DNA-Treffer führte zu „Berufsverbrecher“

Nach brutalem Überfall auf Juweliers-Familie: Tatverdächtiger verhaftet

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Knapp zweieinhalb Stunden hielten die drei Täter den Ehemann, zwei Kinder und ein Au-Pair-Mädchen zuerst im Haus und später in einem Wald gefangen.
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Salzburg / Prag -  Am Dienstagmorgen, gegen 4.30 Uhr, hat eine tschechische Spezialeinheit in Prag einen mutmaßlichen Täter der erpresserischen Entführung vom Heuberg verhaftet.

Auf seine Spur führten ein DNA-Treffer, sowie Videoaufzeichnungen aus der Umgebung. „Die Täter waren schon vier bis fünf Tage vorher in einem Waldstück gegenüber und haben alles ausgekundschaftet“, so Landespolizeidirektor Franz Ruf. Er werde derzeit in Prag einvernommen, Hinweise zu den zwei weiteren Tätern gibt es, die Polizei möchte dazu aber „aus kriminaltaktischen Gründen“ noch keine Auskunft geben.

Ruf schilderte die „akribische Tatortarbeit“ am Heuberg, dort seien letztendlich DNA-Spuren sichergestellt worden, die in einem Labor in Brünn auf einen bereits mehrfach vorbestraften, 42-jährigen Tschechen hinwiesen. Mit Hilfe eines europäischen Haftbefehls habe man dann Kontakt mit den tschechischen Behörden aufgenommen, diese hätten den Tatverdächtigten dann mehrere Tage vor dem Zugriff observiert. „Bei der Festnahme heute Morgen um 4.30 Uhr soll nur eine massive Eingangstür in kurzer Hinderungsgrund gewesen sein“, so der Leiter des Kriminalamtes, Christian Voggenberger. Beim Einsatz der tschechischen Spezialeinheit Urna seien auch vier Beamte des Landeskriminalamtes und des Bundeskriminalamtes als Beobachter anwesend gewesen.

Tatort Tage vorher ausgekundschaftet

Zurück zum Tattag, kurz nach hätte sich eine Sonderkommission mit 20 Mann daran gemacht, trotz der beiden Brände im Haus und im Waldstück Spuren zu sichern. Eine Auswertung von 500 Stunden Videomaterial zeigte nicht nur, dass sich die drei Täter schon tagelang im Waldstück gegenüber aufgehalten hätten, „der heute Festgenommene ist auf dem Material eindeutig zu sehen“. Warum die Drei am Tattag mit vier Personen in den Wald geflüchtet sind wissen die Kriminalisten noch nicht, „es dürfte wohl eine Panikreaktion gewesen sein“, so Voggenberger. Im Wald wollten die Täter schließlich durch einen Brand erneut Spuren vernichten, „diese Stichflamme hat dann auch ein Wanderer-Pärchen gesehen, das die Polizei alarmieren wollte“. Einer der Täter hat sie allerdings gesehen und die Beiden daraufhin bedroht, dabei sind auch vier Schüsse abgegeben worden, „vier Hülsen haben wir gefunden“. Unmittelbar danach sind die drei Täter mit den versteckten Mountain-Bikes in Richtung Mayrwies-Hallwang geflüchtet.

Der Zugriff von heute Morgen in Prag war seit 14 Tagen vorbereitet, „die tschechische Justiz hat den Einsatz für heute, 4.30 Uhr festgelegt“, so Marcus Neher, Erster Staatsanwalt in Salzburg. Der Mann sei ein „Berufsverbrecher“, der 2005 das erste Mal wegen eines Gewaltverbrechens zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde, 2012 erneut zu acht Jahren. Zusammen mit dem europäischen Haftbefehl ist auch ein Auslieferungsantrag an Österreich verbunden, „dem kann der Beschuldigte zustimmen, dann ist er im vereinfachten Verfahren in zwei bis drei Wochen in Salzburg“, so Neher. Sollte er alle Rechtsmittel ausschöpfen könne es bis zu drei Monaten dauern. In Salzburg erwartet den Tschechen eine Anklage wegen erpresserischer Entführung, schweren Raubs und Nötigung mit einem Strafrahmen bis zu 20 Jahren Haft.

Zum Hintergrund: 

Am Feiertag ‚Maria Himmelfahrt‘ haben drei Unbekannte eine Juweliersfamilie in ihrem Privathaus am Heuberg in der Gemeinde Koppl überfallen. Die Juwelierin (35) wurde in ihr Geschäft in die Linzergasse geschickt um Schmuck zu holen, kurz nach der Abfahrt der Frau verschleppten zwei der drei Täter die verbliebenen, vier Personen mit einem Wagen in einen nahegelegenen Wald. „In diesem unwegsamen Gelände war der Pkw aber nach einiger Zeit nicht mehr fahrtauglich und blieb stecken“, so eine Polizeisprecherin. Die beiden Täter im Wagen flüchteten und ließen die vier gefesselten Opfer im Wagen zurück. Auf der Flucht bedrohten sie ein zufällig vorbeikommendes Paar und nahmen ihnen ein Handy ab. „Die Täter gaben zu diesem Zeitpunkt auch Schüsse aus der Tatwaffe ab und flüchteten zu Fuß weiter“. Die zwei Passanten entdeckten kurze Zeit später das hängengebliebene Fahrzeug und befreiten die vier Opfer. Der Ehemann alarmierte sofort die Polizei und rief auch seine Ehefrau im Geschäft an, dass zwei der drei Täter geflüchtet sind und die Familie befreit sei. Wo sich zu diesem Zeitpunkt und auch später der dritte Täter aufhielt ist noch unklar.

Im Haus der Familie entstand zusätzlich ein Feuer, das die drei Täter vermutlich bei der Flucht mit Hilfe von Brandbeschleuniger gelegt hatten, Nachbarn berichteten von kurz hörbaren Explosionen. Durch das Feuer entstand hoher Sachschaden.

Zehn Überfälle auf Nadler-Geschäfte

Der Familienbetrieb von Ilse Nadler hat in Salzburg vor allem deshalb traurige Berühmtheit erlangt weil ihre Geschäfte in der Linzergasse und der Getreidegasse bis Ende 2012 insgesamt zehn Mal überfallen wurden oder Opfer von versuchten Einbrüchen waren. Nach einem Überfall 2005 konnte der Täter, ein 39-jähriger Franzose, in Südtirol geschnappt werden, beim letzten Einbruchversuch im Dezember 2012 scheiterten die Räuber am Sicherheitsglas, das die Familie nach den Überfällen eingebaut hatte.

hud

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