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Seilbahnunglück mit 14 Toten

Neue Details: Justiz ermittelt gegen weitere Verdächtige

Ein Absperrband ist um die Trümmer einer Seilbahngondel gespannt, nachdem diese am norditalienischen Monte Mottarone abgestürzt ist
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Ein Absperrband ist um die Trümmer einer Seilbahngondel gespannt, nachdem diese am norditalienischen Monte Mottarone abgestürzt ist.

Rom/Stresa/Lago Maggiore - Nach dem Seilbahnunglück am Monte Mottarone laufen die Ermittlungen zur Ursache auf Hochtouren. Die Polizei nahm drei Menschen fest.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bei dem Absturz einer Gondel am Lago Maggiore im Norditalien sind 14 Menschen gestorben.
  • Nach der Katastrophe gab es mehrere Verhaftungen. Die Notbremse der Bahn soll manipuliert worden sein, um den Betrieb der Gondel weiterlaufen lassen zu können.
  • Der einzige Überlebende der Katastrophe, ein fünfjähriger Junge, ist wieder bei Bewusstsein. Er hatte bei dem Unglück in Norditalien seine ganze Familie verloren.
  • Drei Männer wurden kurzzeitig verhaftet. Mittlerweile befinden sich der Geschäftsführer des Betreiberunternehmens und der Betriebsleiter wieder auf freiem Fuß.
  • Der Dienstleister befindet sich in häuslichem Arrest.

Update, 2. Juli, 15.28 Uhr - Seilbahnunglück in Norditalien: neue Verdächtige

Neue Details im Seilbahnunglück mit 14 Toten bei Stresa: die Justiz ermittelt gegen weitere Personen. Das sagte die zuständige Staatsanwältin Olimpia Bossi der dpa am Freitagnachmittag und bestätigte die Berichte der Nachrichtenagentur Ansa. Der Kreis der Verdächtigen erweitert sich demnach auf insgesamt 14 Menschen. Unter den neu hinzugekommenen seien auch ranghöhere Mitarbeiter des Südtiroler Seilbahnbauers Leitner.

„Eine Aufnahme in das Ermittlungsregister war für die Staatsanwaltschaft Verbania naheliegend, da es einen Wartungsvertrag von Leitner mit der Firma Ferrovie del Mottarone Srl. gibt.“, erklärte Leitner in einer Stellungnahme. Das Unternehmen habe den Ermittlungsbehörden bereits umfangreiche Dokumentationen zur Verfügung gestellt. Leitner hatte bestimmte Wartungsarbeiten und Kontrollen an der Seilbahn in Stresa durchgeführt, die zum Monte Mottarone am Westufer des Lago Maggiore hinauf führt.

Bei dem Unglück am Pfingstsonntag (23. Mai) war das Zugseil der Bahn gerissen. Eigentlich hätten in diesem Moment die Notbremsen am Tragseil greifen und einen Absturz der mit 15 Menschen besetzten Gondel verhindern müssen. Weil die Notbremsen jedoch mit Gabeln blockiert waren, rauschte die Kabine talwärts, sprang an einem Pfeiler aus der Verankerung und zerschellte an einem steilen Hang. Den Ermittlungen zufolge hatten die Bremsen zuvor für Störungen im Betrieb gesorgt, weshalb die Gabeln zum Einsatz kamen. Eigentlich dürfen sie nur bei Wartungsarbeiten verwendet werden. Die Ursache des Unglücks ist weiterhin ungeklärt.

Den Absturz überlebte nur ein kleiner israelischer Junge, der bei dem Unglück seine Eltern, einen Bruder und die Ur-Großeltern verlor. Nach einem längeren Krankenhausaufenthalt und einer Operation nahm ihn seine Tante, die in Italien wohnt, bei sich auf. Die Ermittlungen konzentrierten sich zunächst auf drei Männer des Seilbahn-Betreibers.

Update, 11. Juni, 6 Uhr - Bub aus Klinik entlassen

Der einzige Überlebende des Gondelunglücks am norditalienischen Monte Mottarone ist aus dem Krankenhaus entlassen worden. Das teilte die Klinik in Turin am Donnerstag mit. Der Zustand des fünf Jahre alten Jungen habe sich deutlich verbessert. Er werde weiter psychologisch betreut. Ein Krankenwagen brachte den Jungen begleitet von seiner Tante laut Krankenhausangaben nach Hause in die Stadt Pavia, ungefähr 50 Kilometer südlich von Mailand.

