Winter wird wohl eine "Nagelprobe"

Nach Corona-Lockdown: Salzburg lechzt nach deutschen Gästen

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Der weltberühmte Mirabellgarten in Salzburg.

Salzburg - Nach dem Ende des Corona-Lockdowns, dem Öffnen der Grenzen und einer zwei Millionen Euro teuren Werbeoffensive blicken Salzburgs Touristiker und mit ihnen Landeshauptmann Wilfried Haslauer verhalten optimistisch in die nächsten Tourismusmonate.

Die Hotels in den Bezirken seien sehr gut ausgelastet bis ausgebucht, mit viel Glück könne sogar das Ergebnis von 2019 erreicht werden. Einzig in den Hotels in der Stadt und im Umland herrscht mangels Veranstaltungen Großteils noch gähnende Leere. Hier hofft man auf die verkürzten Festspiele. 

Dass eine mögliche, neue Maskenpflicht in Salzburg wie bereits jetzt in Oberösterreich oder Teilen Kärntens das Buchungsverhalten in die eine oder andere Richtung beeinflussen könnte glaubt Haslauer indes nicht. „Salzburg ist kein Partyland, wenn ich höre was in Kärnten rund um die Seen derzeit los ist“.   

Eine teure Werbekampagne in Deutschland und Österreich wirkt offensichtlich, derzeit sind nach einer Umfrage unter 400 Hotels gefühlt hauptsächlich Deutsche und Österreicher in den Hotels, exakte Zahlen gibt es für den Juni noch nicht, insgesamt sei die Situation im Tourismus aber zweigeteilt: gute bis sehr gute Buchungslage in den Ferienhotels in den Gauen, eher mäßige Auslastung in den Stadthotels und den Orten rundherum. In Summe „also ganz gut“, findet der Landeshauptmann, immerhin sei Salzburg derzeit nach der Steiermark und Kärnten das drittstärkste Urlaubsland in Österreich. 

Selbst Salzburgs oberster Touristiker, Leo Bauernberger, ist überrascht, er rechnete mit einer Auslastung im Sommer von rund 50 Prozent, Stadt und Land gemeinsam habe dieses Niveau erreicht, ohne die Stadthotels laufe es sehr viel besser. Während die Welttourismusorganisation mit einem weltweiten Verlust von 1,1 Milliarden Ankünften rechnet sei man in Salzburg „geradezu in einer privilegierten Situation“. Dabei hat Salzburg nach wie vor neben dem österreichischen Gast nur deutsche Gäste im Blick, 65 Prozent der Deutschen wollen heuer trotz oder auch wegen Corona Urlaub machen, 41 Prozent davon wollen in Deutschland ihre Zelte aufschlagen. „Trotz der Pandemie sehen viele den Urlaub als wichtigen Bestandteil des Lebens, aber klar, es gibt auch Pandemieverlierer wie Kurzarbeiter oder Arbeitslose, die werden sich heuer keinen Urlaub leisten können“, so Bauernberger.

Ist Salzburg Corona-sicher?

Gesundheit und Sicherheit werden in den Hochglanzbroschüren gepriesen, tatsächlich aber haben vor allem die Hoteliers große Sorgen, wenn die Infektionszahlen wieder steigen oder es gar positiv getestete Fälle unter den Gästen oder den Mitarbeitern gibt. „Wir haben die neuen Cluster im Griff“, versichert Haslauer, „und wenn was passiert sind die Gäste schnell wieder zuhause“. Salzburg sei ein Musterknabe beim flächenmäßigen Testen des Personals, so der Landeshauptmann weiter. Tatsächlich wurden erst 400 Gastro-Mitarbeiter der Testregion Wagrain/Kleinarl freiwillig getestet, mit drei infizierten Mitarbeitern am Ende. Für das wöchentliche Testen aller Mitarbeiter in Hotels in allen Ferienregionen Österreichs will die Bundesregierung 150 Millionen Euro in die Hand nehmen, angelaufen ist das so genannte Screening aber noch nicht.

Ischgl ist im Winter überall?

Salzburgs Touristiker planen jetzt schon Herbst und Winter, und während der Herbst mit dem Almsommer unter Coronabedingungen noch einigermaßen vorstellbar ist wird klar, dass die kommende Wintersaison die eigentliche Bewährungsprobe werden wird. Kommen die Gäste nach dem Ischgl-Desaster, wird ein Anstieg der Neuinfektionen in Grenzen zu halten sein, wird es ein Après-Ski geben? Dass eine mögliche, neue Maskenpflicht wie schon jetzt in Oberösterreich oder Teilen Kärntens das Buchungsverhalten in die eine oder andere Richtung beeinflussen könnte glaubt Haslauer indes nicht, „Salzburg ist kein Partyland, wenn ich höre was in Kärnten rund um die Seen derzeit los ist“. Die Touristiker wollen auch im Winter in erster Linie Österreicher und Deutsche anlocken, dann erst in zweiter Linie Mittel- und Osteuropa, also zum Beispiel Tschechen.

hud

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