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Hinterbliebene empört über Brief der Tatverdächtigen

Nach Todes-Drama auf Gardasee: Verdächtiger Münchner stellt sich selbst - „Termin“ ausgemacht

Salo: Italienische Forensiker begutachten den Schaden an einem Boot. Im Fall zweier Toter auf dem Gardasee nach einer mutmaßlichen Bootskollision ermittelt die italienische Polizei gegen zwei Deutsche aus München.
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Salo: Italienische Forensiker begutachten den Schaden an einem Boot. Im Fall zweier Toter auf dem Gardasee nach einer mutmaßlichen Bootskollision ermittelt die italienische Polizei gegen zwei Deutsche aus München.

Ein italienisches Pärchen stirbt bei einem Bootsunglück auf dem Gardasee. Zwei Deutsche stehen im Verdacht, mit ihrem Motorboot das Unglück verursacht zu haben. Während die Ermittlungen laufen, müssen die Familien der Opfer Abschied nehmen - und erhielten von den beiden Tatverdächten offenbar einen herzlosen Brief. Einer der Verdächtigen wurde nun festgenommen.

Update, 13.34 Uhr - Verdächtiger Deutscher stellt sich nach Bootsunfall auf dem Gardasee

Inzwischen wurden weitere Details zur Festnahme des 52-jährigen Münchners bekannt. Demnach hat die Nacht- und Nebelaktion in der Südtiroler Ortschaft Brenner der Verteidiger des gesuchten Mannes nach eigenen Angaben organisiert. Ort und Uhrzeit habe er mit den ermittelnden Behörden in Brescia abgestimmt, erklärte ein Sprecher des Anwaltsbüros der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Sowohl die Staatsanwaltschaften in München wie in Italien seien über die Vorgänge informiert gewesen.

In einem Zivilfahrzeug hätten die Carabinieri den Verdächtigen dann nach Brescia gebracht. Dort sitzt er nun in Untersuchungshaft. Dem Anwaltsbüro zufolge müssen die Behörden nun entscheiden, wie es in dem Fall weitergeht. Die Staatsanwaltschaft in Brescia und die Carabinieri machten zunächst auf Nachfrage keine Angaben zu der Überstellung.

Update, 9.10 Uhr - Deutscher Verdächtiger festgenommen

Nach dem tödlichen Bootsunfall auf dem Gardasee in Norditalien ist ein Verdächtiger am Brennerpass festgenommen worden, als er mit seinem Anwalt freiwillig nach Italien zurückkehrte. Das berichten mehrere italienische Medien unter anderem die „Corriere della Sera“.

Die beiden Münchener durften zwar kurz nach dem Unfall wieder nach Deutschland zurückreisen, doch bereits am Wochenende waren Pläne der italienischen Justiz bekanntgeworden, einen der Verdächtigen per europäischem Haftbefehl nun wieder nach Italien holen. 

Erstmeldung: Angehörige empört über herzlosen Brief der Tatverdächtigen aus München

Nach dem tödlichen Bootsunfall auf dem Gardasee in Norditalien beschäftigt die Schuldfrage Ermittler und Angehörige der Opfer. Zwei 52 Jahre alte Deutsche stehen im Verdacht, mit ihrem Motorboot gegen das kleine Boot eines italienischen Pärchens gekracht zu sein. „Diese beiden sind in Deutschland und ich hoffe, sie bezahlen dafür, was sie getan haben“, sagte der Vater der 25 Jahre alten Frau, die bei dem Vorfall vor gut zwei Wochen starb, im italienischen Fernsehen nach der Beisetzung seiner Tochter.