Der Junge hatte am Pfingstsonntag (23. Mai) als einziger das tödliche Seilbahnunglück westlich des Lago Maggiore überlebt. Insgesamt wurden dabei 14 Menschen getötet. Der Junge verlor seine Eltern, seinen Bruder und seine Urgroßeltern. Die Gondel stürzte ab, weil das Zugseil der Bahn aus bislang ungeklärter Ursache riss und die Notbremsen nicht am Tragseil griffen, weil sie zuvor blockiert wurden. Die Kabine stürzte talwärts ab und zerschellte schließlich an einem bewaldeten Hang.

Die Notbremsen wurden den Ermittlungen zufolge blockiert, weil sie zuvor für Störungen im Bahnbetrieb gesorgt hatten. Ein technischer Leiter steht derzeit unter häuslichem Arrest. Der Seilbahnchef und ein weiterer technischer Leiter kamen wieder frei, was für Kritik gesorgt hatte. Laut Medienberichten wollte die Staatsanwaltschaft diese Entscheidung der Untersuchungsrichterin prüfen lassen. Der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zufolge sind die drei Verdächtigen am kommenden Montag in Bezug auf die Ermittlungen vorgeladen.

Update, 17.28 Uhr - Unglücks-Seilbahn seit Jahren manipuliert?

An der Unglücksseilbahn von Stresa könnten schon seit Jahren die Notbremsen blockiert worden sein. Das legen Videoaufnahmen aus den Jahren 2014 und 2018 nahe, die dem ZDF vorliegen. Darauf sind sogenannte Gabeln zu sehen, die die Notbremsen außer Kraft setzen.

Das Bildmaterial stammt vom Schweizer Hobbyfilmer Michael Meier. Dreimal filmte er aus technischem Interesse die Anlage am Monte Mottarone: 2014, 2016 und 2018. Nach dem Unglück am Pfingstsonntag ging er sein Material erneut durch und entdeckte die Gabeln - italienisch Forchettone: „Mir ist dann aufgefallen, dass auf diesen Fotos diese Forchettone schon zu sehen sind. Schon im Jahr 2014 wurden diese Forchettone mit Personen in der Kabine eingesetzt“, sagte Meier dem ZDF. Auch der italienischen Staatsanwaltschaft liegen die Aufnahmen vor.

Das ZDF legte Fotos und Videos dem Schweizer Seilbahnfachmann Prof. Gabor Oplatka vor. Gabor leitete über viele Jahre den Bereich Seilbahntechnik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH). Auch er kommt zu dem Schluss: „Offensichtlich hat man das praktiziert. Und bis jetzt Glück gehabt, weil ein Zugsachschaden ja relativ selten vorkommt.“

Gegenüber den Ermittlungsbehörden hat der hauptverdächtige Techniker eingeräumt, im April und Mai 2021 Gabeln eingesetzt zu haben. Die Fangbremse hätte seit der Wiederinbetriebnahme am 26. April 2021 Probleme gemacht, so seine Begründung. Der Anwalt eines anderen Beschuldigten verweist darauf, dass der Einsatz dieser Gabeln zur Wartung der Kabinen und bei Leerfahrten in Italien zulässig sei.

Update, 1. Juni, 16.14 Uhr Fünfjähriger soll Intensivstation nach Seilbahnunglück verlassen

Der Zustand des kleinen Jungen, der als einziger das Seilbahnunglück in Norditalien überlebte, bessert sich weiter. Der Fünfjährige könne wohl noch am Dienstag (1. Juni) von der Intensivstation auf eine andere Station verlegt werden, teilte das Kinderkrankenhaus in Turin am Montagabend mit. Seine Brust- und Bauchverletzungen besserten sich. Seine Tante sei bei ihm, hieß es weiter.

Am Sonntag vor einer Woche war am Monte Mottarone westlich des Lago Maggiore in der Region Piemont aus bislang ungeklärter Ursache eine Gondel abgestürzt. Sie riss 14 Menschen mit in den Tod. Der kleine Junge verlor dabei seine Eltern, seinen Bruder und seine Urgroßeltern. Er und ein anderes Kind waren damals schwer verletzt per Hubschrauber nach Turin geflogen worden. Das andere Kind überlebte nicht.

