Schreckenstat in Stockholm

41-Jähriger von Mutter jahrzehntelang eingesperrt - Jetzt spricht seine Schwester

Polizei vor Haus in Schweden
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Ein Polizeiauto steht vor einem Mehrfamilienhaus in Haninge, südlich von Stockholm, in der eine Frau verdächtigt wird, ihren Sohn eingesperrt zu haben. 

Stockholm - In Schweden steht eine 70-jährige Frau unter Verdacht, ihren Sohn jahrzehntelang isoliert und eingesperrt zu haben. Zwischen Müll und Urin fand eine Verwandte der Familie den völlig verwirrten 41-jährigen Mann. Seit seinem 13ten Lebensjahr soll das Opfer von der Außenwelt abgeschnitten gewesen sein.

Update, 2. Dezember, 16.35 Uhr - 41-Jähriger von Mutter jahrzehntelang eingesperrt - Jetzt spricht seine Schwester

Dieser Fall erschüttert Schweden: Ein nun 41-Jähriger wurde offenbar von seiner Mutter jahrzehntelang gefangen gehalten. Der Mann wurde von einer Verwandten in einem erbarmungswürdigen Zustand in einer Wohnung aufgefunden. Sein Körper war übersät mit eitrigen Wunden, trotz seines Alters ist der Mann so gut wie zahnlos.

Nun melden sich laut „bild.de“ seine Schwester, sowie frühere Klassenkameraden zu Wort. Laut der ehemaligen Schulkameraden sei der Mann als Kind „speziell“ gewesen. Auch sei er von seiner Mutter zur Schule gebracht worden, was viele als „merkwürdig“ empfunden hätten. Eine ehemalige Klassenkameradin spricht zudem offen davon, dass man ihn gemobbt habe.

Seine Schwester erzählt wiederum der Zeitung „Expressen“, dass sie und ihr Bruder von ihrer Mutter als Kinder stark behütet worden seien. „Der älteste Sohn war an Krebs gestorben, als ich eineinhalb Jahre alt war. Als mein kleiner Bruder dann zur Welt kam, gab sie ihm den selben Namen. Sie sagte immer zu uns, dass ihr verstorbenes Kind zurückgekehrt sei.“ Der 41-Jährige glaubte in Folge offenbar tatsächlich, er sei der verstorbene Bruder. Er sei mehr und mehr ängstlich geworden, hätte sich zusehends hinter der Mutter versteckt. Irgendwann habe er auch komplett aufgehört, zur Schule zu gehen.

Die Schwester richtet auch Vorwürfe an die Behörden, sie hätte diese informiert, doch niemand wäre eingeschritten. Sie selbst zog mit 17 von zuhause aus. Am Wochenende fand sie ihren Bruder schließlich - zuvor hatte sie ihn 20 Jahre nicht mehr gesehen. Der Mann habe sie aber sofort erkannt, und ihren Namen geflüstert.

Erstmeldung: „Es war wie im Horrorfilm“

„Es war wie in einem Horrorfilm“, erklärte die Verwandte der Familie gegenüber der Zeitung „Expressen“. Kurz zuvor hatte sie den Mann in einer völlig verwahrlosten Wohnung gefunden. „Überall lag Müll. Es stank nach Abfall und Urin. Es war dunkel und still. Dann hörte ich was in der Küche. Dort saß in der Dunkelheit ein Mann auf einer Decke am Boden. Ich konnte ihn dank der Straßenlaterne erkennen. Als er mich sah, stand er langsam auf und flüsterte meinen Namen. Nach all den Jahren hat er mich sofort wieder erkannt“, erzählte die Frau.

Polizei nimmt Mutter (70) fest

Die Polizei wollte Einzelheiten zu dem Fall nicht kommentieren, bestätigte aber am Dienstag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass die in der Wohnung gemeldete Frau festgenommen worden sei. Die Verwandte sagte gegenüber „Expressen“, sie habe schon lange den Verdacht gehabt, dass die Frau ihren Sohn eingesperrt habe. Immer wieder habe sie an der Wohnungstür der beiden geklingelt und versucht mit der Mutter zu sprechen - ohne Erfolg.

Am vergangenen Sonntagabend sollte es anders sein. Als die mittlerweile verhaftete Mutter offenbar selbst in der Notaufnahme zur Behandlung war, nutze die Verwandte die Chance und wagte einen Blick in die unverschlossene Wohnung. Dort fand sie den hilflosen Mann.

Sohn (41) kann kaum sprechen und wurde operiert

Der 41-jährige Sohn der verhafteten Mutter soll kaum sprechen können. Er wurde aufgrund zahlreicher eitriger Wunden in ein Krankenhaus gebracht und operiert. Des Weiteren soll er fast keine Zähne mehr haben. Laut Staatsanwaltschaft befindet sich der Mann weiterhin im Krankenhaus in Behandlung.

Ein Polizist geht auf den Eingang eines Mehrfamilienhauses in Haninge südlich von Stockholm zu, in der eine Frau verdächtigt wird, ihren Sohn eingesperrt zu haben. Die 70-jährige Frau soll ihren Sohn jahrzehntelang isoliert haben.

Der Mann soll seit der 7. Klasse das Haus so gut wie nie mehr verlassen haben. Damals sei es zu einem traumatischen Erlebnis gekommen, das die Mutter dazu brachte, ihn in der Wohnung zu isolieren. Die Polizei ermittelt wegen Freiheitsberaubung und schwerer Körperverletzung gegen die 70-jährige Frau. Diese bestreite derzeit die Vorwürfe noch.

dpa/mz

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