Studie zur Maut-Befreiung in Österreich

Stehen die mautfreien Autobahnen bei Salzburg und Kufstein jetzt auf der Kippe?

Seit 15. Dezember 2019 ist der Autobahnabschnitt zwischen dem
Walserberg und Salzburg-Nord (nicht Salzburg-Süd) Mautfrei, die Asfinag hat die entsprechenden Hinweisschilder allerdings sehr dezent gestaltet.
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Seit 15. Dezember 2019 ist der Autobahnabschnitt zwischen dem Walserberg und Salzburg-Nord (nicht Salzburg-Süd) mautfrei, die Asfinag hat die entsprechenden Hinweisschilder allerdings sehr dezent gestaltet.

Grenznahe Autobahnabschnitte in Österreich sind seit Ende 2019 mautfrei, etwa bei Salzburg oder Kufstein. Damit sollten auch die Innenstädte entlastet werden. Nach eine Studie, ist unklar, ob die Mautfreiheit bleibt.

Salzburg - Seit Dezember 2019 gilt für zahlreiche grenznahe Autobahnen eine Mautbefreiung, auch die A1 ist seither zwischen dem Walserberg und Salzburg-Nord ohne Maut zu befahren, auch wenn man das auf den Asfinag-Hinweisschildern kaum erkennen kann.

Der Gesetzgeber schrieb damals vor, die gewünschten Effekte bis Februar 2021 zu überprüfen, das Ergebnis liegt jetzt vor und zeigt, dass der in Salzburg gewünschte Entlastungseffekt für die Innenstadt nur minimal ist. Salzburgs Politiker laufen sich schon mal warm, um für einen Fortbestand der Vignettenfreiheit zu kämpfen.

In der kommenden Woche wird der Evaluierungsbericht im Nationalrat, dem österreichischen Parlament, vorgestellt, „aber die Zahlen sind aufgrund der Corona- Pandemie wenig aussagekräftig“ meint zum Beispiel ÖVP- Gemeinderat Christoph Fuchs, zusammen mit der Stadt hatte sich auch ÖVP-Verkehrslandesrat Stefan Schnöll damals für die Mautbefreiuung eingesetzt und mit einer erhofften Entlastung der Innenstadt argumentiert.

Doch diese Entlastung sei nicht eingetreten, das zeigt jetzt eine Studie, die allerdings der Autobahnbetreiber Asfinag selbst in Auftrag gegeben hat. Demnach sei das städtische Straßennetz nur um rund zehn Prozent entlastet worden, außerdem hätten nur sehr wenige Autofahrer eine Ahnung, dass sie zwischen dem Walserberg und Salzburg-Nord die Autobahn ohne Vignette benutzen könnten.

Das Fazit der Studienautoren: Die Zahlen rechtfertigen keine Verlängerung der Vignettenfreiheit in Salzburg, im Übrigen auch nicht Tirol und Vorarlberg. Für die Stadt-ÖVP ist dieses Ergebnis „nur bedingt aussagekräftig, denn wegen der Corona-Pandemie sind die Verkehrsdaten über den Großteil des Evaluierungszeitraums nicht wirklich repräsentativ“, so Fuchs. Für die Analyse wären nur die Vor-Corona-Monate Jänner und Februar verwertbar.

Umfrage am Walserberg: Nur 36 deutsche Lenker wussten Bescheid

Um überhaupt eine entsprechende Datenmenge für die Analyse zu ergattern, führte man im August 2020 eine Befragung an der Raststation Walserberg durch. „Dort hat man aber nur 36 Personen, allesamt mit deutschem Kennzeichen, gefunden, die von der Vignettenbefreiung gewusst haben.

„Kein Wunder“, findet der ÖVP-Fraktionschef im Salzburger Gemeinderat, „wer am Walserberg Rast macht, hat ganz andere Ziele als die Stadt Salzburg. Eine Befragung mit einem seriösen Ergebnis hätte bei überregionalen Zielen in der Stadt Salzburg, etwa dem Messezentrum, dem Flughafen oder dem Europark durchgeführt werden müssen“. Nicht erfasst wurden auch die Zweitautos von Salzburgern aus der Stadt und dem Umland, die nun auf die Autobahn ausweichen können.

14 Millionen Euro Mautentgang für ASFINAG: Wie wurde hier gerechnet?

Für den ÖVP-Klubchef gibt es daher nur eine Schlussfolgerung: „Die Ausnahme von der Vignettenpflicht auf diesem Abschnitt der Stadtautobahn muss beibehalten werden. Denn jeder Pkw, der auf der Autobahn bleibt, entlastet die städtischen Wohngebiete.“

Nicht nachvollziehbar sei auch der von der Asfinag errechnete Maut-Entgang, „wie eine Befreiung von wenigen Kilometern Autobahnnetz in Salzburg, Tirol und Vorarlberg Mindereinnahmen von 14 Millionen Euro pro Jahr nach sich zieht, ist für mich nicht schlüssig, vor allem angesichts des geänderten Urlaubs- und Mobilitätsverhaltens in der Corona-Krise“. Eine Auswertung von Verkaufsstellen an den Grenzen sei nicht der Weisheit letzter Schluss.

hud

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