Update, 31. Mai, 12.29 Uhr - Mitarbeiter: Wusste nichts von Klammern

Im Fall des Gondel-Absturzes in Italien hat einer der freigelassenen Mitarbeiter der Betreiberfirma beteuert, nichts von den Klammern an der Kabine gewusst zu haben. Mit diesen wurde ersten Erkenntnissen zufolge das Notbremssystem der Gondel außer Kraft gesetzt, weil es zuvor wohl Störungen im laufenden Betrieb gegeben hatte. „Wenn ich davon gewusst hätte, hätte ich diese Entscheidung nicht unterstützt“, sagte der technische Leiter der Betreiberfirma, Enrico Perocchio, im Interview der italienischen Tageszeitung „La Stampa“ am Montag.

Die Justiz hatte ihn und den Firmen-Chef wieder aus der Haft entlassen. Ein Dienstleiter steht weiterhin unter Hausarrest. Perocchio sagte der Zeitung, alle Wartungen an der Seilbahn seien gemacht worden und in Ordnung gewesen. Es sei ein Fehler gewesen, mit den Klammern ein Problem zu umgehen, das man hätte lösen können. Es hätte gereicht, den Betrieb dafür ein oder zwei Tage auszusetzen.

Die Justiz will in weiteren Untersuchungen klären, warum das Zugseil riss und wer noch von den Klammern wusste. Diese dürfen eigentlich nur bei Wartungsarbeiten eingesetzt werden.

Update, 21.10 Uhr - Überlebendem Jungen geht es besser

Der Zustand des bei dem Gondel-Absturz in Norditalien schwer verletzten Jungen bessert sich weiter. Der Fünfjährige habe zum ersten Mal leichte Nahrung zu sich genommen, teilte das Kinderkrankenhaus in Turin am Sonntagabend mit. Der israelische Junge bleibe vorsichtshalber weiter auf der Intensivstation. Seine Tante und seine Großmutter seien bei ihm.

Am Sonntag vor einer Woche hatte der Junge als Einziger das tödliche Seilbahnunglück am Monte Mottarone westlich des Lago Maggiore in der Region Piemont überlebt, bei dem 14 Menschen ums Leben gekommen waren. Er verlor dabei seine Eltern, seinen Bruder und seine Urgroßeltern.

Kurz vor der Bergstation war das Zugseil aus bislang ungeklärter Ursache gerissen und eine zuvor deaktivierte Notbremse griff nicht, um das Unglück zu vermeiden. Die Gondel rauschte deshalb talwärts, fiel aus der Verankerung und blieb zerschellt an einem bewaldeten Hang liegen.

Es besteht der Verdacht, dass die Notbremse absichtlich funktionsunfähig gemacht wurde, weil sie den Betriebsablauf gestört hatte und deshalb weniger Fahrten auf den beliebten Ausflugsgipfel möglich gewesen wären.

Update, 10.53 Uhr - Aussagen des Dienstleisters nicht glaubwürdig

Nach dem tödlichen Seilbahnunglück am Monte Mottarone in Norditalien sind zwei der drei festgenommenen Männer wieder auf freiem Fuß und einer im Hausarrest. Wie die Nachrichtenagentur Ansa in der Nacht zu Sonntag berichtete, entließ die Untersuchungsrichterin in Verbania am Lago Maggiore den Geschäftsführer des Betreiberunternehmens und den Betriebsleiter aus der Haft. Die Beweise für eine Täterschaft der beiden seien nicht ausreichend gewesen, schrieb Ansa unter Berufung auf die Justiz.

Lediglich der Dienstleiter muss dem Medienbericht zufolge in häuslichem Arrest bleiben. Die Untersuchungsrichterin hielt seine Aussagen für nicht glaubwürdig genug, zitierte Ansa die ermittelnde Staatsanwältin Olimpia Bossi.

Ungeklärt ist unterdessen immer noch, weshalb am Sonntag vor einer Woche das Zugseil der Seilbahn riss. Es besteht nach wie vor der Verdacht, dass die Notbremse außer Kraft gesetzt wurde, weil es zuvor Unregelmäßigkeiten beim Betrieb der Bahn gegeben haben soll. So sollten anscheinend weitere Unterbrechungen des Betriebs nach der langen Corona-Zwangspause vermieden werden.

