Opferzahl nach Brand in Russland steigt

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Die Opferzahl in Russland steigt.

Moskau - Bei der schwersten Brandkatastrophe in Russland seit vielen Jahren sind in einem Nachtclub der Stadt Perm mindestens 109 Menschen ums Leben gekommen.

Mindestens 109 Menschen sind durch eine Brandkatastrophe in einem Nachtclub der russischen Millionenstadt Perm ums Leben gekommen. Weil viele der rund 90 Verletzten schwere Brandwunden erlitten haben, könnte die Zahl der Opfer weiter steigen, sagte Zivilschutzminister Sergej Schoigu am Samstag nach Angaben der Agentur Interfax. Nach ersten Erkenntnissen hatten explodierende Feuerwerkskörper in dem Lokal in der Nacht zum Samstag zu der Tragödie geführt. Kremlchef Dmitri Medwedew ordnete für Montag Staatstrauer an und forderte eine harte Bestrafung der Verantwortlichen.

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Die Polizei nahm zwei Besitzer des Lokals fest. Der Beginn des Brandes ist auf privaten Videoaufnahmen dokumentiert, die das russische Fernsehen ausstrahlte: Die mit trockenem Reisig abgehängte Decke des Clubs geriet vermutlich durch Funken einer Zimmerfontäne in Brand. Bei der anschließenden Panik seien viele der etwa 250 Gäste verletzt oder getötet worden, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin. Augenzeugen zufolge hatte das Lokal nur einen einzigen schmalen Ausgang. “98 Menschen starben an Ort und Stelle, 11 weitere erlagen ihren Verletzungen im Krankenhaus“, sagte Markin. Nach Angaben von Innenminister Raschid Nurgalijew, der noch in der Nacht nach Perm geflogen war, sind unter den Opfern keine Ausländer.

Bilder vom Brand in Prem

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Den eintreffenden Rettungskräften bot sich ein Bild des Grauens. Zahlreiche Verletzte wanden sich stöhnend vor Schmerzen auf der Straße vor dem Nachtclub, und im Eingangsbereich des Lokals stießen Feuerwehrleute auf dutzende Leichen. “Sie hatten keine Chance“, sagte ein Sprecher des Zivilschutzes. Regierungschef Wladimir Putin forderte eine harte Bestrafung der Schuldigen. “Diese ungeheure Katastrophe muss sorgfältig untersucht werden“, sagte das frühere Staatsoberhaupt. Die Bevölkerung der etwa 1400 Kilometer östlich von Moskau am Ural gelegenen Stadt wurde aufgerufen, Blut zu spenden. Einen Anschlag hatten die Behörden bereits kurz nach dem Unglück ausgeschlossen.

Auch der regionale Sicherheitsministers Igor Orlow bestätigte, dass in dem Lokal gegen 2.15 Uhr Ortszeit ein Feuerwerkskörper die abgehängte Decke einer Bühne in Brand gesteckt hatte. Sofort habe alles in Flammen gestanden, sagte Orlow. Vor einer Woche war in Russland ein Bombenanschlag mit mindestens 26 Toten auf den Schnellzug Moskau-St. Petersburg verübt worden. In Perm berichteten Augenzeugen, dass vor allem Angestellte und deren Freunde und Angehörige an der Feier teilgenommen hätten. Die meisten Opfer erlitten Brandwunden und Rauchvergiftungen. Mit einer Maschine aus Moskau traf am Samstag neben Ärzten und Psychologen auch Gerät zum Transport der Verletzten ein. Mindestens zehn der schwer Brandverletzten sollen zur Behandlung nach Moskau gebracht werden. In Russland kommen bei Bränden immer wieder viele Menschen ums Leben, da oft elementare Sicherheitsregeln missachtet werden.

Wolfgang Jung, dpa

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