Bewerbungsgespräche wegen Corona abgesagt

Einsiedelei in Saalfelden bleibt erstmals unbewohnt

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Der Belgier Stan Vanuytrecht führte drei JAhre lang ein Leben als Einsiedler.

Saalfelden - Drei Jahre lang lebte der Belgier Stan Vanuytrecht als Einsiedler in Saalfelden - ohne Strom, ohne fließendes Wasser und in einer kargen Unterkunft. Im April hätte nun ein neuer Eremit einziehen sollen. Doch nun bleibt die Einsiedelei unbewohnt.

Update, 1. April: Einsiedelei bleibt heuer unbewohnt

Die mehr als 350 Jahre alte Einsiedelei in Saalfelden (Pinzgau) wird in diesem Jahr erstmals unbewohnt bleiben. Im April hätte ein neuer Eremit in die während der Wintermonate nicht bewohnbare Klause einziehen sollen. Wie der "ORF Salzburg" nun berichtet, wurden die Bewerbungsgespräche wegen der Coronavirus-Pandemie nun aber abgesagt.

Die Neuausschreibung war notwendig geworden, nach dem der letzte Eremit, der Belgier Stan Vanuytrecht, die Pfarre Saalfelden im Februar informiert hat, nicht mehr in die Einsiedelei zurück zu kehren. Er führte dafür gesundheitliche Gründe und den Wunsch, Priester zu werden, ins Treffen. Laut dem Saalfeldner Bürgermeister hätten sich bereits erste Bewerber gemeldet.

Vorbericht: Saalfelden sucht neuen Einsiedler am Steinernen Meer

Ende April 2017 hatte der damals 58-jährige Belgier Stan Vanuytrecht die Klause auf 1.400 Meter Höhe am Fuße des Steineren Meer bezogen. Der pensionierte Vermessungstechniker und geweihte Diakon Stan Vanuytrecht aus der Nähe von Brüssel hatte sich damals nach einem langen Auswahlverfahren gegen mehr als 50 Bewerber aus aller Welt durchgesetzt.

Drei  Jahre lang hat der Belgier jeweils von Frühling bis Herbst als Einsiedler gelebt. Im Februar informierte er nun den Saalfeldener Dechant Alois Moser in einem Schreiben über seinen „Rücktritt“.

Saalfelden: Stan Vanuytrecht verabschiedet sich

"Drei Jahre lang habe ich die Funktion des Einsiedlers in Saalfelden mit großer Freude bekleidet", schreibt der Diakon aus Belgien. "Ich sehe mich jedoch dazu verpflichtet, nun von dieser Position zurückzutreten."

Sein Gesundheitszustand erlaube ihm keine längeren Aufenthalte mehr auf der Einsiedelei, zudem möchte Stan Vanuytrecht ein Priesterstudium absolvieren. In Belgien gebe es die "Möglichkeit, als Priesterkandidat aufgenommen zu werden."

Der Belgier bedankte sich in seinem Brief noch einmal für die "wundervolle Zeit". Immer wieder hatte der Diakon gegenüber Medienvertretern betont, wie sehr er die Zeit in Saalfelden genieße.

Einsiedler von Saalfelden: "Mir war es auch bei fünf Grad nie zu kalt!"

"Ich mag das Alleinsein", erzählte Vanuytrecht bereits nach seiner ersten Saison als Einsiedler. Zu den besonderen Momenten zählten aus seiner Sicht die vielen intensiven Gespräche mit Menschen, die teils auch aus Bayern angereist waren, um mit ihm ihre Probleme zu besprechen. „Der Vorteil ist, dass ich ein Fremder bin. Die Menschen reden dann leichter“, meint Vanuytrecht, der früher auch als Seelsorger im Gefängnis und in der Psychiatrie gearbeitet hat. „Ich höre zu und wenn ich kann, gebe ich Rat.“ Viele seien voller Dankbarkeit gewesen. "Die Einsiedelei ist sehr wichtig für die Menschen!"

Saalfelden: Neuer Eremit gesucht! Kein Strom, kein Wasser, keine Kollegen

In Saalfelden hält man nun Ausschau nach einem Nachfolger für die Einsiedelei. Die von großem Medieninteresse begleitete "Stellenausschreibung" im Jahr 2017 habe gezeigt, dass es nicht einfach ist, die richtige Person für ein Leben als Einsiedler zu finden.

Dechant Alois Moser beschreibt die Anforderungen: "Der Einsiedler muss eine gefestigte Person sein, die sowohl mit der Einsamkeit in den Abend- und Nachtstunden als auch mit den vielen Menschen, welche die Einsiedelei tagsüber besuchen, gut umgehen kann. Das Leben in einer Klause am Berg - ohne Strom, Zentralheizung und fließendes Wasser - erfordert Genügsamkeit, eine gute körperliche Verfassung und handwerkliches Geschick." Interessenten können sich per Brief im Pfarramt Saalfelden, Lofererstraße 11, 5760 Saalfelden, melden.

Das ist der neue Eremit von Saalfelden

Belgier neuer Eremit für Salzburger Einsiedelei
Belgier neuer Eremit für Salzburger Einsiedelei © dpa
Saalfelden sucht einen Einsiedler
Saalfelden sucht einen Einsiedler © dpa
Belgier führt Leben als Einsiedler
Belgier führt Leben als Einsiedler © dpa
Belgier führt Leben als Einsiedler
Belgier führt Leben als Einsiedler © dpa
Belgier führt Leben als Einsiedler
Belgier führt Leben als Einsiedler © dpa
Belgier führt Leben als Einsiedler
Belgier führt Leben als Einsiedler © dpa
Belgier führt Leben als Einsiedler
Belgier führt Leben als Einsiedler © dpa
Belgier führt Leben als Einsiedler
Belgier führt Leben als Einsiedler © dpa

In der kalten Jahreszeit ist die Klause lawinengefährdet und ein Daueraufenthalt nicht zu verantworten. Das nur etwa 25 Quadratmeter kleine, direkt an den Fels gebaute feuchte Häuschen ist eine Herausforderung. Dennoch ist Stan Vanuytrecht überzeugt, dass man "nicht wie ein Einsiedler vor 350 Jahren leben" muss. Ein extrem spartanisches Leben verbessere sein Gebet nicht.

Spartanische Klause bereits 350 Jahre alt

Die Klause von Saalfelden ist mehr als 350 Jahre alt. Es ist eine der letzten bewohnten Einsiedeleien in Europa. Die natürliche Felshöhle ist im 17. Jahrhundert zu einer Kapelle ausgebaut worden. Seit damals wird dort der Schutzpatron der Tiere, der Heilige Georg, verehrt. Früher diente der Bewohner der Klause auch als Feuermelder für den österreichischen Ort. Die Küche ist nur eine Herdstelle, die Wohnstube mit Tisch, Stuhl und Bank ist ebenso karg wie der Schlafraum, der ein einfaches Bett, aber keinen Schrank vorweist.

Die Saison dauert von Mitte April bis November. In den Wintermonaten ist die Einsiedelei wegen der Kälte nicht bewohnbar. Im vergangenen Jahr lebte ein Wiener Pfarrer und Psychotherapeut dort, davor war es zwölf Jahre lange die Bleibe eines Benediktinermönches gewesen.

mz

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