Am Sonntag war in der Region Piemont für die Mittagszeit eine Schweigeminute geplant. Regionalpräsident Alberto Cirio hatte dazu aufgerufen.

Update, 30. Mai, 9.22 Uhr - Festgenommene wieder frei, Spendenaufruf für Eitan

Seit dem Seilbahnunglück am Lago Maggiore, bei dem 14 Menschen starben, waren sie in Haft. Nun hat ein Richter die drei Inhaftierten wieder freigelassen. Dies berichtet die italienische Zeitung La Stampa. Laut der Zeitung habe die Richterin wohl keine Gründe gesehen, die drei Männer in Haft zu lassen. Einer der Männer sei aber unter Hausarrest gestellt worden.

Währenddessen hat ein Spendenaufruf für den einzigen Überlebenden, dem fünfjährigen Eitan, bereits über 50.000 Euro erreicht. Ziel ist es, 70.000 Euro für den Jungen zu sammeln.

Update, 29. Mai, 11.54 Uhr - Verhöre haben begonnen - Trauertag am 30. Mai

Die Verhöre rund um die drei Festgenommenen und auch mutmaßlichen Verantwortlichen des tragischen Gondel-Absturzes im italienischen Stresa haben begonnen. Das schreibt die italienische Zeitung La Stampa. Demnach kam die Ermittlungsrichterin Donatella Banci Bonamici bereits am Samstag (29. Mai) gegen 9 Uhr am Gefängnis an. Es herrschen hohe Vorsichtsmaßnahmen. Allem Anschein nach gehe die Staatsanwaltschaft von einer gewissen Fluchtgefahr der drei Inhaftierten aus.

Für Sonntag (30. Mai) plant die gesamte Region Piemont einen Tag der Trauer mit einer Schweigeminute für die Opfer des Seilbahnunglücks am Lago Maggiore. Nach wie vor befindet sich das einzige überlebende Opfer, der kleine Eitan, im Krankenhaus.

Update, 28. Mai, 21.38 Uhr - Überlebender des Gondel-Absturzes weiter auf Intensivstation

 In Italien richtet sich die Aufmerksamkeit nach dem tödlichen Seilbahnunglück vom Monte Mottarone weiter auch auf den einzigen Überlebenden. Der Fünfjährige sei wach, teilte die Klinik in Turin am Freitagnachmittag mit, in der er behandelt wird. Hin und wieder frage er nach seinen Eltern.

Diese und zwölf andere Menschen waren bei dem Absturz der Gondel westlich des Lago Maggiore in Norditalien am vergangenen Sonntag ums Leben gekommen. Die Tante und Großmutter des Jungen sind laut Krankenhaus nun bei ihm.

Die Ärzte bewerteten den Zustand weiter als kritisch. Der Kleine müsse noch auf der Intensivstation bleiben, da er etwa wegen seiner Verletzungen noch nicht essen könne. Bei dem Gondel-Absturz waren auch die Urgroßeltern und der Bruder des israelischen Jungen gestorben.

Die Seilbahn war am Pfingstsonntag auf dem Weg von Stresa hinauf zum Monte Mottarone verunglückt. Nach bisherigem Ermittlungsstand riss kurz vor der Ankunft an der gut 1300 Meter über dem Meer gelegenen Bergstation aus bisher unbekannter Ursache das Zugseil. In dem Fall hätte eine Notbremse greifen müssen, was nicht geschah. Die Gondel raste daraufhin mit hoher Geschwindigkeit am sogenannten Tragseil zurück Richtung Tal, knallte an einen Seilbahn-Pfeiler und stürzte in die Tiefe.

Nach dem Unglück wurden der Chef der Seilbahngesellschaft und zwei weitere leitende Mitarbeiter festgenommen. Es besteht der Verdacht, dass die Notbremse außer Kraft gesetzt wurde, weil es zuvor Unregelmäßigkeiten beim Betrieb der Bahn gegeben haben soll.

Ein Motiv für eine Manipulation könnte Medienberichten zufolge gewesen sein, dass die Betreiber nach der langen Corona-Zwangspause die Seilbahn unbedingt am Laufen halten wollten.

