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Salzburg zu Kriegsende: Befreit oder besetzt? 

KZ-Verband gedenkt der Befreiung Österreichs von NS-Herrschaft – Kritik an Kriegsaufarbeitung

Statt in Mauthausen fand die jährliche Kundgebung im zweiten Corona-Jahr an der Eisenbahnbrücke zwischen Salzburg und Freilassing statt.
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Statt in Mauthausen fand die jährliche Kundgebung im zweiten Corona-Jahr an der Eisenbahnbrücke zwischen Salzburg und Freilassing statt.

Am 4. Mai 1945 wurde die Stadt Salzburg an der zerstörten Eisenbahnbrücke zu Freilassing als „offene Stadt“ an die US-Alliierten übergeben, Wehrmachts-Oberst Hans Lepperdinger weigerte sich, einen Zerstörungsbefehl seines Vorgesetzten in St. Gilgen auszuführen, „der Befehl stellt einen Wahnsinn dar, ich werde ihn nicht ausführen“ hat er in einer Radiorede gemeint, die auch auf der anderen Seite der Saalach, in Freilassing von den US-Truppen gehört und verstanden wurde.

Salzburg - Die rund 100 Mitglieder des KZ-Verbandes, mangels lebender Opfer mittlerweile mit dem Namenszusatz „Verband der Antifaschisten“ gedenken der Befreiung Österreichs von der NS-Herrschaft in der Regel im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen. Heuer, im 2. Jahr der Pandemie, wollte man bewusst eine kleine Kundgebung in Salzburg und fand dafür keinen geeigneteren Ort als die Eisenbahnbrücke zwischen Salzburg und Liefering, wo die Besatzung, oder eben die Befreiung Österreichs vor 76 Jahren begann.

Rund 50 Teilnehmer waren erschienen, unter ihnen Hanna Feingold, die Gattin von Marko Feingold, der drei KZ überlebt hatte und bis zu seinem Tod 2019 immer wieder an die Gräueltaten erinnerte, aber auch zur Versöhnung aufrief. 

Eine Schautafel unweit der Eisenbahnbrücke zwischen Salzburg und Freilassing erinnert mit Fotos an die kampflose Übergabe von Salzburg an die in Freilassing bereits wartenden US-Truppen.

Für den Historiker Albert Lichtblau ist die Frage ‚Befreiung oder Besatzung‘ eindeutig zu beantworten, „es war natürlich eine Besatzung, denn diese Typen, diese NS-Schergen, musste man ruhig stellen, und das konnte man nur mit einer Besatzungsmacht“. Ein Widerstand, ein Volk, das sich gegen das Regime aufgelehnt hätte und befreit hätte werden müssen gab es kaum. „Befreit werden mussten die KZ-Insassen, Zwangsarbeiter und andere Minderheiten“. 

Das Ende eines Krieges sei immer sehr gefährlich, meint der Historiker, immerhin hätte Adolf Hitler vor seinem Selbstmord noch den so genannten Nero-Befehl ausgegeben, der besagte, dass dem Feind nur verbrannte Erde zu hinterlassen sei. Aufkeimender Widerstand sei auch noch in den letzten Tages des Krieges mit Hinrichtungen beantwortet worden. 

In Salzburg habe Oberst Hans Lepperdinger es trotzdem gewagt, den Nero-Befehl seines Vorgesetzten vom Hauptquartier in St. Gilgen nicht zu befolgen, er erklärte Salzburg zur „offenen Stadt“, was eine friedliche Übergabe an die an der Saalach aufmarschierten US-Truppen bedeutete.

Diktatur schon im Austrofaschismus

Für Historiker Albert Lichtblau begann am 4. Mai 1945 die Besatzung der Siegermächte, „anders konnte man die NS-Schergen nicht ruhigstellen.“

Buchautor und Mitglied des KZ-Verbandes Dieter Braeg erinnerte daran, dass die Diktatur in Österreich schon vor dem Anschluss an das Deutsche Reich Einzug gehalten hat, und zwar mit dem autoritärem Ständestaat unter Bundeskanzler Engelbert Dollfuss. „Österreich ist nach der Befreiung sehr schnell in die Opferrolle geschlüpft, die ersten Regierung haben die Geschichte gar nicht, spätere Regierungen nur widerwillig aufarbeiten wollen“, so Braeg. In seiner Schulzeit habe der Geschichtsunterricht am Ende des 1. Weltkrieges seinen Abschluss gefunden. 

Kritik an 40 NSDAP-Straßennahmen

Braeg äußerte auch an der aktuellen Geschichtsbetrachtung scharfe Kritik, „es gibt in der Stadt Salzburg immer noch 40 Straßennamen, die an NSDAP-Chargen erinnern, mittlerweile nur mit einem kleinen Hinweistaferl versehen“. Andererseits würde nach dem  Versöhner und KZ-Überlebenden Marko Feingold keine Straße benannt, wie von seiner Witwe gewünscht, „da reichte es nur für einen Steg“. Am Kommunalfriedhof würden Soldaten und Offiziere des Zweiten Weltkrieges immer noch an prominenter Stelle geehrt, „während zum Beispiel für die Opfer der Bücherverbrennung nicht der Ort gewählt werden dufte wo die Bücher verbrannt wurden, weil der Rupertikirtag und der Fackeltanz wichtiger sind“. 

hud

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