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Russland-Experte Gerhard Mangott im Gespräch

„Die Ukraine hat nicht vor zu kapitulieren“

Bild von Gerhard Mangott
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Gerhard Mangott

Russland-Experte Gerhard Mangott hat in den vergangenen Tagen immer wieder vor einer militärischen Eskalation gewarnt. Im Interview erklärt der österreichische Politikwissenschaftler, warum der Krieg nicht mehr zu vermeiden war, was Europa jetzt erwartet – und was die russische Bevölkerung davon hält. 

Herr Mangott, tagelang hat die Welt versucht, den Angriff Russlands zu verhindern. Gab es dafür überhaupt eine realistische Chance?

Gerhard Mangott: Nein. Die Anerkennung der Separatistengebiete hat für Russland keinen Nutzen gehabt. Putin hatte diese Gebiete ohnehin schon wirtschaftlich und politisch kontrolliert. Und es gab dort natürlich schon lange inoffiziell russische Truppen. Putin hat größere Ziele: Die Ukraine zu unterwerfen, ihr die Souveränität zu nehmen und sie zurück in die Einflusssphäre Russlands einzugliedern. Und um das zu erreichen, musste er jetzt handeln – bevor die Ukraine stärker und widerstandsfähiger wird.

+++ Alle Hintergründe zum Ukraine-Konflikt auf unserer Themenseite +++

Wann wird er sich zufrieden geben – wenn Russland die ganze Ukraine besetzt hat?

Gerhard Mangott: Wir werden keinen Vorstoß der russischen Streitkräfte in den Westen der Ukraine sehen. Ich denke, sie werden am Fluss Dnjepr Halt machen und noch die Hauptstadt Kiew besetzen. Und bis Putin das erreicht hat, kann er keinen Schritt mehr zurück machen. Dafür hat er die Situation zu sehr eskalieren lassen.

Das klingt nach einem zähen und blutigen Krieg, in dem die Ukraine auf sich allein gestellt ist. 

Gerhard Mangott: Das ist sie auch. Niemand wird der Ukraine militärisch zur Seite stehen. Und die Ukraine hat nicht vor zu kapitulieren. Das wäre faktisch das Ende einer eigenständigen, ukrainischen Staatlichkeit. Es wird massiven Widerstand der ukrainischen Streitkräfte geben, aber sie sind den russischen Truppen unterlegen.

Gibt es noch diplomatische Ansätze oder erwarten Sie einen neuen Eisernen Vorhang?

Gerhard Mangott: Es wird eine neue Trennungslinie durch Europa gezogen. Die Beziehungen des Westens zu Russland werden einfrieren. Russland wird diplomatisch und politisch isoliert, und Putin zu einem Aussätzigen der internationalen Politik gemacht. Ich sehe da keinen Weg für diplomatische Lösungen. Die Möglichkeit hätte es vielleicht vor zwei Monaten noch gegeben.

Inwiefern?

Gerhard Mangott: Das war der Zeitpunkt, an dem sich Russland und die Nato festgefahren haben. Russland blieb bei der Forderung, die Ukraine als Nato-Mitglied auszuschließen. Und die Nato hat das als unverhandelbar bezeichnet.

Hätte sie denn nachgeben sollen?

Gerhard Mangott: Ich denke, das wäre es wert gewesen. Es ist zwar unklar, ob das Putin wirklich abgehalten hätte – aber man hätte zumindest versuchen können, flexibler zu sein. Die Nato hat an ihrer Politik der offenen Tür festgehalten – obwohl sie gar nicht die Absicht hatte, die Ukraine aufzunehmen. Man hat ein Prinzip verteidigt, das man in Wirklichkeit nicht umsetzen wollte. Und riskiert, was genau jetzt passiert: dass die Ukraine Opfer eines Kriegs wird. Aber der Aggressor ist Russland.

Bleibt Putin jetzt nur noch der Rückhalt aus der eigenen Bevölkerung?

Gerhard Mangott: Aus Gesprächen mit russischen Meinungsforschern weiß ich, dass die Mehrheit der Russen gegen den Krieg ist. Auch wenn sie den Westen für den Krieg verantwortlich macht. Die Ablehnung wird sich schnell verstärken, sobald die Zahl der russischen Opfer steigt und Särge zurückkommen. Bislang hat Putin darauf geachtet, dass möglichst wenige russische Soldaten sterben, aber das wird sich bei einer territorialen Invasion nicht vermeiden lassen. Allerdings stehen Militär und Geheimdienst hinter Putin – und dieses Establishment hat großen Einfluss auf ihn.

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