Update, 28. Mai, 13.15 Uhr - Festgenommenen drohen hohe Haftstrafen

Den drei nach dem Seilbahnunglück in Norditalien festgenommenen Männern drohen nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft von Verbania im Falle einer nachgewiesenen Schuld „allerhöchste“ Strafen. Es bestehe auch Fluchtgefahr, heißt es in dem Haftbefehl gegen die drei, aus dem italienische Medien am Donnerstag zitierten. Ein „gedankenloses Verhalten“ habe zum Tod von 14 Menschen und zu schwersten Verletzungen eines Fünfjährigen geführt, hieß es weiter. Der Chef der Seilbahngesellschaft und zwei weitere leitende Mitarbeiter waren in der Nacht zum Mittwoch festgenommen worden.

Nun besteht der Verdacht, dass die Notbremse mit einer als „forchetta“ (Gabel) bekannten Vorrichtung außer Kraft gesetzt worden war, weil es zuvor Unregelmäßigkeiten im Lauf der Bahn gegeben habe. Ein Motiv für die Manipulation könnte laut Medien gewesen sein, dass die Betreiber nach der langen Corona-Zwangspause die Seilbahn um jeden Preis am Laufen halten wollten.

Der Carabinieri-Kommandant Luca Geminale sagte am Donnerstag laut Nachrichtenagentur Ansa, dass der Datenschreiber der Seilbahn, die sogenannte „Schwarze Kiste“, sichergestellt worden sei. Es handele sich um eine Vorrichtung, die alle technischen Aspekte wie Geschwindigkeit, Lauf und Schwanken der Gondel aufzeichne.

Im italienischen Abgeordnetenhaus äußerte sich am Donnerstag Infrastrukturminister Enrico Giovannini zu dem Unglück. Er betonte unter anderem, dass bei italienischen Seilbahnen im Falle eines Druckverlustes oder eines Risses des Zugkabels automatisch eine Notbremse greife. Der Direktor einer solche Anlage sei für deren Sicherheit verantwortlich, sagte er.

Update, Freitag, 28. Mai, 9.50 Uhr - Nach Seilbahnunglück in Italien: Überlebender Junge bei Bewusstsein

Nach dem Seilbahnunglück in Norditalien mit 14 Todesopfern geht es dem kleinen israelischen Jungen, der als Einziger überlebte, etwas besser. Der Fünfjährige sei auf der Intensivstation inzwischen „wach und bei Bewusstsein“, teilte das Kinderkrankenhaus in Turin mit, wo er behandelt wird. Der kleine Eitan habe auch mit seiner Tante gesprochen.

Das Kind hatte bei dem Unfall in der norditalienischen Region Piemont seine Eltern und seinen Bruder verloren und war selbst schwer verletzt worden. Aus klinischer Sicht sei sein Zustand weiterhin ernst, hieß es weiter. Der Junge könnte aber in den kommenden Tagen die Intensivstation verlassen.

Die Seilbahn war am Pfingstsonntag auf dem Weg von Stresa am Lago Maggiore hinauf zum Monte Mottarone verunglückt. Nach bisherigem Ermittlungsstand riss kurz vor der Ankunft an der gut 1300 Meter über dem Meer gelegenen Bergstation aus bisher unbekannter Ursache das Zugseil. In dem Fall hätte eine Notbremse greifen müssen, was nicht geschah. Die Gondel raste mit hoher Geschwindigkeit in die Tiefe, überschlug sich und zerschellte schließlich.

Nach dem Unglück wurden der Chef der Seilbahngesellschaft und zwei weitere leitende Mitarbeiter festgenommen. Es besteht der Verdacht, dass die Notbremse außer Kraft gesetzt wurde, weil es zuvor Unregelmäßigkeiten beim Betrieb der Bahn gegeben haben soll. Ein Motiv für eine Manipulation könnte Medienberichten zufolge gewesen sein, dass die Betreiber nach der langen Corona-Zwangspause die Seilbahn unbedingt am Laufen halten wollten.

Update, Donnerstag, 27. Mai, 11.06 Uhr - Direktor bestreitet Vorwürfe

Wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtet, bestreitet der festgenommene Direktor der Seilbahn-Betreibergesellschaft „Ferrovie del Mottarone“ die Vorwürfe der Staatsanwälte.

