"Ein grausamer, intelligenter, sadistischer Serienmörder"

"Lebendiger Hannibal Lecter": "Golden State Killer" gesteht Dutzende Morde und Vergewaltigungen

´Golden State Killerª
+
Joseph James DeAngelo (M), bekannt unter dem Namen "Golden State Killer", wird von seiner Anwältin Diane Howard gestützt, als Richter Bowman am Obersten Gerichtshof von Sacramento den Gerichtssaal in Sacramento betritt. Vier Jahrzehnte nach Beginn einer Mord- und Vergewaltigungsserie in Kalifornien hat ein 74-jähriger Mann seine Schuld eingeräumt. Joseph James DeAngelo bekannte sich am Montag (Ortszeit) vor Gericht in Sacramento wegen 13 Morden und anderer Gewalttaten schuldig.

Sacramento - Als Mörder und Vergewaltiger terrorisierte der "Golden State Killer" jahrelang den US-Bundesstaat Kalifornien. Nun hat ein 74-Jähriger die Taten gestanden. Eine Staatsanwältin vergleicht ihn mit Hannibal Lecter. Er selbst spricht von einer inneren Persönlichkeit namens „Jerry“, die ihn zu seinen Taten gezwungen habe.

Im Rollstuhl wird der "Golden State Killer" in den Raum gefahren, ein gebrechlicher 74-Jähriger in orangeroter Gefängniskluft. "Schuldig" sagt Joseph James DeAngelo immer wieder mit schwacher, krächzender Stimme auf jeden der 13 Mordvorwürfe. Damit folgte er einer Prozessabsprache, die ihm die Todesstrafe erspart.

Auch in der 13-fachen Anklage wegen Entführungen im Rahmen seiner Gewalttaten räumt er immer wieder seine Schuld ein. Hinzu kommen offenbar über 160 Verbrechen, von Vergewaltigung bis Raub und Einbruch, die schon verjährt sind. Stundenlang zog sich die Gerichtsanhörung am Montag (Ortszeit) im kalifornischen Sacramento hin.

Vier Jahrzehnte nach Beginn einer Mord- und Vergewaltigungsserie in Kalifornien hat ein 74-jähriger Mann seine Schuld eingeräumt. Joseph James DeAngelo bekannte sich am Montag (Ortszeit) vor Gericht in Sacramento wegen 13 Morden und anderer Gewalttaten schuldig.

Staatsanwalt Thien Ho sagte, DeAngelo habe bei einem Polizeiverhör im April 2018 von einer inneren Persönlichkeit namens „Jerry“ gesprochen, die ihn zu seinen Taten gezwungen habe.

„Jerry“ sei ein Teil von ihm gewesen, den er lange nicht losgeworden sei. Schließlich sei es ihm doch gelungen und er habe dann ein glückliches Leben geführt. „Ich habe alle ihre Leben zerstört. Deshalb muss ich jetzt den Preis bezahlen.“ 

Staatsanwältin: "lebendige Version von Hannibal Lecter"

Das ist die "reale lebendige Version von Hannibal Lecter", sagt die Bezirks-Staatsanwältin Anne Marie Schubert am Ende vor der Presse, "ein grausamer, intelligenter, sadistischer Serienmörder". Schubert spielt auf den Kannibalen und Serienmörder Dr. Hannibal Lecter aus dem Hollywood-Thriller "Das Schweigen der Lämmer" (1991) mit Anthony Hopkins an.

Mit seiner Kaltblütigkeit und Grausamkeit versetzte der "Golden State Killer" den Westküstenstaat über zehn Jahre in Angst und Schrecken. Dem ersten Mord 1975 folgten Dutzende Vergewaltigungen in Nordkalifornien, dann bis 1986 eine brutale Mordserie im Süden des Staates.

Zwischen 1975 und 1986 soll er mindestens 13 Menschen ermordet und etwa 50 Frauen vergewaltigt haben. Seine Opfer waren zwischen 14 und 41 Jahre alt. Ermittler sind sich auch sicher, dass DeAngelo der als „Visalia Ransacker“ bekannte Einbrecher gewesen ist, der in den 70er-Jahren mehr als 100 Häuser heimsuchte.

