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Raub, Entführung, Brandstiftung und schwere Nötigung

Nach grausamer Heim-Invasion bei Juwelierfamilie in Salzburg - Zwei Männer vor Gericht

Die beiden angeklagten Tschechen sollen zusammen mit einem noch flüchtigen Dritten die Familie Nadler am Himmelfahrtstag 2019 überfallen haben. Ein Angeklagter gesteht die Beteiligung, der andere leugnet.
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Die beiden angeklagten Tschechen sollen zusammen mit einem noch flüchtigen Dritten die Familie Nadler am Himmelfahrtstag 2019 überfallen haben. Ein Angeklagter gesteht die Beteiligung, der andere leugnet.

Der Überfall auf die Privatvilla der Juwelierfamilie Nadler am Heuberg und die anschließende Entführung am 15. August 2019 – Maria Himmelfahrt – hatte am Montag (7. Juni) sein gerichtliches Nachspiel am Landesgericht Salzburg. DNA-Spuren führten die Ermittler zu zwei bereits mehrfach verurteilten Tschechen, die in Prag wenige Wochen nach der Tat festgenommen und nach Österreich ausgeliefert wurden.

Update, Dienstag (8. Juni) 8.30 Uhr:

Der Prozess wurde auf Mitte Juli vertagt, dann sollen doch die Entlastungszeugen aus Prag gehört werden - also unter anderem zwei Mitarbeiter einer Autoverleihfirma, die bezeugen wollen, dass der Erstangeklagte am Tattag, dem 15.09.2019, um 9 Uhr in Prag einen Leihwagen ausgefasst und einen entsprechenden Vertrag unterschrieben hat und demzufolge nicht um 10 Uhr in Salzburg gewesen sein kann.

Die Richterin zweifelte allerdings schon bei der Einvernahme des Erstangeklagten an der Glaubwürdigkeit der Zeugen, nach Ermittlungen der tschechischen Polizei seien die beiden Mitarbeiter “Vertraute” des Angeklagten - den Mietvertrag für das Auto könne der Angeklagte auch im Nachhinein unterschrieben haben.

Vorbericht:

Salzburg - Der Erstangeklagte, 43-Jährige leugnet die Tat, er sei am Tattag in Prag gewesen und habe dort um 9 Uhr ein Auto übernommen, drei Entlastungszeugen könnten dies bestätigten. Die DNA-Spuren seien nur sogenannte Wischspuren, so sein Anwalt, können also auch durch eine Übertragung zustande gekommen sein. Der Zweitangeklagte (41) gesteht die Tat, er sei von zwei Jugoslawen als dritter Mann angeheuert worden. Am späten Nachmittag wurde der Prozess auf Mitte Juli vertagt, nun will das Gericht doch die Entlastungszeugen für den Erstangeklagten von Prag nach Salzburg laden. 

Sieben Justizbeamte, zwei davon mit Maschinenpistolen, führten um 9 Uhr die beiden Tschechen in den großen Schwurgerichtssaal des Landesgerichtes, der Erstangeklagte (43) ist gelernter Maschinentechniker und hat zuletzt als Kraftfahrer gearbeitet. Die Vorsitzende Richterin bezeichnete ihn als „Rückfallstäter“, denn nur knapp vier Monate vor dem Überfall am Heuberg sei er am 29. April 2019 auf Bewährung aus der Strafhaft in Prag entlassen worden, drei Jahre hätte er noch absitzen müssen.

Die Staatsanwältin schilderte den elf Geschworenen ausführlich den Ablauf der Tat am 15. August 2019, die am Ende in eine Anklage wegen schweren Raubs, erpresserischer Entführung, Brandstiftung und schwerer Nötigung führten. So hätten sich die beiden Angeklagten zwischen Februar 2009 und Februar 2011 in der Haft kennengelernt, beide hätten wegen Raubüberfällen mehrjährige Gefängnisstrafen abgesessen. Danach hätten sie gewusst, dass sie in Tschechien keine Straftaten mehr begehen können und spähten daher Opfer im Ausland aus.