Demnach dementiert er, über die absichtliche Abschaltung eines Sicherheitssystems informiert gewesen zu sein, die das Unglück mit 14 Todesopfern verursacht haben soll. Der Direktor sei „ein äußerst gewissenhafter Ingenieur“, betonte sein Anwalt.

Der 51-jährige Ingenieur habe die verschiedenen Eingriffe der vergangenen Monate rekonstruiert und könne sich den Seilriss nicht erklären, auch weil alle Prüfberichte immer positiv ausgefallen seien, berichtete der Anwalt laut Medienangaben. Das Abschalten der Notbremse sei bei besonderen Eingriffen vorgesehen, aber natürlich nie bei einem Personenbetrieb.

Der Seilbahn-Einsatzleiter, der in der Nacht auf Mittwoch mit dem Direktor und dem Eigentümer der Seilbahnanlage festgenommen worden war, hat gestanden, dass die Notbremse absichtlich ausgeschaltet worden sei. „Es gab eine Störung an der Seilbahn, das Beförderungsteam hat das Problem nicht oder nur teilweise gelöst. Um die Verbindung nicht zu unterbrechen, entschieden sie sich, die ‚Gabel‘, die verhindert, dass die Notbremse in Kraft tritt, an Ort und Stelle zu lassen“, berichtete Albert Cicognani, der Carabinieri-Offizier, der die Ermittlungen führte.

Die ermittelnde Staatsanwältin Olimpia Bossi sagte, es habe sich um eine „absolut absichtliche“ Entscheidung gehandelt, um den Betrieb der Seilbahn aufrecht zu erhalten. Die Gabel zum Außerkraftsetzen der Notbremse sei am Sonntag sicherlich nicht zum ersten Mal eingesetzt worden. Die Seilbahn hatte demnach schon seit eineinhalb Monaten Probleme.

Der italienische Verkehrsminister Enrico Giovannini betonte bei einer parlamentarischen Fragestunde in Rom, es gebe „schwerwiegende Beweise“ für die Verantwortung des Seilbahn-Einsatzleiters, der mit Zustimmung des Direktors und des Eigentümers der Anlage das Sicherheitssystem ausgeschaltet habe, obwohl ihm die potenzielle Gefahr bewusst gewesen sei. „Dieser tragische Unfall bedeutet eine tiefe Wunde für Italien“, sagte Giovannini, der den Familienangehörigen der Opfer kondolierte. Er lobte den Einsatz der Rettungsmannschaften, die exzellente Arbeit in einem schwierigen Bergumfeld geleistet hätten.

Inzwischen hat sich der Zustand des einzigen Überlebenden gebessert, eines fünfjährigen Buben, der mit mehreren Frakturen in einem Krankenhaus in Turin liegt. Der Israeli, der bei dem Unglück seine Eltern, seinen zweijährigen Bruder und zwei Urgroßeltern verlor, komme schrittweise zu sich und sei nicht mehr intubiert, teilte Klinik-Chef Giovanni La Valle mit. Die Leichen der verstorbenen Angehörigen des Buben wurden am Mittwoch zum Mailänder Flughafen gebracht, um nach Israel überführt zu werden. Dort sollen die Opfer beigesetzt werden.

Update, 20.48 Uhr - Särge von fünf Opfern nun in Israel

Nach dem tödlichen Seilbahnunglück in Italien sind die Särge von fünf israelischen Opfern am Mittwoch in das Heimatland gebracht worden. Eine Sondermaschine der israelischen Fluggesellschaft El Al landete am Abend laut Flugübersicht auf dem internationalen Flughafen bei Tel Aviv.

Zu Ehren eines der Opfer, Izchak „Izzy“ Cohen (81), lautete die Flugnummer LY COHEN. Er gehörte nach Medienberichten zu den Gründungsmitgliedern der Fluggesellschaft.

Bei dem Gondelabsturz am Sonntag waren auch Cohens Ehefrau Barbara (71), seine Enkeltochter Tal (26) sowie deren Mann Amit (30) und ein zweijähriges Kind getötet worden. Der Familienvater hatte laut Medienberichten seit mehreren Jahren in Pavia südlich von Mailand Medizin studiert. Die Beisetzungen sind am Donnerstag und Freitag geplant.

