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Opfer schützt Ex-Lebensgefährten und sagt nicht aus

Dreimal Gewalt gegen Frauen: Zwei Freisprüche, eine Bewährungsstrafe in Salzburg

Landesgericht Symbolbild
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Unter großem medialen Interesse wurde am Montag am Landesgericht gegen drei Männer verhandelt, die ihre Frauen geschlagen haben sollen. In zwei Verfahren wurden die Angeklagten freigesprochen, weil die Opfere ihre Anschuldigungen nicht wiederholen wollten, nur in einem Fall erfolgte eine rechtskräftige Verurteilung.

Nach dem Doppelmord von Wals mit zwei Frauen als Opfer waren am Montag gleich drei Verfahren gegen andere, vermeintlich gewalttätige Männer von großem medialen Interesse begleitet. Doch von den Anschuldigungen der Frauen blieb in zwei Fällen vor Gericht nichts beweisbares übrig, einzig im dritten Fall zeigte sich der Angeklagte reumütig geständig und fasste dafür sieben Monate Bewährung und zahlreiche Auflagen aus. 

Salzburg - Mit einem nicht rechtskräftigen Freispruch endete das erste von drei Verfahren wegen häuslicher Gewalt am Montag vor dem Landesgericht. „Ich habe keine Beweise, die ich verwerten kann, demzufolge sind Sie freizusprechen“, so die Richterin zum Angeklagten, einem 31-jährigen Maurer. Das Opfer, die 28-jährige Ex-Lebensgefährtin sagte vor Gericht nicht aus, dieses Recht hat sie, weil sie mit dem Angeklagten zwei gemeinsame Kinder hat. „Diese Nichtaussage hier hat zur Folge, dass ich auch ihre Aussage vor der Polizei nicht verwenden darf“, so die Richterin, „das ist durchaus ein diskussionswürdiger Punkt der Strafprozessordnung“. Statt einer Aussage legte das vermeintliche Opfer eine Bestätigung vor, dass der Angeklagte von seiner Firma wieder eingestellt würde. Schon vor der Verhandlung fauchte die 28-Jährige, die mit ihrer Mutter erschienen war, einen Kameramann an, weil dieser den Angeklagten wie üblich filmte. 

In der Verhandlung wies der angeklagte Maurergehilfe (32) alle Vorwürfe von sich, er würde sich mit dem Opfer „eigentlich gut verstehe, ich weiß eh, warum sie immer die Polizei holt. Sie will, dass ich in die Dopplerklinik gehe und meine Therapie wegen Depressionen fortsetze“, so der Angeklagte. Der letzte Vorfall ist wenige Stunden nach einer Verurteilung passiert, ebenfalls wegen Nötigung und schwerer Körperverletzung.

Der Mann hat insgesamt neun Vorstrafen, „durch die Bank wegen Aggressionsdelikten“, so die Richterin. Der Anwalt des Angeklagten meinte, sein Mandant werde sich in alle drei angeklagten Punkten nicht schuldig bekennen. „Es hat keine Drohungen gegeben, wir hatten nur eine Diskussion, weil sie unsere zwei gemeinsamen Kinder immer so spät ins Bett bringt“. Gewalt gegen die Frau habe es nie gegeben, eine angeklagte Sachbeschädigung – eine Tür sei nach einem Streit kaputt gewesen – sei auch nicht auf ihn zurückzuführen, „die Tür war schon vorher kaputt“. Das bestätigte später auch die Mutter des Opfers. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. 

Auch im zweiten Fall: Frau sagt nicht aus

In einem zweiten Verfahren musste sich am Montag ein mehrfach vorbestrafter Serbe (34) ebenfalls wegen schwerer Körperverletzung vor Gericht verantworten. Die Situation für den Angeklagten sei sehr schwierig gewesen verteidigte sein Anwalt den 34-Jährigen, bei Streits sei es hauptsächlich um das Sorgerecht des gemeinsamen Sohnes gegangen, die mittlerweile Ex-Frau habe dabei die Nerven verloren. Als die Ex-Gattin als Zeugin vor dem Richter saß, belehrte dieser sie, dass sie keine Aussage machen müsse, von diesem Recht nahm sie sogleich Anspruch, womit die Verhandlung nach rund zehn Minuten mit einem Freispruch endete. Fotos, die Verletzungen des Opfers zeigen könnten nicht verwendet werden, so der Richter, wenn das Opfer nicht sagen will wie diese entstanden sind. 

„Er ist ein guter Mensch“

Im dritten Fall sagte sowohl das Opfer aus, als auch der Täter, der ein reumütiges Geständnis ablegte. Das Urteil: Sieben Monate auf Bewährung, sowie ein Antigewalttraining und eine Alkoholkarenz für drei Jahre, das fasste ein 39-jähriger Deutscher aus, der nach einer Feier mit reichlich Alkohol seine Freundin geschlagen hat. Die Feier am ersten Weihnachtsfeiertag 2020 endete für die Frau mit Gewalt, ihr Nach-wie-vor-Freund hatte sie im Taxi an die Autoscheibe gedrückt, „er war plötzlich sehr aggressiv“, aus dem Wagen sei sie dann gestürzt und danach habe der Angeklagte sie mit der Faust geschlagen. „Ich war leicht verletzt, es war das erste und einzige Mal, dass er mich geschlagen hat, er ist eigentlich ein guter Mensch und für meine zwei Kinder wie ein Vater.“

Der angeklagte Deutsche mit Migrationshintergrund (39) zeigte sich reumütig geständig und war auch bereit, die Weisung für ein Antigewalttraining anzunehmen. Er entschuldigte sich, „wenn ein Mensch jemanden liebt, macht man sowas nicht“. Beide waren am Tattag stark alkoholisiert, der Angeklagte hatte laut Gerichtsakt 2,1 Promille, das Opfer 1,7 Promille.

hud

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