Zehn Jahre Haft für Spielplatz-Mord

DNA-Spuren und Fitness-App reichten den Geschworenen

Der Prozess zum Spielplatzmord endete mit 10 Jahren Haft für den Angeklagten
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Der Prozess zum Spielplatzmord endete mit 10 Jahren Haft für den Angeklagten

Salzburg/Zell am See - Mit einem Schuldspruch und einem Urteil zu zehn Jahren Haft ist der Prozess um den mysteriösen Tod eines 19-jährigen Afghanen im September 2019 in Zell am See-Schüttdorf am Donnerstag zu Ende gegangen.

Sechs der acht Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass der 20-jährige, angeklagte Afghane seinen besten Freund und Landsmann in der Nacht auf den 22. September 2019 erwürgt hat. Aufgefunden wurde das Oper am Morgen auf einem als Drogenumschlagplatz bekannten Spielplatz in Zell am See-Schüttdorf. Das Urteil istnicht rechtskräftig.

Zehn Jahre Haft für Spielplatz-Mord: DNA-Spuren und Fitness-App überführen Täter

Zu zehn Jahren Haft verurteilte ein Geschworenengericht den 20-jährigen Afghanen, das Urteil ist nicht rechtskräftig. © Michael Hudelist
Zu zehn Jahren Haft verurteilte ein Geschworenengericht den 20-jährigen Afghanen, das Urteil ist nicht rechtskräftig. © Michael Hudelist
Auf diesem Spielplatz in der Nähe der Asylunterkunft wurde das Opfer gefunden, der Platz ist als Drogenumschlagplatz bekannt, Ermittlungen in die Drogenszene stellte die Polizei aber nicht an. © Michael Hudelist
Auf diesem Spielplatz in der Nähe der Asylunterkunft wurde das Opfer gefunden, der Platz ist als Drogenumschlagplatz bekannt, Ermittlungen in die Drogenszene stellte die Polizei aber nicht an. © Michael Hudelist
Auf diesem Spielplatz in der Nähe der Asylunterkunft wurde das Opfer gefunden, der Platz ist als Drogenumschlagplatz bekannt, Ermittlungen in die Drogenszene stellte die Polizei aber nicht an. © Michael Hudelist

FOTOS

Der Angeklagte folgte dem dreitägigen Geschworenenprozess ruhig und resigniert wirkend, er beteuerte aber sowohl bei den polizeilichen Einvernahmen, als auch vor Gericht seine Unschuld. Er habe sich zwar um Mitternacht nach seiner Arbeit bei Mc Donald‘s mit seinem besten Freund und späteren Opfer getroffen, danach hätten sie an einigen Plätzen am Zeller See mit Freunden noch Alkohol getrunken. Zur Asylunterkunft seien Beide am frühen Morgen noch gemeinsam marschiert, dann sei das spätere Opfer allerdings noch alleine zu einem Spielplatz in unmittelbarer Nähe der Asylunterkunft gegangen um sich dort Drogen zu beschaffen. Der Angeklagte sagte, er sei stattdessen in das Zimmer des späteren Opfers gegangen und sei dort eingeschlafen.

Schritt-Zähler als Beweis?

Eine Fitness-App am Handy des Angeklagten zeigte allerdings genaue Wegstrecken bis zum wahrscheinlichen Mord am Spielplatz, diese Zeiten deckten sich mit dem rekonstruierten Tatgeschehen. Ob das Handy zu diesem Zeitpunkt tatsächlich vom Angeklagten benutzt wurde blieb unklar, Kollegen des Angeklagten sagten aus, dass sich das spätere Opfer am Tag vor der Tat mehrmals das Handy des Angeklagten auslieh, um bei der Familie in Afghanistan anzurufen. Überhaupt fiel auf, dass der Angeklagte, selbst Asylberechtigt, mit seinem Job und seinem Verdienst auch das Leben seines besten Freundes und späteren Opfers finanzierte, ihm immer wieder Kleidung und auch ein Handy kaufte. Als Beweis für die Mordanklage legten Sachverständige auch DNA-Spuren des Angeklagten an der Opferkleidung vor, allerdings wurden an einem Kleidungsstück auch zwei weitere DNA-Spuren gefunden, die niemandem zugeordnet werden konnten. Am Kragen des T-Shirts wurden im Kragenbereich allerdings nur zwei DNA-Spuren festgestellt, die vom späteren Opfer und die vom Angeklagten.

Polizei ging von Selbstmord aus 


Die Polizei war nach dem Fund der Leiche erst von einem Selbstmord ausgegangen, weil das Opfer erst einen Tag vor dem Tod seinen zweiten, negativen Asylbescheid erhalten hatte. Erst eine Obduktion eine Woche später zeigte die Würgemale am Hals des Opfers. Der Angeklagte ist seit dem Herbst 2015 in Österreich und genießt subsidiären Schutz, seit eineinhalb Jahren arbeitete er als Küchenhilfe bei Mc Donald’s in Schüttdorf, bei einem Jugendhilfegespräch im Gefängnis soll er von 12.000 Euro privaten Schulden erzählt haben, vor Gericht wollte der junge, zierlich wirkende Afghane Fragen zur Art der Schulden nicht beantworten, nachdem er aber im weiteren Verlauf zugab, zusammen mit dem Opfer immer wieder Drogen konsumiert zu haben ist davon auszugehen, dass es sich um Schulden im Zuge von Drogenkäufen handelt. Für den Verteidiger stand bei Prozessbeginn fest, dass die Staatsanwaltschaft keine Beweise sondern nur Indizien vorlegen könne, „wir wissen nicht wie es gewesen ist und wir werden es nie erfahren“.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig, der Pflichtverteidiger hat im Namen des Anwalts um eine 3-tägige Bedenkzeit gebeten, die Staatsanwältin wollte keine Erklärung abgeben. Der Angeklagte selbst, der außer bei einer Einvernahme den Prozess ruhig und fast abwesend verfolgte, verabschiedete sich von den drei Berufsrichtern sogar mit einem leisen „Dankeschön“.

hud

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