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#UseTheNews

Studie: Jugendlichen fehlt bei Nachrichten Alltagsbezug

Studie zu Nachrichtennutzung
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Peter Kropsch (2.v.l), Geschäftsführer der Deutschen Presse-Agentur (dpa), spricht an der Seite von Uwe Hasebrink (l, im Livestream), Direktor am Leibniz-Institut für Medienforschung, bei der Vorstellung der Studie zur Nachrichtenkompetenz Jugendlicher und junger Erwachsener.

Eine neue Studie zeigt auf, wie unterschiedlich Jugendliche journalistische Angebote nutzen. Viele sehen keinen direkten Bezug zu ihrem Alltag. Was die Studienmacher Medienschaffenden empfehlen.

Hamburg (dpa) - Vielen Jugendlichen in Deutschland geht einer Studie zufolge das Nachrichtenangebot an ihrer eigenen Lebenswelt vorbei.

„Die Hälfte der Jugendlichen hält es nicht für wichtig, sich über Neuigkeiten und aktuelle Ereignisse zu informieren. Bei journalistischen Nachrichten fehlt ihnen oft der Bezug zu ihrem persönlichen Alltag“, heißt es in der am Mittwoch vorgestellten Studie als ein Kernergebnis zur Nachrichtenkompetenz Jugendlicher und junger Erwachsener in der digitalen Medienwelt.

Die Studie mit repräsentativer Befragung ist Teil des Projekts #UseTheNews. Das bundesweite Projekt ist von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und der Hamburger Behörde für Kultur und Medien initiiert und koordiniert, zahlreiche Partnerinstitutionen unter anderem aus Medien und Wissenschaft beteiligen sich. Das Leibniz-Institut für Medienforschung erstellte die Studie.

Weitere Kernergebnisse, die die Autoren auflisten: Journalistische Angebote sind demnach nur noch eine von vielen genutzten Informationsquellen. 46 Prozent der 14- bis 17-Jährigen widmen sich mehrmals pro Woche journalistischen Angeboten, 58 Prozent schauen auch auf nicht-journalistische Akteure.

Die Studie beschreibt auch, dass für junge Leute der wichtigste Grund, sich auf dem Laufenden zu halten, ist, sich an Gesprächen und Diskussionen im Freundes- und Familienkreis beteiligen zu können. „Auffällig ist zudem, dass die Jugendlichen, die das Gefühl haben, politisch etwas bewirken zu können, deutlich mehr Interesse an Informationen über das aktuelle Geschehen äußern.“

Der Medienforscher und Studienleiter Uwe Hasebrink vom Leibniz-Institut betont, dass es innerhalb derselben Altersgruppe sehr unterschiedliche Typen bei der Nachrichtenorientierung gebe. Die Studie listet jeweils vier Teilgruppen innerhalb der Altersgruppen 14 bis 17 Jahre, 18 bis 24 Jahre sowie 40 bis 50 Jahre auf und schlüsselt die Ergebnisse auf. „Der Anteil derjenigen, die als journalistisch-informationsorientiert zu bezeichnen sind, steigt kontinuierlich an.“ Er steige mit dem Alter an, aber auch innerhalb der Altersgruppen mit der Bildung. „Es gibt starke Bildungseffekte in diesem Zusammenhang.“

Studienautor Sascha Hölig teilte zur Studie unter anderem dies mit: „Insgesamt stellen wir fest, dass vielen Jugendlichen bei journalistischen Nachrichten der Bezug zu ihrem eigenen Alltag fehlt. Auch das Wissen über Funktionen und Arbeitsweisen des Journalismus ist begrenzt, und dass dieser sich dadurch von anderen Informationslieferanten unterscheidet.“

Hölig schlussfolgerte: „An beiden Stellen sollten sowohl Bildungsinitiativen als auch Nachrichtenanbieter ansetzen. In der Medienbildung sollten Aufgaben und Funktionen des Journalismus in einer Demokratie verständlicher gemacht werden und was die von ihm erbrachten Leistungen mit dem eigenen Leben zu tun haben.“ Für den Journalismus werde es wichtig sein, sich von anderen Akteuren abzugrenzen und einen tatsächlichen Mehrwert zu liefern. „Dazu gehören solides Handwerk und die Lieferung von relevanten und zuverlässigen Informationen.“

Hasebrink betonte bei der Vorstellung der Studie auch, dass Journalismus zwar in den Sozialen Medien präsent, aber dort als solcher erkennbar sein müsse. Er sollte Strategien der zahlreichen nicht-journalistischen Akteure in den Sozialen Medien nicht vorschnell übernehmen.

Aus dem Kuratorium von #UseTheNews gaben Mitglieder Einschätzungen. So sagte etwa die Aufsichtsratsvorsitzende der Funke Mediengruppe, Julia Becker: „Gerade weil Jugendliche die sozialen Medien so intensiv nutzen, braucht es solide recherchierten, verlässlichen Journalismus, der auf Fakten und Vielstimmigkeit setzt, nicht auf eine Agenda, die Algorithmen oder Influencer festgelegt haben.“ Mehr denn je leisteten Verlage diese demokratiebewahrende Arbeit. „Wir müssen bei aller Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit jedoch auch die Wellenlänge junger Menschen treffen - etwa durch digitale Formate wie Podcasts, Videos oder Online-Beiträge direkt aus der Lebenswelt dieser Generation.“

Der Senator für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg, Carsten Brosda, betonte: „Ziel professioneller Redaktionen muss es sein, den Wert guter journalistischer Arbeit gerade auch für das Leben junger Menschen deutlich zu machen. Zugleich muss die Vermittlung von Nachrichtenkompetenz und der Rolle des Journalismus für die demokratische Öffentlichkeit besser gelingen.“ ZDF-Chefredakteur Peter Frey verwies hierauf: „Besonders wichtig ist, dass wir eine noch bessere Übersetzungsleistung erbringen und erklären, welche konkreten Auswirkungen Nachrichten aus Politik und Wirtschaft auf den Alltag von jungen Menschen haben.“

Der Vorsitzende der dpa-Geschäftsführung, Peter Kropsch, betonte: „Die Ergebnisse der Studie zeigen eindringlich, dass die Medienbranche stärker auf junge Menschen zugehen muss. Anbieter journalistischer Nachrichtenformate stehen vor der Herausforderung, sich ihre Relevanz immer wieder neu zu erkämpfen.“ Nur ein Journalismus, der für das Leben der jungen Generation einen echten und spürbaren Wert hat, könne seine gesellschaftliche Aufgabe langfristig erfüllen.

© dpa-infocom, dpa:210428-99-387851/3

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