Da die Familie Nadler schon mehrmals Opfer von Überfällen in den Geschäften waren, wussten die beiden offensichtlich, dass die Familien zwei Geschäfte in Salzburg hat, in der Getreidegasse und in der Linzergasse. Beide hätten dann die Abläufe in den Geschäften, als auch die Privatvilla von Annalisa Nadler, der Tochter der Firmengründerin Ilse Nadler, akribisch beobachtet, „sie haben auch das Haus über Wochen observiert und die Gewohnheiten der Familie ausgekundschaftet“, so die Staatsanwältin. Sowohl die Tat, als auch die Flucht seien genau geplant gewesen, sie hätten Mountainbikes gekauft und sich in der Gegend als Wanderer getarnt und sogar einen Beobachtungsposten am Waldrand gegenüber der Villa aufgebaut. Der Feiertag als Tag des Überfalls hätten sie auch bewusst gewählt, weil sie wussten, dass die Alarmanlage im Geschäft einen nationalen Feiertag – Maria Himmelfahrt – nicht als Sonntag erkennt. 

Gegen 10 Uhr habe sich Annalisa Nadler, ihr Mann, die beiden Töchter (2, 4 Jahre), sowie ein kolumbianisches Au-Pair-Mädchen für einen Ausflug vorbereitet, als die drei Männer über eine offene Terrassentür in das Haus gestürmt seien und „Polizei, Polizei“ geschrien hätten. Die Opfer seien auf den Boden geworfen und gefesselt, danach sei das Haus nach Wertgegenständen durchsucht worden. Im Safe fielen ihnen unter anderem Schmuck und Uhren im Gesamtwert von rund 150.000 Euro in die Hände. 

Um Spuren im Haus zu verwischen, legten die Täter an sechs Stellen Feuer, „geholfen haben ihnen dabei mitgebrachte Brandbeschleuniger, also Benzin in Plastikflaschen und Kanistern“. Währenddessen sei einer der drei Täter mit Annalisa Nadler in das Geschäft in der Linzergasse gefahren. Um der weiteren Forderung nach weiterem Schmuck und Wertgegenständen Nachdruck zu verleihen, wurden die beiden Kinder und das Au-Pair-Mädchen, später auch der Vater der Kinder in ein Auto gezerrt, dieses blieb dann wenig später auf einer Wiese allerdings stecken. Die Täter flüchteten dann mit bereitgestellten Mountainbikes, eine Alarmfahndung blieb erfolglos.

Acht DNA-Spuren von 120 

Die Tatortarbeit in den Tagen danach ergab 120 DNA-Spuren, acht Teil-DNA-Spuren führten schließlich in der EU-weiten Datenbank auf die zwei nun angeklagten Tschechen. Neben den acht Teil-DNA-Spuren sollen beide Täter vor der Tat auch von Überwachungskameras des Gasthofes Daxlueg gegenüber des Heubergs aufgenommen worden sein, der Zweiangeklagte soll an seiner auffälligen Tätowierung am rechten Oberarm erkennbar gewesen sein. 

Der Opferanwalt der Familie Nadler, Stefan Rieder, fordert für Annalisa Nadler und ihren Mann jeweils 50.000 Euro Teilschmerzensgeld, sowie ebenfalls 50.000 Euro für das Au-Pair-Mädchen, für das Zeugen-Ehepaar jeweils 5000 Euro. Die Uniqua-Versicherung macht einen Schaden von 125.000 Euro für den gestohlenen Schmuck und 900.000 Euro für den Schaden durch den Brand im Haus geltend. 

„War nicht in Salzburg“

Der Erstangeklagte, 43-Jährige, ist in Tschechien wegen zahlreicher Kfz-Diebstähle verurteilt, einer der Wagen will er an den Zweitangeklagten verkauft haben. An der Tat sei er aber nicht beteiligt gewesen, eine Stunde vorher habe er in Prag einen Mietvertrag für ein Leihauto unterschrieben, drei Entlastungszeugen könnten dies beweisen. Sein Anwalt, Peter Hauser, versuchte das Auffinden von DNA-Spuren in Salzburg zu erklären. „Es gibt auch eine indirekte DNA Übertragung, also Spuren können durch einen zweite Person an eine Dritte übertragen werden“, man habe nur Teil-DNA-Spuren gefunden, also keine ganzen DNA-Spuren. Der Anwalt fordert einen Freispruch.

