Eurovision Song Contest: Musiker protestieren

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Mit einem alternativen Konzert zum Eurovision Song Contest wollte die Menschenrechtsinitiative "Sing For Democracy" am Sonntagabend in Baku versuchen, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf Demokratiedefizite in Aserbaidschan zu richten.

Baku - Rentenkürzungen, Zwangsenteignungen und willkürliche Verhaftungen - gegen diese Menschenrechtsverletzungen haben Musiker in Aserbaidschan protestiert. Der deutsche Hip-Hopper Thaomas D spricht sich jedoch gegen eine zwanghafte Politisierung des Eurovision Song Contest aus.

Am Rande des Eurovision Song Contest (ESC) in Baku haben junge aserbaidschanische Musiker mit einem Konzert gegen Menschenrechtsverstöße und staatliche Willkür protestiert.

Bei dem Konzert des Bürgerrechtsprojekts “Sing for Democracy“ (Singen für Demokratie) traten am Sonntagabend mehrere Bands in dem Lokal Marshalls im Stadtzentrum auf. Unter den einigen Dutzend Gästen war auch der deutsche Botschafter Herbert Quelle.

Baku: Eurovision Song Contest Hauptstadt 2012 

Die fast 200 Meter hohen Flame Towers sollen 2012 fertig gestellt sein. Das Finale des Eurovision Song Contests (ESC) findet am 26. Mai 2012 erstmals in der Hauptstadt Aserbaidschans statt. © AP
Baku liegt am Kaspischen Meer. Wolkenkratzer sollen bald die Skyline beherrschen: der im Bau befindliche Flame Towers (r.) und der 310 Meter hohen Fernsehturm Azeri. © AP
Gegensätze: Die Altstadt von Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan. © AP
Blick von einer Seebrücke auf die Strandprommenade und Skyline von Baku, Aserbaidschan. © AP
Die Stadtmauer um die Altstadt von Baku. © AP
Landzunge am kaspischen Meer - Das Finale des Eurovision Song Contests (ESC) findet am 26. Mai 2012 erstmals in der Hauptstadt Aserbaidschans statt. © AP
Die Altstadt von Baku © AP
Stadtansichten von Baku © AP
Die Statue eines Anglers steht auf einer Seebrücke an der Strandprommenade von Baku, Aserbaidschan. © AP
Souvenirgeschäft in der historischen Altstadt von Baku. © AP
Spaziergänger an der Stadtmauer um die historische Altstadt von Baku. © AP
Stadtansicht von Baku  © AP
Stadtansicht von Baku  © AP
Stadtansicht von Baku © AP
Baku: Das Finale des Eurovision Song Contests (ESC) findet am 26. Mai 2012 erstmals in der Hauptstadt Aserbaidschans statt. © AP
Stadtansicht von Baku  © AP
Stadtansicht von Baku  © AP
Schilder mit der Aufschrift "Brot Haus - deutschequalität" © AP
Deutsche Spuren in Baku © AP
Das Finale des Eurovision Song Contests (ESC) findet am 26. Mai 2012 in der von der Alpine Bau Deutschland AG errichteten Halle, auf einer Landzunge im Kaspischen Meer in Baku statt. © AP
Endspurt für den ESC: Außenansicht der im Bau befindliche Kristall-Halle (Chrystal Hall). © AP
Fernab vom Boulevard am Kaspischen Meer und hinter den Wolkenkratzern von Baku kommt der westliche Besucher in Bezirke, die an Slums erinnern. © AP
Die dunkle Seite von Baku:Wäscheleinen und Schafe in einer Wohnanlage für Flüchtlinge. © AP
Sichtschutz: Das Werbeplakat für den Eurovision Song Contest (ESC) verdeckt eine baufällige Fassade eine Wohnhauses. © AP
Doch alle, die hier wohnen, grüssen die ausländischen Gäste freundlich, viele bitten um ein gemeinsames Foto.  © AP
Rasul Jafarow (r.), Koordinator der Kampagne "Sing for Democracy" und Emin Huseynow, Direktor des Institute for Reporters Freedom and Safety (IRFS), stehen am Sonntag in einem Club in Baku auf der Buehne.

Ungeachtet des ESC gebe es weiter Festnahmen von Regierungskritikern, sagte die prominente Bürgerrechtlerin Lejla Junus am Rande des Konzerts.

“Ich habe bisher gedacht, dass der Druck sich nach dem ESC verschärft, aber unsere Machthaber verhalten sich so feindlich gegen die Gesellschaft, dass die Repressionen nun ständig laufen“, sagte die Leiterin des Instituts für Frieden und Demokratie (Institute for Peace and Democracy). So seien etwa zwei Organisatoren von “Sing for Democracy“ von der Universität ausgeschlossen worden.

“Der ESC ist für die Mehrheit der Bürger in Aserbaidschan kein Glück“, sagte Junus. Sie warf dem autoritären Präsidenten Ilcham Alijew Methoden eines “mafiösen Clans“ vor.

Senioren seien die Renten gekürzt worden mit der Begründung, es werde mehr Geld für den Eurovision gebraucht, sagte Junus. Dutzende Menschen seien unter Polizeigewalt zwangsenteignet worden, um Platz für Neubauten für den ESC zu schaffen. Und Schuldirektoren würden als Staatsbedienstete etwa gezwungen, Tickets für die ESC-Show in der neuen Crystal Hall zu kaufen, um den Absatz anzukurbeln.

Zu diesen Protesten äußerte sich auch der deutsche Hip-Hopper Thomas D. Er begleitet den Sänger Roman Lob (21), der beim ESC-Finale an diesem Samstag (26. Mai) mit der Ballade “Standing Still“ auf Startnummer 20 von 26 antritt.

In Baku sagte Thomas D über die Proteste, dass das Streben nach Demokratie nach rund 70-jähriger kommunistischer Herrschaft Zeit brauche und weiter gehen müsse. Die Südkaukasusrepublik erlangte erst nach dem Zerfall der Sowjetunion vor gut 20 Jahren ihre Unabhängigkeit. “Es gibt hier Religionsfreiheit und Gleichberechtigung für Frauen“, sagte Thomas D angesichts der Menschenrechtsprobleme in Aserbaidschans Nachbarland Iran.

“Musik verbindet uns alle. Die Verbindung von Musik und dem Wunsch nach Freiheit und dem Bestreben, die Freiheit voranzubringen, ist eine sehr gute Kombination“, sagte der Musiker. “Wenn man aber anfängt, Musik politisch zu instrumentalisieren, da hört dann der Spaß bei mir ein bisschen auf.“

dpa

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