Probleme bei Stromanschluss

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Tokio - Der Anschluss der von einer Kernschmelze bedrohten Reaktorblöcke in Fukushima konfrontiert die Techniker mit großen Problemen: Das neue Kabel hat die Anlage zwar erreicht. Doch Strom kann noch keiner fließen.

Die vielen von Erdbeben und Tsunami verwüsteten elektrischen Installationen müssen akribisch auf Risiken wie einer von Funkenflug verursachten Explosion geprüft werden, bevor der Strom fließen kann, teilte ein Sprecher der japanischen Atomaufsichtsbehörde, Hidehiko Nishiyama, am Samstag mit. “Die meisten Motoren, Schaltpulte und Schaltschränke sind vom Tsunami überspült worden und können nicht verwendet werden“, sagte Nishiyama. Sprecher des Kraftwerkbetreibers TEPCO hofften dennoch, vier der sechs Blöcke im Laufe des Samstags mit dem Kabel ans Stromnetz anschließen zu können.

Japan-Katastrophe: Bilder vom Freitag

Japan-Katastrophe: Bilder vom Freitag

TEPCO-Sprecher Teruaki Kobayashi sagte: “Es könnten Funken fliegen, ich kann ein Risiko nicht leugnen.“ Aber selbst, wenn der Anschluss ohne Funken und andere Probleme gelingen sollte, war nicht absehbar, ob die ebenfalls vom Tsunami getroffenen Kühlsysteme wieder anspringen. Die Atomtechniker in der von Erdbeben, Tsunami und Explosionen verwüsteten Anlage stehen unvermindert zwei Herausforderungen gegenüber: die Reaktorkerne und die Abklingbecken zu kühlen, um eine Kernschmelze zu verhindern. Eine Dampfwolke über Reaktorblock 3 signalisierte, dass der Kampf gegen den Super-GAU noch immer nicht entschieden war. Die japanische Regierung stufte am Freitag den Unfall von Stufe 4 auf Stufe 5 auf der siebenteiligen internationalen Skala hoch.

Damit ist Fukushima offiziell ein schwerer Unfall wie im amerikanischen Kraftwerk Three Mile Island (Harrisburg) 1979, wo eine totale Kernschmelze gerade noch verhindert werden konnte. Acht Tage nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan ist am Samstag nach Militärangaben ein junger Mann lebend aus den Trümmern eines Hauses geborgen worden. Soldaten eines Suchtrupps fanden ihn nach Angaben eines Militärsprechers in Kesennuma, einer der am härtesten getroffenen Städte.

Der Überlebende sei zu schwach gewesen, um zu sprechen, und in ein Krankenhaus gebracht worden. Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete, der Mann sei um die 20 Jahre alt. In japanischen Medienberichten hieß es aber, der junge Mann sei nicht acht Tage, sondern nur einen Tag verschüttet gewesen. Er sei eine Woche nach der Katastrophe zu seinem Haus zurückgekehrt und bei dessen Einsturz verschüttet worden, hieß es.

Zahl der Toten auf rund 7.200 gestiegen

Die Zahl der Toten stieg nach Angaben der Polizei bis Samstag auf 7.197. Damit wurde die Zahl der Toten bei dem Erdbeben in Kobe 1995 überschritten. 10.905 Menschen werden vermisst. Einige der Vermissten dürften während der Katastrophe nicht in der Region an der Nordostküste gewesen sein. Andererseits hat die ungeheure Kraft des Tsunamis wahrscheinlich viele Menschen mit aufs offene Meer gerissen. Den Erfahrungen vom Tsunami 2004 in Asien zufolge dürften die meisten dieser Leichen nie gefunden werden.

Das Forschungsministerium teilte mit, die Strahlung rund 30 Kilometer nordwestlich von Fukushima habe am Freitag zeitweise 0,15 Millisievert betragen - so viel wie ein Mensch bei beim Röntgen seines Brustkorbs abbekommt. Amerikanische Spezialflugzeuge führten Messungen über Fukushima durch; der stellvertretende US-Energieminister Daniel Poneman sagte, das Ergebnis stütze die US-Empfehlung, dass sich Menschen nicht im Umkreis von 80 Kilometern um das Atomkraftwerk aufhalten sollten.

dapd

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