Bootsraser schreiben Brief an Hinterbliebenen von getöteter 25-Jähriger

Unterdessen erhielten die Hinterbliebenen der bei der Bootskollision getöteten 25-Jährigen einen Brief der beiden Münchner Tatverdächten. Wie die Bild berichtet, soll in dem Brief stehen: „Am Morgen können wir uns immer noch im Spiegel an­schauen, denn wir sind fest überzeugt, dass wir nicht ge­merkt haben, was passiert ist.“ Ohne die beiden Opfer namentlich zu nennen, soll in dem PDF-Dokument stehen: „Als wir heimkamen, haben wir zwei Kerzen angezündet im Gedenken an zwei gelieb­te Menschen.“

Der Brief - ohne Unterschrift und per Google Translator übersetzt - habe die Familien wütend gemacht, berichtet die Anwältin der Hinterbliebenen der Bild.

Europäischer Haftbefehl nach Gardasee-Crash

Den Verdächtigen wird vorgeworfen, nicht angehalten zu haben, um zu helfen. Die junge Frau und ihr 37 Jahre alter Begleiter kamen beide ums Leben. Die beiden Münchener durften zwar kurz nach dem Unfall wieder nach Deutschland zurückreisen, doch die italienische Justiz will einen von ihnen per europäischem Haftbefehl nun wieder nach Italien holen. Das berichteten italienische Medien am Wochenende.

Die Staatsanwaltschaft im norditalienischen Brescia verlangte den Berichten zufolge die Anordnung wegen der Gefahr einer Wiederholung der Tat und des Fluchtrisikos. Der Ermittlungsrichter gab demnach bereits grünes Licht. Es soll sich um denjenigen handeln, der das Boot gesteuert hatte.

In den Medienberichten hieß es, die Gerichtsbarkeit in München müsse nun prüfen, wie sie weiter damit verfahre. Dass die Männer nach dem Vorfall in die bayerische Landeshauptstadt zurückkehren konnten, sei rechtens gewesen, hatte damals ihr Anwalt in Italien erklärt.

Opfer hätte vielleicht gerettet werden können

Das Motorboot mit den Deutschen war Ermittlungen zufolge in der Nacht von Samstag (19. Juni) auf Sonntag mit einem Kahn kollidiert, in dem ein italienisches Pärchen aus der Region um Salò, am Westufer des Gardasees, saß. Ein Mann hatte am Sonntag das kleine Boot mit dem toten 37-Jährigen darin entdeckt. Stunden später bargen Taucher die 25 Jahre alte Frau tot aus den Tiefen des Gardasees. Rechtsmediziner untersuchten ihre Leiche, um die Todesursache festzustellen. Laut Medienberichten kamen sie zu dem Ergebnis, sie sei ertrunken.

Die beiden Münchner hatten später angegeben, den Zusammenprall nicht bemerkt zu haben, wie es aus dem Büro ihres Anwalts hieß. Einer der beiden machte einen Alkoholtest, der negativ ausfiel. Der andere verweigerte das, da er nicht dazu verpflichtet war.

Überwachungsvideo zeigt wohl betrunkenen

Zuletzt sorgte das Video einer Überwachungskamera, mutmaßlich aus der Tatnacht, für Aufregung. Darauf soll zu sehen sein, wie einer der beiden Verdächtigen beim Anlegen in einem Hafen ins Wasser fiel. Seinem Anwalt nach war der Mann durch ein abruptes Manöver ausgerutscht. Einige Medien spekulierten hingegen, dass er betrunken war. Er soll auch derjenige gewesen sein, der den Alkoholtest verweigert hatte.

Die Staatsanwaltschaft in Italien ermittelt gegen die Deutschen wegen Totschlags und unterlassener Hilfeleistung. Die beiden wurden kurz nach dem Unfall auf freien Fuß gesetzt und reisten wieder nach München zurück. Die Familien der Opfer forderten Maßnahmen gegen sie, wie Ansa unter Berufung auf die Anwältinnen der Familien berichtete. Die Juristinnen begrüßten den Erlass des europäischen Haftbefehls und sagten der Nachrichtenagentur, dies sei eine „wirksame Antwort“ auf das verantwortungslose Verhalten der beiden Deutschen.

mh/dpa

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