Tragödie in Salzburg: Rentner (90) fährt Vierjährige tot

"Frau wollte Mädchen noch wegziehen, hat es aber nicht mehr geschafft"

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Pastoralassistentin Szidonia Lörincz hat den Unfall gesehen, dann aber ihre Ministranten und andere Kinder vom Ort des Geschehens weggebracht.
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Salzburg - Das vierjährige Mädchen, das am Sonntagmittag, 25. August, vor der Kirche im Stadtteil Gneis von einem Wagen überfahren wurde, ist ein Flüchtlingskind als dem syrischen Aleppo.

Das sagte am Montag der Pfarrer Peter Zeiner. Er sei heute zusammen mit dem Taufpaten des Mädchens in der Pathologie gewesen und habe ihr noch den Segen gespendet. "Sie hat mir ein letztes Lächeln geschenkt und ich habe ihr gesagt, dass Gott sie jetzt braucht". Die Bestürzung in der Pfarrei ist groß, alle Beteiligten kennen sich von den gemeinsamen Gottesdiensten. Unterdessen ist eine Diskussion entbrannt, ob 90-Jährige noch Autofahren dürfen.   

Wie berichtet, war ein 90-jähriger Autofahrer am Sonntag gegen 11.30 Uhr ungebremst in eine Gruppe von Gläubigen gefahren, die sich nach dem Gottesdienst in Gneis vor der Kirche versammelt hatten. Der 90-Jährige stand auf der Seite des Kirchenvorplatzes, um seine Frau abzuholen. Als diese eingestiegen war fuhr er los, quer über den Platz zur einzig möglichen Ausfahrt. Plötzlich soll der Wagen beschleunigt haben und ungebremst in die Gruppe gefahren sein. "Das kleine Mädchen stand etwas abseits der Eltern zwischen dem Eingang und dem Gehsteig, hinter ihr eine weitere  Frau“, schildert Pastoralassistentin als Augenzeugin das Geschehen. „Dann hat der Wagen auch schon das Mädchen erfasst und ist über sie gefahren, die Frau dahinter wollte das Mädchen noch wegziehen, hat es aber nicht mehr geschafft“. 

Alle auf dem Platz hätten zuschauen müssen, „ich bin dann mit den Ministranten und anderen Kindern weggegangen, damit sie das nicht weiter sehen müssen“. Notarzt und Hubschrauber waren zwar schnell vor Ort, das vierjährige Mädchen erlag aber später in der Uniklinik seinen schweren Verletzungen. Die 45-jährige Frau wurde ebenfalls schwer verletzt und war am Sonntag noch auf der Intensivstation, „sie hat schwere Kopfverletzungen und liegt nun auf der Überwachungsstation“, so eine Kliniksprecherin am Montag, sie werde noch heute auf eine Normalstation verlegt, „sie ist auf dem Weg der Besserung“.

Automatikgetriebe defekt?

Noch am Sonntag meldete sich der Sohn des Unfalllenkers bei den Salzburger Nachrichten und verteidigte seinen Vater, das Auto sei „aus heiterem Himmel losgezogen“, es habe schon früher Probleme mit dem Automatikantrieb gegeben, einzelne Bauteile seien deshalb bereits ausgetauscht werden. Am Montag wollte der Sohn diese Aussage öffentlich nicht wiederholen, auch der Anwalt des Unfalllenkers will derzeit keine Stellungnahme abgeben. Das Auto ist sichergestellt und wird nun im Auftrag der Staatsanwaltschaft von einem Sachverständigen überprüft.

Pfarrer Peter Zeiner und Pastoralassistentin Szidonia Lörincz.

Die Betroffenheit in der Kirchengemeinde ist groß, für Pfarrer Peter Zeiner war es am Sonntag der Abschiedsgottesdienst, er verabschiedet sich in den Ruhestand. Auch er kann das Geschehene nicht verstehen, „geschimpft habe ich schon mit ihm“, so Zeiner auf die Frage, ob man als Christ nicht an seinem Glauben und Gott zweifelt, wenn so ein tragisches Unglück vor einer Kirche, nach einem Gottesdienst passiert. 

Die Familie des Opfers sei aus dem syrischen Aleppo erst vor zwei Jahren nach Gneis gekommen, der Vater arbeitet, das 4-jährige Mädchen sollte in diesem Herbst in den Kindergarten kommen, der dreijährige Junge wurde in Gneis getauft. „Die Familie mit christlichem Glauben hat sofort Kontakt zur Pfarrei aufgenommen, ich war auch zweimal schon zum Essen eingeladen“. 

Der Pfarrer selbst hat den Unfall nicht gesehen, „ich war noch in der Sakristei und habe nur einen lauten Knall gehört“. Die betroffenen Familien, also vom Unfalllenker und den beiden Unfallopfern, würden nun alle betreut, „heute Vormittag war ich noch auf Wunsch des Vaters mit dem Taufpaten des Mädchens in der Pathologie und habe dem Mädchen den Segen gegeben. Sie hat mir ein letztes Lächeln geschenkt“.

Sollen 90-Jährige noch Autofahren?

Immer bei Unfällen mit betagten Fahrern beginnt eine Diskussion um die Frage, wie lange ein Führerschein gelten soll und ob es verpflichteten Gesundheitstest wie zum Beispiel in der Schweiz geben soll. ÖAMTC- Verkehrsjuristin Christina Holzer-Weiß ist gegen eine Begrenzung und gegen Tests, „es gibt Studien die zeigen, dass die Zahl der Verkehrsunfälle mit Fahrern über 65 Jahre in der Schweiz nicht viel niedriger ist  als in Österreich und in Deutschland ohne Tests“. 

Länder wie Dänemark oder Neuseeland hätten die verpflichtenden Tests bereits wieder abgeschafft weil sie keinen Sicherheitsgewinn gebracht hätten. Wichtig sei vor allem das Umfeld von älteren Autofahrern, wenn hier eine Veränderung bemerkt werde sollte die Familie auf eine Untersuchung oder eben auf ein Ende des aktiven Fahrens hinwirken. Eine langsamere Reaktionsfähigkeit oder schlechteres Sehen würde ältere Autofahrer oft mit ihrer Erfahrung und besonnenerem Fahren wett machen.

hud

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