Überraschendes Geständnis vom Zweitangeklagten

Der zweitangeklagte 41-Jährige bekannte sich zu Prozessbeginn überraschend schuldig, nachdem er bisher entweder keine Aussagen gemacht oder die Tat geleugnet hat. Er habe sich von zwei Jugoslawen überreden lassen, als dritter Mann dabei zu sein und habe dafür 40.000 Euro erhalten. Er legte ein reumütiges Geständnis ab: vereinfachte Anklage der Staatsanwältin, es wurden nur DNA-Teil-Wisch-Spuren entdeckt, also keine ganze DNA, daher sagte ein Gutachter: „Der Zweitangeklagte ist als Täter nicht auszuschließen, aber eben keine hohe Wahrscheinlichkeit“. 

Erstangeklagter erklärt ausführlich seine Unschuld

Nach einer ersten Pause verlas der Erstangeklagte eine lange, vorbereitete Erklärung, die von der Dolmetscherin simultan übersetzt wurde. Die Vorsitzende Richterin wollte den Ausführungen allerdings nicht glauben, „fallen Ihnen die Parallelen der Tat zu ihren bisherigen Überfällen nicht auch auf?“ Auch in Tschechien sei bei einem Überfall ein Wachmann zu Boden geworfen und dann gefesselt worden. Der Erstangeklagte, 43-Jährige blieb dabei, er sei am Tattag um 9 Uhr in Prag gewesen und habe dort einen Leihwagen ausgefasst, daher könne er unmöglich um 10 Uhr in Salzburg gewesen sein. Auch das bezweifelt die Richterin, „der Mitarbeiter der Leihfirma ist nach Ermittlungen der tschechischen Polizei ein Bekannter von ihnen, ein Vertrauter“. Auch ein zweiter Entlastungszeuge des Autoverleihers sei kriminalpolizeilich in Prag bekannt. 

„Kenne meine Mittäter nicht“

Der Zweitangeklagte, 41-Jährige gab zu Prozessbeginn überraschend ein Geständnis ab, aber die Mittäter will er nicht kennen, man hätte sich erst kurz vor der Tat vereinbart und dann getroffen, es könnten Jugoslawen gewesen sein, „die Leute haben auch andere Sachen gemacht, einer der Mittäter sei eine Art Schuldeneintreiber gewesen“. 

„Ich wusste sofort, dass was passiert ist“, Ilse Nadler

Im Juwelierladen der Nadlers in der Linzergasse war auch Firmengründerin Ilse Nadler beteiligt, Tochter Annalisa durfte sie anrufen und um Hilfe bitten, beim Öffnen der Safes. „Mama du musst kommen mit den Schlüsseln, wir sind überfallen wollen, sie haben die Kinder und Philipp ist im Haus gefesselt“, so Annalisa beim ersten Anruf bei der Mutter. Mit brechender Stimme schilderte die Mutter vor Gericht, dass die tragischen Ereignisse bei der Familie ihrer Tochter immer wieder hochkochen würden. Das Haus am Heuberg sei eineinhalb Jahre nicht bewohnbar gewesen, „nur was die Kinder anhatten, wurde gerettet, alles andere im Haus war kaputt“. 

Tochter erkennt Gesichter und Stimmen nicht

Nach der Mutter wurde auch die Tochter, Annalisa Nadler, einvernommen, die drei maskierten Täter beschrieb sie als „einen Kleineren, einen Dicken und einen Großen“. Sie hätten ein paar Brocken Deutsch gesprochen, dann hätten sie sich nur mehr auf Englisch mit den Opfern unterhalten, untereinander in einer slawischen Sprache. Ein Täter hätte im Haus laut gerufen, die Stimme könne sie vielleicht wieder erkennen, doch im Gerichtssaal konnte sie die Stimmen der beiden Angeklagten nicht einordnen und identifizieren, auch die Gesichter der beiden erkannte sie nicht, einen der Täter hatte sie kurz ohne Maske gesehen. Während Mutter und Tochter relativ gefasst das Geschehene berichteten, brach der Ehemann der Tochter immer wieder in Tränen aus. 

Die Verhandlung dauert zur Stunde an, mit einem Urteil der Geschworenen wird in den späten Abendstunden gerechnet.  

hud

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