Angeklagter: „Ich bin kein Mörder“

Messerstich auf Pernerinsel – Österreicher zu sieben Jahren verurteilt

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Vor einem Geschworenengericht musste sich der 21-jährige Österreicher mit Migrationshintergrund wegen Mordversuchs verantworten.

Salzburg - Zu sieben Jahren Haft ohne Bewährung verurteile am Mittwochnachmittag ein Geschworenengericht einen 21- jährigen Österreicher mit kosovarischen Wurzeln, der im Februar letzten Jahres auf der Pernerinsel in Hallein versucht haben soll, einen ebenfalls 21- jährigen Somalier mit einem Messerstich zu töten. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Angeklagte gab im Verfahren den Messerstich zwar zu, „aber ich wollte mich nur wehren, weil er mich angegriffen hatte“. Der Staatsanwalt sah  einen Kampf um das Drogenrevier, der Angeklagte habe die Somalier als Konkurrenten ausschalten wollen. „Mein Bruder hat ihnen gezeigt wer die Straße hat“, gemeint war, wer auf dem Areal Drogen verkaufen darf. Das soll der Bruder des Angeklagten am nächsten Tag Unbeteiligten gegenüber eingeräumt haben.

Passiert ist der Messerstich in der Mittagszeit des 27. Februar vergangenen Jahres, der 21- jährige Österreicher und sein Bruder sind auf der Pernerinsel auf eine Gruppe von Somalier gestoßen, nach einem erst verbalen Streit prügelten sich zuerst der Angeklagte und der Somalier, später soll der Österreicher ein Klappmesser gezogen und den Somalier einmal in die rechte Schulter gestochen haben. Der Angeklagte gab im Prozess den Stich zu, aber der Somalier hätte zuerst das Messer gezückt, im Laufe des Kampfes sei das Messer zu Boden gefallen, er habe es als erster in die Hand bekommen und den Kontrahenten in Panik in die linke Schulter stechen wollen um sich zu wehren, eigentlich sei der Streit schon vorbei gewesen. „Ich wollte ihn nur verletzen und nicht mit voller Wucht treffen, aber das Messer ist einfach durchgegangen wie bei einer Butter“.

Der Staatsanwalt erkannte hingegen eine Mordabsicht, „der Angeklagte hielt es für möglich, dass das Opfer stirbt“. Tatsächlich habe der Somalier den Österreicher aus dessen Zeit in Tirol gekannt, dort soll er Somalier „abgezogen“ haben, also Geld für Drogen genommen aber nicht geliefert haben. Der Bruder des Angeklagten hat Tage nach der Tat unbeteiligten Jugendlichen gegenüber das Motiv des Angeklagten für den Mordversuch geliefert, „die Somalier meinen sie können hier ein Business aufziehen“. Dass das Messer bisher nicht gefunden wurde spiele bei der Verurteilung keine Rolle, der Angeklagte habe es vermutlich in die Salzach geworfen.

Österreicher hatte Somalier „abgezogen“

Auch der Verteidiger des Angeklagten wiederholte, dass für seinen Mandanten der Streit mit dem Somalier schon vorbei gewesen sei, als das spätere Opfer wieder auf seinen Mandanten losging und dabei ein Messer gezogen habe. „Die Gewalt ging also vom Opfer aus, er hatte das Messer dabei“. Der Österreicher sei dann in den Besitz des Messers gekommen, „aber mein Mandant hatte keinerlei Mordabsicht, sonst hätte er wohl in die Brust oder den Halsbereich gestochen“. 

Wegen einer absichtlich schweren Körperverletzung werde sein Mandant sich verantworten, vom Vorwurf des versuchten Mordes sei er allerdings freizusprechen, so der Anwalt des Angeklagten zu den Geschworenen. Der Österreicher selbst meinte abschließend, von ihm aus könne jeder „Business machen“ wo und wie er wolle, „wenn es stimmt was der Staatsanwalt sagt, dann müsste es viele Tote geben, denn jeder macht hier Business, Österreicher, Afghanen, Somalier, Tschetschenen“.

Die Geschworenen haben die Mordabsicht mit 7:1 Stimmen gesehen, zusammen mit den Berufsrichtern haben sie die Haftstrafe auf sieben Jahre festgesetzt. Das ist knapp unterhalb der Hälfte des Strafrahmens von bis zu 15 Jahren. Außerdem wurde dem Opfer ein Teilschmerzensgeld von 5 000 Euro zuerkannt.

hud

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