Oft trug er eine Skimaske und schreckte seine Opfer mit einer grellen Taschenlampe auf.

Während einer Anhörung vor dem Obersten Gerichtshof von Sacramento stehen Zuhörer des Prozesses, darunter Opfer und Familienangehörige von Opfern von Joseph James DeAngelo (hintere Reihe, 3.v.r, Mann in Orange), bekannt als der "Golden State Killer", auf, während einige Anklagen verlesen werden.

Bei seinen nächtlichen Streifzügen durch ruhige Vororte hatte er Messer, Pistolen, Seile und Schnürsenkel dabei. Häufig fesselte er die Ehemänner, vergewaltigte die Frauen und brachte nach langen Quälereien beide um. Meist verweilte er an den Tatorten, bediente sich am Kühlschrank und ließ Gegenstände aus den Häusern mitgehen.

Ex-Polizist lebte bei seiner Tochter

An den vielen Tatorten hinterließ er DNA-Spuren, die ihm erst viel später zum Verhängnis wurden. Ermittler wurden bei ihrer langen Suche nach dem flüchtigen Täter schließlich auf Plattformen für Ahnenforschung fündig, die genetische Informationen eines Verwandten enthielten. 

Im April 2018, mehr als drei Jahrzehnte nach dem letzten Mord, wurde DeAngelo in einem Vorort von Sacramento festgenommen. Dort soll der Ex-Polizist 1978 auch ein junges Paar ermordet haben. Zum Zeitpunkt der Verhaftung war DeAngelo bereits auf einen Rollstuhl angewiesen. Der geschiedene Mann hatte hier auch unauffällig bei einer seiner drei Töchter gelebt.

DeAngelo war früher selbst Polizist gewesen und wegen eines Ladendiebstahls 1979 aus dem Polizeidienst entlassen worden. Seine Polizeiarbeit und sein Wissen darüber, verhalf ihm zuvor die Tatorte so zu präparieren, dass kein Verdacht auf ihn fallen sollte.

Durch das Geständnis kommt der Täter nun um die Todesstrafe herum. Im August soll er zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit der Begnadigung verurteilt werden. Den überlebenden Opfern und den Angehörigen der Ermordeten bleibt damit ein langwieriger Prozess mit schmerzlichen Zeugenaussagen erspart.

Jüngstes Opfer war 13 Jahre alt

Doch am Montag hörten die Anwesenden schockierende Details von den Tatorten. Die Staatsanwälte aus sechs Bezirken schilderten die grausamen Tatumstände, teils mit Tränen in den Augen. Per Videoschalte konnte auch die Öffentlichkeit die Anhörung mitverfolgen.

Dave Domingo (l) und seine Schwester Debbi Domingo McMullan stehen in einem behelfsmäßigen Gerichtssaal des Obersten Gerichtshofs und hören zu, wie Joseph James DeAngelo des Mordes an ihrer Mutter Cheri Domingo im Jahr 1981 angeklagt wird.

Das jüngste Opfer war 13 Jahre alt. Ein junges Paar hatte erst Monate zuvor geheiratet. Unter den Toten war auch eine gebürtige Frankfurterin, die 1981 im südkalifornischen Irvine in ihrem Bett erschlagen aufgefunden wurde. Das letzte dem Serienmörder zugeschriebene Opfer war eine 18-Jährige, die 1986 vergewaltigt und ermordet wurde.

HBO gab sechsteilige Doku-Serie in Auftrag

Die über Jahre ungeklärte Crime-Serie hatte auch die amerikanische Krimiautorin Michelle McNamara beschäftigt. Im Februar 2018 erschien in den USA ihr Buch "I'll Be Gone in the Dark" (dt. Titel "Ich ging in die Dunkelheit"). Zwei Monate später wurde der damals 72 Jahre alte DeAngelo als mutmaßlicher Serienmörder festgenommen. Der US-Sender HBO gab eine sechsteilige Doku-Serie in Auftrag, die am Sonntag Premiere feierte.

mz/dpa

Kommentare