Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Schmerzpatient soll Apotheke überfallen haben

Schwerer Raub oder Diebstahl? Mann (38) aus dem Kreis Traunstein in Salzburg vor Gericht

Der 38-Jährige beteuerte von Anfang an, dass keine Waffe im Spiel gewesen sei, ein Schöffengericht glaubte ihm am Ende.
+
Der 38-Jährige beteuerte von Anfang an, dass keine Waffe im Spiel gewesen sei, ein Schöffengericht glaubte ihm am Ende.

Ein 38-Jähriger aus dem Landkreis Traunstein stand wegen Diebstahls in Salzburg vor Gericht. Er klaute wegen großer Schmerzen Fentanyl-Pflaster. Der Apotheker sagte dazu aus, dass er ihn auch mit einer Waffe bedroht habe. Vor dem Gericht widersprechen sich die Aussagen.

Salzburg/Landkreis Traunstein - Ein 38-jähriger Deutscher, geboren in Trostberg, wurde am Dienstag vom Vorwurf des schweren Raubes freigesprochen. Die Anklage hatte ihm vorgeworfen, am 23. Januar 2021 in der Apotheke im Forum am Hauptbahnhof, Fentanyl-Pflaster gestohlen und bei der Flucht einen Apotheker mit einer Waffe bedroht zu haben. Auf den Aufnahmen einer Videokamera sieht man das nicht, der Apotheker blieb aber auch vor einem Schöffengericht dabei, dass er eine Waffe gesehen hätte. „Da hat ihm seine  Erinnerung wohl einen Streich gespielt“, so die Vorsitzende Richterin in der Urteilsbegründung. Verurteilt wurde der 38-Jährige schließlich wegen einfachen Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten, die er aber bereits in U-Haft abgesessen hat. 

Der 38-Jährige wohnte zuletzt in einer kleineren Gemeinde im Landkreis Traunstein. In Deutschland ist er unter anderem wegen Fahrens ohne Führerschein verurteilt, in Österreich hat er eine Vorstrafe, weil er Cannabis angebaut hatte. Sein Anwalt erklärte, dass sich sein Mandant geständig zeigen werde, mit Ausnahme der Waffe, „die Polizei hat ihn nicht erwischt, sondern er hat sich von Deutschland aus vier Tage später bei der Polizei in Salzburg gemeldet und um einen Termin zur Einvernahme gebeten“. Dabei habe er von Anfang an gesagt, dass keine Waffe im Spiel gewesen sei. Hintergrund für den Bedarf am starken Schmerzmittel sei ein Verkehrsunfall 2004, danach habe er 23 Operationen gehabt, bleibende, dauerhafte Schmerzen wegen eines schiefen Beckens wurden mit verschreibungspflichtigen Fentanyl-Pflastern behandelt. Am 23. Januar habe er keine Pflaster mehr gehabt aber starke Schmerzen, daraufhin sei er in das Krankenhaus Oberndorf gefahren, weil er dort auch einmal behandelt worden sei, in Deutschland sei er nicht krankenversichert und hätte daher dort keine Medikamente bekommen. 

Am Video keine Waffe zu sehen

Die Aufzeichnung einer Videokamera zeigt das Geschehen von der Forum 1-Mall aus, in der Apotheke selbst gibt es zwar weitere Kameras, aber die waren zum Zeitpunkt der Tat nicht in Betrieb. Man sieht den Angeklagten am Tresen mit einer Verkäuferin sprechen, er lässt sich eine Fentanyl-Packung zeigen, nimmt diese dann an sich und verlässt „seelenruhig“ die Apotheke durch eine Seitentür in Richtung Karl-Wurmb-Straße. Vier Tage nach der Tat habe er „ein extrem schlechtes Gewissen“ gehabt und sich daher von selbst bei der Polizei Salzburg gemeldet, Einvernahmen in Salzburg seien aber zweimal an der Grenze gescheitert, da er wegen der Corona-Einreisebestimmungen nicht ins Land durfte.

In dieser Apotheke im Forum 1 am Hauptbahnhof hat der 38-Jährige Schmerzmittel im Wert von 60 Euro gestohlen, ein angeklagter Raub war nicht zweifelsfrei nachweisbar. 

Zeugen-Aussagen wackelig

Die Verkäuferin, keine ausgebildete Apothekerin, gab an, dass sie keine Waffe gesehen hätte, „aber der Apotheker ist ihm nach und hat den Angeklagten am Kragen gepackt“. Erst nach nochmaliger Durchsicht des Videos räumte sie ein, dass sie sich wohl geirrt hätte, es war kein Kontakt des Angeklagten mit dem Apotheker zu sein.  Ausschließlich vom ebenfalls anwesenden Apotheker stammt die Aussage, dass er eine Waffe gesehen und er damit bedroht worden wäre, auch das ist in der Videoaufzeichnung nicht zu sehen. Man erkennt den Angeklagten vielmehr ruhig aus dem Geschäft gehen und mit einem Abstand von zwei bis drei Meter den Apotheker, der einen „Holzgriff und den Lauf einer Waffe aus der Jackentasche drohend herausragend“ gesehen haben will.

Allerdings hat sich der Apotheker auch bei der Täterbeschreibung unmittelbar nach dem Vorfall gravierend geirrt, er beschrieb den Täter als mit einer blau-weißen Jacke bekleidet, tatsächlich hatte der Angeklagte eine durchgehend knallrote Jacke an. Dass der Angeklagte zu ihm beim vermeintlichen Aufhalten „Das ist keine gute Idee“ gesagt haben soll, fiel dem Apotheker auch erst nach der Aussage bei der Polizei  ein, „meine Frau Mama, eine ehemalige erste Staatsanwältin, hat mir geraten noch einmal nachzudenken und alles was mir einfällt aufzuschreiben“. Die Vorsitzende Richterin fragte noch einmal nach, „jetzt haben Sie sich schon bei der Kleidung vertan, vielleicht haben Sie sich auch bei der Waffe geirrt?“. Der Apotheker blieb bei seiner Darstellung.

„Eine Waffe erfindet man nicht“, Staatsanwältin

Im Schlussplädoyer räumte zwar auch die Staatsanwältin ein, dass man „den spannendsten Teil auf dem Video nicht gesehen hat“, trotzdem würde sie den Aussagen des Apothekers weiter glauben, „eine Waffe erfindet man nicht“, auch wenn die anderen Aussagen zum Teil widersprüchlich gewesen seien. Der Anwalt verwies auf das reumütige Geständnis, „wenn sich mein Mandant nicht selbst gestellt hätte, hätte man ihn nie gefunden“, er habe den Schaden gutgemacht und sich bei den Zeugen entschuldigt. 

Fentanyl ist ein synthetisches Opioid, das als Schmerzmittel in der Anästhesie sowie zur Therapie akuter und chronischer Schmerzen eingesetzt wird. 

hud

Kommentare