Der fünfjährige Junge Eitan, Cohens Urenkel, war der einzige Überlebende des Unglücks mit insgesamt 14 Todesopfern. Er wird weiter in einem Krankenhaus in Turin behandelt. Bei ihm sind den Berichten zufolge Amits Schwester und Mutter. Nach den Beisetzungen wollen nach Angaben der israelischen Nachrichtenseite ynet weitere Angehörige zu ihm reisen.

Nach dem Unglück an dem Berg westlich des Lago Maggiore wurden drei Menschen festgenommen. Dem Verdacht nach war ein Mechanismus an der Gondel, der die Notbremse auslösen sollte, falls das Seil reißt, deaktiviert worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung.

Update, 18.34 Uhr - Festnahmen und mehr Details nach Seilbahnunglück in Italien

Immer mehr Details kommen nach dem tödlichen Seilbahnunglück am Monte Mottarone ans Licht. Der unbequeme Verdacht der italienischen Ermittler erhärtet sich: Der Mechanismus an der Gondel, der die Notbremse auslösen sollte, falls das Seil reißt, war wohl deaktiviert worden.

Drei Tage nach dem Unglück mit insgesamt 14 Toten an dem Berg westlich des Lago Maggiore wurden in der Nacht zu Mittwoch drei Menschen festgenommen. Dabei handelte es sich laut Medienberichten um Mitarbeiter des Seilbahnbetreibers Ferrovie del Mottarone. Darunter sei auch ein Manager. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung.

In Italien durften Seilbahnen seit Samstag im Zuge der schrittweisen Lockerung von Corona-Beschränkungen durch die Regierung wieder Ausflügler transportieren. Die Ermittler gehen davon aus, dass es eine Störung an der Seilbahn gab, aber verhindert werden sollte, dass sich der Betrieb verlangsamt.

Der ermittelnden Staatsanwältin Olimpia Bossi zufolge wurde deshalb wohl eine Vorrichtung genutzt, mit der die Klemmbacken der Bremse an der Gondel auseinander gehalten wurden. Diese sollten eigentlich das Tragseil blockieren, falls das Antriebsseil reißt. Es habe offensichtlich Unregelmäßigkeiten an dem System gegeben und ein Eingriff wäre notwendig gewesen, erklärte Bossi.

„Man wollte die Seilbahn in Betrieb halten, auch als sich das Problem offenbarte“, erklärte ein Kommandant der Carabinieri im Fernsehen. So konnten am Sonntag trotzdem Menschen bei bestem Ausflugswetter auf den Monte Mottarone transportiert werden, der für seinen Blick auf den See Lago Maggiore und das Bergpanorama bekannt ist. Die Untersuchungen, weshalb das Seil riss, liefen indes am Mittwoch weiter. Für Donnerstag wurde ein Gutachter erwartet.

Viele blickten am Mittwoch auch nach Turin, wo der einzige Überlebende des Unglücks, ein kleiner israelischer Junge, weiter im Krankenhaus behandelt wurde. Der Fünfjährige hatte bei dem Unfall in der norditalienischen Region Piemont seine Eltern und seinen Bruder verloren. Am Mittwochmorgen hätten die Ärzte den Beatmungsschlauch entfernt, der Junge sei kurz bei Bewusstsein gewesen, sagte der Direktor des Krankenhauses vor Journalisten. Dabei habe er auch kurz die Augen auf gemacht.

Der Junge habe aber noch unter dem Einfluss der Medikamente gestanden, erklärte der Direktor weiter. „Seine Tante und ein Psychologe waren bei ihm“. In den kommenden Stunden solle er weiter aus dem künstlichen Koma aufwachen können.

Der Kleine und ein anderes Kind waren per Rettungshubschrauber nach dem Gondelabsturz schwer verletzt in die Klinik geflogen worden. Das andere Kind starb noch am Abend, wodurch sich die Zahl der Menschen, die bei dem Unglück starben, auf insgesamt 14 erhöhte. Der Überlebende wurde wegen seiner Frakturen umgehend operiert.

Die Särge mit den Leichen seiner Eltern, seines Bruders und seiner Urgroßeltern, die alle bei dem Gondelabsturz ums Leben kamen, sollten am Mittwoch laut Medienberichten nach Israel zurückgeflogen werden. Am Flughafen Malpensa in Mailand seien die Särge für den Rücktransport vorbereitet worden. Menschen lagen sich in den Armen, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Vor Ort wurde auch eine Zeremonie abgehalten.

