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Tausende Tonnen Gestein donnern ins Tal

Tiroler Kogel gibt keine Ruhe: Wieder großer Felssturz im Salzburger Tennengebirge

Geologe Gerald Valentin vom landesgeologischen Dienst mit der Hubschrauber Crew des BMI Harald Strimitzer (Pilot) und Hans Leiner (Flight Operator).
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Geologe Gerald Valentin vom landesgeologischen Dienst mit der Hubschrauber Crew des BMI Harald Strimitzer (Pilot) und Hans Leiner (Flight Operator).

Das Tennengebirge bröckelt, was man in den vergangenen Monaten besonders unterhalb des Tiroler Kogels oberhalb von Werfen sehen kann. Erst vor kurzem filmten Einheimische, wie zirka 8.000 Tonnen Gestein im freien Fall ins Tal donnerten und dort zerbröselten. Gerald Valentin vom landesgeologischen Dienst überraschte das nicht, er beobachtet die Wand mit Argusaugen.

Die Mitteilung im Wortlaut:

Pfarrwerfen/Salzburg - „Es ist eine neuralgische Stelle auf zirka 2.200 Metern Seehöhe, wo bereits Anfang Oktober 2020 zirka 5.000 Kubikmeter aus der Wand herausgebrochen sind. Jetzt waren es beinahe wieder so viel, also insgesamt mehr als 20.000 Tonnen. Und: Dort oben lauert noch weitaus mehr, wir beobachten daher die Lage genau. Eine akute Gefährdung besteht nicht“, so Valentin.

Felswand bröckelt

„Hier sieht man es deutlich, der Fels ist ganz anders gefärbt, eine enorme Abbruchstelle. Das Wasser hat hier jahrzehntelang gearbeitet, bis der Brocken herausgebrochen ist“, beschreibt Geologe Gerald Valentin, als er im Hubschrauber des Innenministeriums auf zirka 2.200 Meter Seehöhe vor der mächtigen Westwand im Tennengebirge unterhalb des Tiroler Kogels „schwebt“. Diese Stelle ist keine unbekannte, sie ist seit Oktober 2020 unter Beobachtung. „Damals sind zirka 5.000 Kubikmeter aus der Wand gebrochen, jetzt dürften es noch einmal so viel sein. Das sind insgesamt mehr als 20.000 Tonnen Gestein. Sie stürzen hier im freien Fall 500 Meter in die Tiefe, treffen auf Fels, wodurch der Dachsteinkalk pulverisiert wird“, beschreibt Valentin.

Gerald Valentin vom landesgeologischen Dienst begutachtet die Abbruchstelle im Tennengebirge. Er vermutet, dass es noch mehr Felsstürze geben wird und hält die Situation im Auge.

Derzeit keine akute Gefahr

Unterhalb der Abbruchstelle befinden sich die Schottergruben Sulzau, eine unmittelbare Gefährdung von Gebäuden oder gar Menschen zum Beispiel auf Wanderwegen bestand laut dem Geologen nicht. „Aber es lauert hier noch ein Brocken mit 8.000 Tonnen Gewicht, ungefähr so groß wie fünf Einfamilienhäuser, die Spalten sind bereits deutlich zu sehen und massiv. Das müssen wir genau beobachten und gegebenenfalls Bereiche sperren“, erklärt der Profi.

Die Abbruchfläche unterhalb des Tiroler Kogels hoch über Werfen. Wasser ist hier eingedrungen und hat die Felswand instabil gemacht.

Der Experte hebt regelmäßig ab

Dass solche neuralgischen und potentiellen Gefahrenstellen rasch unter die Lupe genommen werden, dafür sorgen unter anderem Pilot Harald Strimitzer und Flight Operator Hans Leitner. Mit ihrer jahrelangen Erfahrung schaffen sie es, mit dem Hubschrauber des Innenministeriums den Geologen schnell auch an schwierige Stellen zu bringen. „Man muss teils über die Abbruchstelle fliegen oder zumindest nahe heran, um die gesamte Lage beurteilen zu können. Da ist die Zusammenarbeit mit dem Innenministerium eine enorme Hilfe“, so Valentin und er fügt hinzu: „Ich hatte dadurch in diesen Tagen auch die Gelegenheit, einen anderen Abbruch im Tennengebirge für ein wissenschaftliches Projekt und einen nahe des Riemannhauses an der Südflanke des Steinernen Meeres zu besichtigen und zu dokumentieren.“

Um die Lage ganz genau beurteilen zu können, bringt die Crew des BMI den Geologen ganz nahe an die Felswand. Veränderungen sieht der Experte des Landes sofort.

Valentin: „Draußen sein gehört zum Beruf.“

„Ein Geologe muss raus“, lacht Gerald Valentin, „denn nur so ist er am Ort des Geschehens.“ Befliegungen von instabilen Felsformationen sind dafür eine Möglichkeit, eine weitere sind Messpunkte, wie es sie zum Beispiel auf der Bischofsmütze und im Gasteinertal gibt. „Der Unterschied ist, dass wir sie vor Ort im Fels entweder selber vermessen müssen wie bei der Bischofsmütze. Oder wir haben den Berg sozusagen ‚verkabelt‘ und die Daten sowie Veränderungen werden von uns quasi vom Schreibtisch aus beobachtet.“ Beides ist möglich, doch die erste Variante führt Gerald Valentin regelmäßig in Salzburgs traumhafte Bergwelt, die hoffentlich nur sehr selten ihr hässliches, bröckelndes Gesicht zeigt.

Pressemitteilung Land Salzburg/mel/sm

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