Ölpest könnte bis nach Europa kommen

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Langfristig soll der Ölstrom durch zwei Ersatzbohrungen gestoppt werden, bis dahin werden aber noch zwei Monate vergehen.

Washington - Die Ölpest im Golf von Mexiko könnte sich bis nach Europa ausweiten. Das zeigen Computersimulationen. US-Präsident Obama zeigte sich in einem TV-Interview "wütend" über BP.

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Computerberechnungen zufolge könnten Meeresströmungen das im Golf von Mexiko ausgetretene Öl an die US-Ostküste und sogar über den Atlantik und bis nach Europa treiben. Das Nationale Zentrum fürAtmosphärenforschung der USA teilte am Donnerstag mit, das Öl könne über die Strömungen um Florida herum nach Norden bis Cape Hatteras in North Carolina gelangen. Anfang Juli könne das Öl die US-Ostküste erreicht haben. Einschränkend hieß es, dies seien nur Computermodelle und keine konkreten Vorhersagen. Der Forscher Martin Visbeck von der Universität Kiel erklärte, wenn das Öl Europa erreichen sollte, dann sei es wahrscheinlich nicht mehr dick genug, um noch Schaden anrichten zu können.

Die US-Regierung hat BP am Donnerstag eine erste Rechnung für die Hilfe staatlicher Stellen im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko präsentiert. Sie beläuft sich auf 69 Millionen Dollar. Es wird allerdings nicht die letzte Rechnung sein. US-Präsident Obama hat angekündigt, er werde BP für alle Kosten in Zusammenhang mit der Ölpest heranziehen.

Obama Wütend über Ölpest

US-Präsident Barack Obama ist nach eigenen Worten wütend über die Ölpest im Golf von Mexiko. “Ich bin über diese ganze Situation wütend“, sagte er am Donnerstagabend (Ortszeit) in der CNN-Talkshow “Larry King Live“. “Hier hat jemand die Konsequenzen seines Handels nicht zu Ende gedacht“, sagte er der Talkshow-Ikone King, dessen Sendung ihr 25-jähriges Jubiläum feiert.

Mehrfach machte Obama klar, dass es in der Verantwortung von BP liege, den Schaden durch die Ölpest wieder gutzumachen. Seine eigene Aufgabe sei es, BP zur Verantwortung zu ziehen. Obama reist an diesem Freitag erneut in die betroffene Region. Kritiker werfen ihm vor, er habe das Ausmaß der Krise zunächst unterschätzt und handele nicht entschlossen genug.

BP setzt Absaug-Trichter auf defekte Steigleitung

Unterwasser-Roboter haben ein Ventil auf die defekte Steigleitung aufgesetzt, aus der im Golf von Mexiko ständig Öl austritt. Unterwasser-Aufnahmen zeigten, wie in rund 1.500 Metern Tiefe das Ventil langsam über das Rohr gestülpt wurde. Mit Hilfe des Ventils soll das Öl kontrolliert an die Oberfläche gebracht werden. Der Ölkonzern BP hofft, so die Ölpest eindämmen zu können. Ob der Versuch Erfolg hat, war noch unklar. Zuvor war es gelungen, die Steigleitung abzuschneiden, um das Ventil überhaupt aufsetzen zu können. Die Schnittfläche war aber nicht sauber.

Langfristig soll der Ölstrom durch zwei Ersatzbohrungen gestoppt werden, bis dahin werden aber noch zwei Monate vergehen. Es wird vermutet, dass derzeit täglich 1,8 Millionen bis 3,8 Millionen Liter Öl ins Meer laufen. Insgesamt sollen es seit dem Unglück mit der Bohrinsel “Deepwater Horizon“ am 20. April schon 80 Millionen bis 174 Millionen Liter sein.

dapd/dpa

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