Es hagelt Kritik

Umstrittenes Sex-Gesetz tritt in Schweden in Kraft

Schweden - Die spinnen, die Schweden. Am Sonntag trat in Schweden ein sehr umstrittenes Gesetz in Kraft: Das sogenannte Einverständnis-Gesetz. Beide Partner müssen nun ausdrücklich und erkennbar, ob verbal oder nonverbal, mit dem folgenden Geschlechtsverkehr einverstanden sein.

Es folgt dem Grundsatz, dass Sex freiwillig sein muss. Beide Partner müssen ihm erkennbar - verbal oder nonverbal - zustimmen. Alles andere wird als Vergewaltigung gewertet, auch wenn sich der Partner nicht körperlich wehrt oder Nein sagt. Passivität soll also nicht länger als stilles Einverständnis interpretiert werden können.

App soll Abhilfe schaffen

Doch wie das Einverständnis gegeben und im Zweifel auch vor Gericht nachgewiesen werden kann, ist hoch umstritten. Reichen beispielsweise Küsse aus als Zeichen der Zustimmung? Um ganz sicher zu sein, höhnten manche, müsse man eigentlich einen Vertrag unterschreiben.

Die „Libra“-App macht diesen ursprünglich satirischen Vorschlag zur Realität. „Sie soll zum Nachdenken anregen“, erläuterte Vaziri im schwedischen Fernsehen. „Man soll sich vergewissern, dass es ein Einverständnis gibt, danach fragen. Denn das ist genau das, was das neue Gesetz fordert.“

Das Gesetz war im Mai mit Unterstützung der Regierungskoalition aus Sozialdemokraten und Grünen verabschiedet worden. Richterin Anna Hannell, die an der Ausarbeitung beteiligt war, erläuterte, es bestehe „absolut keine Erfordernis, formell ‘ja‘ zu sagen, einen Knopf in einer App zu drücken oder irgendetwas anderes dieser Art“. „Sich einfach körperlich zu beteiligen, ist ein Zeichen der Zustimmung“, sagte die Juristin der schwedischen Nachrichtenagentur TT, schreibt korn.at.

Kommt das Gesetz auch nach Deutschland?

In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sprach sich zu Jahresbeginn fast jeder zweite Befragte dafür aus, ein ähnliches Gesetz auch in Deutschland einzuführen. Dabei steigt nach Einschätzung einer Mehrheit allerdings auch die Gefahr, zu Unrecht einer Vergewaltigung beschuldigt zu werden. Und auch die Stimmung im Schlafzimmer sehen viele gefährdet. Mehr als die Hälfte der Befragten fürchtete, Sex werde dadurch ziemlich unromantisch zu einer formellen Angelegenheit.

mz/dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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