Empörung um Video aus Sterzing

Prügeln hier Krampusse  brutal auf Passanten und Migranten ein?

Sterzing - In den sozialen Medien sorgt dieser Tage ein Handyvideo des Krampuslauf in Sterzing für Aufruhr. Es zeigt, wie "Tuifl" auf mehrere Menschen mit Stöcken und Ruten einschlagen. Auf einen am Boden liegenden Mann wird sogar eingetreten. 

Es ist eine über 100 Jahre alte Tradition: Am 5. Dezember ziehen gruselige Krampusse, die Vorboten des Nikolaus, durch die Sterzinger Straßen. Mit ihren aufwendig verzierten Masken und Ruten lehren Sie vielen Kindern und Passanten das Fürchten. 

Teil dieses Brauchtums ist auch das sogenannte "Tuifl tratzen". Dabei versuchen junge Männer die Krampusse zu provozieren und vor ihnen davonzurennen. Werden die "Tratzer" erwischt, werden diese mit der Rute bestraft. 

Dies war auch am vergangenen Donnerstag in Sterzing der Fall. Allerdings nach Ansicht vieler Menschen in einem unverhältnismäßigen Rahmen. Denn ein Video, welches von einem Zuschauer aufgenommen und ins Netz gestellt wurde, sorgt für ordentlich Zündstoff. 

Video schlägt hohe Wellen

Zu sehen sind mehrere Personen, die schreiend vor den Verkleideten die Flucht ergreifen. Einige Krampusse schlagen mit aller Kraft auf die Betroffenen mit Ruten und mit deren hartem Stiehl ein. Auf einen jungen Mann, der am Boden liegt, wird sogar eingetreten. (Das Facebook-Video finden Sie hier)

Viele Medien wurden auf dieses Video aufmerksam und sollen Unwahrheiten verbreitet haben. So war von einer gezielten Hetzjagd der Krampusse auf Migranten, die in Sterzing stattgefunden haben soll, die Rede. Die italienische Zeitung "Corriere della Sera" hatte laut südtirolnews.it berichtet, dass den Szenen eine Auseinandersetzung mit Immigranten vorausgegangen war. Sie sollen versucht haben, einem Krampus die Maske zu entreißen.

Dies verneinten nun sowohl der Verein Sterzinger "Tuifl", welcher den Lauf ausrichtete, als auch der betroffene Mann, der von den Krampussen getreten worden war.

Die örtliche Polizei schloss gegenüber dem Nachrichtenportal „stol.it“ einen rassistischen Hintergrund ebenfalls aus.

Verein Sterzinger "Tuifl" stellt Situation klar

Auf Facebook stellte der Verein die Sachlage klar: "Die Personen, welche auf dem am 5.12.2019 um 13 Uhr aufgenommen Video gezeigt und von den "Tuifln" des Sterzinger Nikolaustages mit ihren Ruten bestraft werden, sind ausschließlich einheimische männliche Jugendliche, die sich für dieses Spektakel mit entsprechender Kleidung und Polsterung ausgestattet haben."

Außenstehende seien nie mit den Ruten konfrontiert worden. "Die Sterzinger "Tuifl" verwahren sich gegen jede Form der publizierten Anschuldigungen", heißt es weiter. Allerdings seien die Fußtritte nicht akzeptabel und stünden auch in keiner Verbindung mit Tradition. Deshalb soll ein solches Verhalten auch intern - "bis hin zum eventuellen Ausschluss vom Verein" - sanktioniert werden.

Betroffene Mann: "Teufeltag ist der beste im Jahr"

Auch der betroffene junge Mann meldete sich via Facebook zu Wort und bestätigt, dass alles nur Spaß gewesen und das Video "überhaupt nicht schlimm" sei. "Der Teufeltag ist der absolut beste Tag im Jahr für ganz viele Sterzinger. Für Außenstehende mag das vielleicht brutal sein was da im Video zu sehen ist, aber für uns ist das ganz normal... 

"Und noch kurz zu den Rassistischen Anschuldigungen: ich bin gebürtiger Sterzinger und kenne alle die im Video zu sehen sind, sei es Teufel als auch Tratzer. Keiner von denen ist ein Migrant", schließt der junge Mann seinen Post ab. 

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