Update, 12.25 Uhr - Bremse bewusst deaktiviert

Nach den Festnahmen wegen mutmaßlicher Manipulationen an der Seilbahn am Monte Mottarone in Norditalien haben die Ermittler Hinweise darauf, dass die Bremse absichtlich deaktiviert wurde. Es gebe eine Aussage, wonach eine Vorrichtung deaktiviert wurde, um eine Störung zu vermeiden, sagte ein Carabiniere im italienischen Fernsehen am Mittwoch. Die habe dann dafür gesorgt, dass die Notbremse nicht griff.

Die Störung hätte dem Polizisten zufolge sonst zu einem langsamen Ablauf geführt. „Man wollte die Seilbahn in Betrieb halten, auch als sich das Problem offenbarte.“ So sei die Notbremse gesperrt gewesen, damit weiter Menschen transportiert werden konnten. Dadurch sei es aber auch zu der „dramatischen Fügung“ gekommen, dass die Notbremse nicht griff, als eines der Kabel riss.

Insgesamt 14 Menschen hatten bei dem Gondelabsturz in der italienischen Region Piemont westlich des Lago Maggiore am Sonntag ihr Leben verloren. Nur ein kleiner Junge aus Israel überlebte das Unglück und wurde am Mittwoch noch in einer Turner Klinik behandelt.

Drei Menschen waren am Mittwochmorgen festgenommen worden. Dabei handelt es sich laut Medienberichten um Mitarbeiter des Seilbahnbetreibers Ferrovie del Mottarone. Darunter sei auch ein Manager. Ermittler hätten festgestellt, dass ein Sicherheitsbremssystem „manipuliert“ worden sei, um Verspätungen des Seilbahnbetriebs zu vermeiden, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa die ermittelnde Staatsanwältin Olimpia Bossi.

Update, 9.04 Uhr - Erste Geständnisse laut Medienberichten

Laut Medienberichten soll es bereits zu ersten Geständnissen gekommen sein. Wie Der Standard berichtet, kann die Staatsanwaltschaft in Verbania bereits erste Ermittlungsergebnisse vorweisen. Demnach vermelde die italienische Nachrichtenagentur Ansa, dass laut einem Kommandanten der Carabinieri von Verbania die drei Festgenommenen bereits sagten, dass die Bremsen wohl selbst nach Reparaturen nicht mehr ordentlich funktioniert haben sollen. Deshalb sei wohl auch der Sicherheitsmechanismus deaktiviert worden.

Erstmeldung, 8.04 Uhr - Drei Festnahmen nach tödlichem Seilbahnunglück

Ersten Medienberichten zufolge soll es nach dem Seilbahnunglück mit 14 Toten zu Festnahmen gekommen sein. Wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, soll den Tatverdächtigen offenbar vorgeworfen werden, das Notbremsensystem manipuliert zu haben - und zwar wissentlich. Sie wollten damit offenbar verhindern, dass die Bahn die Fahrten auf den Monte Mottarone einstellen müsse.

Bei den Festgenommenen soll es sich um Mitarbeiter des Seilbahnbetreibers Ferrovie del Mottarone handeln, so berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Laut der italienischen Zeitung La Stampa soll es sich um den Chef der Betreiberfirma, sowie um zwei Ingenieure handeln. Kurz vor vier Uhr morgens sollen die drei nach Verbania in Untersuchungshaft gebracht worden sein. Offenbar wird nun wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Am Dienstag hatte die Staatsanwaltschaft ein Video einer Überwachungskamera beschlagnahmt, das den Unfall zeigt. Darauf sei zu sehen, wie sich die Gondel am Sonntag kurz vor der Bergstation am Monte Mottarone westlich des Lago Maggiore befunden habe, als plötzlich ein Seil riss und die Kabine talwärts abstürzte, hieß es.

Mehrere der 15 Passagiere wurden aus der Gondel geschleudert. Diese blieb am Ende völlig zerstört an einem Baum hängen. Nur ein kleiner Junge überlebte, seine komplette Familie verstarb bei dem Unglück.

Erst seit Samstag dürfen Seilbahnen in ganz Italien im Zuge von Lockerungen der Corona-Beschränkungen überhaupt wieder Ausflügler transportieren.

*Weitere Infos folgen in Kürze*

ce/dpa/apa

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