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Vorwurf der Körperverletzung

Mit Coronavirus infizierter Zahnarzt aus Deutschland bohrte einfach weiter - Urteil am Landesgericht in Salzburg

Das Landesgericht in Salzburg
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Das Landesgericht in Salzburg.

Ein Zahnarzt, der trotz einer positiven Corona-Infektion Patienten behandelte, musste sich am Montag (17. Mai) wegen Körperverletzung und Gefährdung durch übertragbare Krankheiten vor dem Landesgericht verantworten.

Salzburg/Bad Hofgastein - Der gebürtige Deutsche übernahm zwar die Verantwortung für die Gefährdung, nicht aber für die Körperverletzung. Das Gericht sprach ihn nach zahlreichen Zeugenaussagen für schuldig der Gefährdung durch Übertragung von gefährlichen Krankheiten, das Urteil: Sechs Monate auf Bewährung, „wenn man in Pandemiezeiten einem Arzt nicht mehr vertrauen kann, wem dann“, so der Richter in seiner Begründung. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, der Verteidiger meldete volle Berufung an.

Der angeklagte Zahnarzt hatte in einem Kurhaus eine Art Gemeinschaftspraxis, Sozialräume, Röntgen und Rezeption nutzt auch ein zweiter, einheimischer Zahnarzt. Am 2. März 2021 hatte der Angeklagte rund 15 Minuten nach einem Schnelltest im 2. Stock des Hauses das positive Corona-Ergebnis erhalten, dieses wollte er allerdings nicht akzeptieren sondern drängte den testenden Arzt zu einem neuerlichen, zweiten Test. Dieser ergab ein negatives Ergebnis. Die Staatsanwaltschaft warf ihm allerdings vor, nach dem ersten, positiven Ergebnis weiter behandelt zu haben und dabei einen Patienten, sowie die Assistentin des zweiten Zahnarztes mit dem Corona-Virus infiziert zu haben, daraus leitete die Staatsanwaltschaft dann die Zusatzanklage der Körperverletzung ab. Auch am Tag nach dem Test ist der Zahnarzt erneut in die Ordination gekommen, um sich mit seinem Assistenten zu besprechen.

Angeklagter bedauert Vorgehensweise

Der Angeklagte selbst wollte sich den Fragen des Gerichts nicht stellen, sein Anwalt erklärte, dass sein Mandant die Vorgehensweise bedauert, er die volle Verantwortung übernehme und zudem bereits eine massive, mediale Vorverurteilung stattgefunden hätte. Der Anwalt verlangte mehrmals eine Diversion, also eine Erledigung der Straftat ohne Urteil, zum Beispiel durch das Ableisten von Sozialstunden. Der Einzelrichter ging auf den Diversionswunsch allerdings nicht ein, sondern hörte sich die geladenen Zeugen an.

Der Geschäftsführer des betroffenen Kurhauses meinte, er habe vom testenden Arzt die Mitteilung erhalten, dass das Test-Ergebnis des Zahnarztes positiv sei. Der Angeklagte habe seine Ordination zwar kurz verlassen, sei dann aber wieder zum wartenden Patienten zurückgekehrt und habe diesen weiter behandelt. „Bitte verlassen sie unverzüglich die Praxis, sie dürfen nicht mehr weiter arbeiten“, soll der Geschäftsführer dem eingemieteten Zahnarzt daraufhin gesagt haben. „Ich bin negativ“, soll dessen Antwort gewesen sein, er meinte damit das zweite Testergebnis, das er dem testenden Arzt im 2. Stock entgegen der üblichen Vorgehensweise abgerungen hatte.

Auch der zweite Zahnarzt in dem Haus sagte nicht viel Positives über seinen Berufskollegen, er habe auch schon vor dem Vorfall den Mund-Nasen-Schutz oft nicht getragen „und wenn dann war die Nase meistens frei“. „Ich arbeite, bis ich fertig bin“, soll der Angeklagte das Angebot seines Kollegen brüsk abgewiesen haben, dem wartenden Patienten eine provisorische Füllung zu machen, damit er in die vorgeschriebene Quarantäne gehen kann.

Patient und gesamte Familie waren Corona-infiziert

Der am 2. März im Behandlungsstuhl sitzende Patient bekam das Chaos um die Tests und das Eintreffen der alarmierten Polizei mit. Er hätte nach der Behandlung ein mulmiges Gefühl gehabt, habe sich bei seiner Familie in Selbstisolation begeben und sei tatsächlich sechs Tage nach der Behandlung positiv auf Corona getestet worden. Auch seine Familie sei daraufhin krank geworden, „die meisten Schmerzen hatte meine Großmutter“. Allerdings war nicht nachzuweisen, ob sich der Patient nicht unmittelbar vor der Behandlung oder danach bei einem Familienmitglied angesteckt haben könnte. „Wir müssen uns zu 99,9 Prozent sicher sein, dass das Virus vom Angeklagten zu Ihnen übergesprungen ist“, so der Richter. Ähnlich erging es auch der Assistentin des zweiten Zahnarztes, die in gemeinschaftlich genutzten Räumen dem Angeklagten immer wieder begegnet ist. Auch sie war Tage später positiv, ihre Familie in der Folge infiziert und in Quarantäne.

Ob sie sich beim angeklagten Zahnarzt infiziert hat und wenn, dann bevor er das erste, positive Testergebnis in Händen hielt oder danach, war nicht eindeutig zu klären. Dass der Vorwurf der absichtlichen Körperverletzung so nicht aufrecht zu erhalten war, deutete sich bereits an.

Der Richter fällte mit einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten ein eher milderes Urteil, der Strafrahmen hätte bis zu drei Jahren Haft gereicht. Der Verteidiger meldete Berufung an.

hud

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