Lübcke soll in diesem Buch markiert gewesen sein.

Mordfall Lübcke: Welche Rolle spielt die Bürgerversammlung

Der aktuelle Beschluss des Bundesgerichtshofs befasst sich auch mit dem Geschehen vom 14. Oktober 2015. Das war der Tag der Bürgerversammlung in Lohfelden, auf der Walter Lübcke den geplanten Umbau einer Flüchtlingsunterkunft verteidigte, über Werte sprach – und sagte: „Und wer diese Werte nicht vertritt, der kann jederzeit dieses Land verlassen, wenn er nicht einverstanden ist.“ 

Stephan Ernst sei danach emotional aufgeladen und regelrecht fassungslos gewesen, er habe einen richtigen Hass bekommen. Lübcke sei danach bei ihm auf dem Schirm gewesen. Ernst soll das bei seiner Vernehmung am 25. Juni, bei der er ein Geständnis ablegte, selbst gesagt haben. Auch wenn er später dieses Geständnis widerrief, besteht für den Bundesgerichtshof nun kein Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Aussagen. 

Diese Aussagen bestätigen die bisherige Annahme, dass Walter Lübcke deshalb sterben musste, weil er sich an jenem Abend 2015 Ernsts Zorn zugezogen hatte. Von der Bürgerversammlung gibt es auch ein Video, auf dem der Unmut einiger Besucher nach Lübckes Rede zu hören ist. Der Beschluss des Bundesgerichtshofs liefert auch eine Antwort auf die Frage, wer es ins Internet gestellt hat: Markus H. Nach der Bürgerversammlung soll Stephan Ernst die Wohnanschrift Lübckes recherchiert und diese dann Markus H. mitgeteilt haben – mit der Bemerkung, dass man da vielleicht mal was machen könne.

Der Mord an Walter Lübcke

Der Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke – so geht es aus dem Beschluss des Bundesgerichtshofs hervor – ereignete sich am 1. Juni gegen 23.30 Uhr. Stephan Ernst soll zu dieser Zeit Lübcke auf dessen Terrasse im Wolfhager Stadtteil Istha erschossen haben – mit einem Trommelrevolver, Kaliber .38. 

Ernst soll sich angeschlichen und die Arg- und Sorglosigkeit Lübckes ausgenutzt haben. Es ist von einem Schuss auf Lübckes Kopf aus kurzer Distanz die Rede. Walter Lübckes Tod wurde später in der Kreisklinik Wolfhagen festgestellt - um 2.35 Uhr.

Von Florian Hagemann und Kathrin Meyer

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