Südafrika: Zumas "Sexsucht" wird zum nationalen Problem

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Südafrikas Präsident Jacob Zuma mit seinen drei Frauen.

Kapstadt - Südafrikas Präsident Jacob Zuma gerät wegen seines Liebeslebens zunehmend in politische Bedrängnis.

“Der Mann, der sich selbst gerne als großen Einiger stilisiert, hat es tatsächlich geschafft, die Südafrikaner zu einen, nämlich gegen ihn“, beschrieb die Wochenzeitung “Mail & Guardian“ treffend die Stimmung im Land. Tatsächlich haben die jüngsten Enthüllungen über Zumas außereheliche Affäre selbst unter seinen Anhängern Kopfschütteln und Empörung ausgelöst.

Auch regierungsfreundliche Blätter wie die “Daily Sun“ schrieben über die “Scheinheiligkeit“ des Präsidenten, der die Südafrikaner auffordere, seinen Worten und nicht seinen Taten zu folgen. Die Zeitung “Soweton“ titelte schlicht und drastisch: “Schande der Nation“. Zuma erweise sich zunehmend als “schwach, unentschlossen und bloßgestellt“, schrieb die Kapstädter “Sunday Times“. In seiner Partei, dem Afrikanischen National-Kongress (ANC), wachse die Sorge, dass “Zumas sexuelle Eskapaden der Partei den Sieg kosten könnten“ - allerdings stehen die nächsten Wahlen erst 2014 an.

Für Zuma ist die jüngste Affäre aus mehreren Gründen besonders peinlich. Zum einen, weil er nun als “Wiederholungstäter“ da steht. Schließlich hatte er schon einmal hoch und heilig versprochen, sich zu zügeln: “Ich habe einen Fehler gemacht, als ich ungeschützten Sex hatte. Ich hätte vorsichtiger und verantwortungsbewusster handeln müssen ... Dafür entschuldige ich mich uneingeschränkt“, hatte er schon 2006 beteuert.

Damals war er in einem Vergewaltigungsprozess zwar freigesprochen worden; es hatte sich aber gezeigt, dass Zuma mit einer Frau Sex hatte, von der er wusste, dass sie HIV-infiziert war. Jetzt steht er innerhalb des ANC als Wortbrecher da. Als es 2007 um Zumas Kandidatur für das Präsidentenamt ging, hatte ihn laut der “Cape Times“ eine Delegation von ANC-Ältesten ausdrücklich nach seinem bekanntermaßen sehr lebendigen Privatleben befragt. Zuma habe versichert, er werde im Wahlkampf und einmal im höchsten Amt die Partei nicht beschämen.

“Wir wissen nicht, wie wir mit dem Appetit dieses Mannes nach Sex umgehen sollen“, klagte nun ein namentlich nicht genannter ANC-Funktionär der Zeitung “Cape Argus“. Und schließlich hat sich der Präsident mit der 39-jährigen Somono Khoza eine Geliebte mit einem mächtigen Vater ausgesucht, der bisher auch als enger Freund Zumas galt. Irvin Khoza, einer der reichsten Männer Südafrikas, wird der “eiserne Fürst“ und “Pate“ genannt, er besitzt den Fußballclub “Orlando Pirates“ und ist Chef des Organisationskomitees für die Fußball-WM. Mit diesem von vielen gefürchteten Mann sei “nicht gut Kirschen essen“, kommentierte die Kolumnistin Charlotte Bauer. Zuma hat inzwischen Verhandlungen mit der Familie Khoza über die Bezahlung eines “Inhlawulo“ aufgenommen, den bei Zulus üblichem “Schadenersatz“ bei außerehelich geborenen Kindern.

Der Chef der oppositionellen “Afrikanischen Christlichen Demokratischen Partei“ (ACDP), Pfarrer Kenneth Meshoe, rief den “sexsüchtigen“ Präsidenten inzwischen zu einer Kur auf, wie sie sich jüngst auch US-Golfer Tiger Woods unterzogen habe: “Mit einem Staatschef, der übers ganze Land verteilt Kinder hat, sind wir doch die Lachnummer der Welt“, meinte Meshoe.

Zuma trifft die ganze Affäre zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Am Donnerstag feiert das ganze Land den 20. Jahrestag der Freilassung Nelson Mandelas aus dem Gefängnis, die endgültig das Ende des rassistischen Apartheid-Systems einläutete. Am Abend wird Zuma seine “Rede zur Lage der Nation“ in Südafrikas Parlament in Kapstadt halten. Er hat seine Ansprache gezielt auf den Abend legen lassen, damit sie mehr Südafrikaner live im Fernsehen verfolgen können.

Da Südafrika eine der höchsten HIV-Raten der Welt hat, knapp zehn Prozent der Bevölkerung tragen den Aids-Virus in sich, wird Zuma auch dieses Thema ansprechen müssen. Unbestrittener Konsens ist, dass nur “sicherer Sex“ die weitere Ausbreitung des Virus bremsen kann. Nun tritt der erste Mann im Staate an, eine Botschaft zu verkünden, an die er sich selbst ganz offensichtlich und zum wiederholten Mal nicht gehalten hat.

Anfang März wird Zuma dann seinen ersten Staatsbesuch in Großbritannien absolvieren. In London hat Königin Elizabeth II. zum Staatsempfang eingeladen. Südafrikas Präsident wird politisch und moralisch schwer angeschlagen in den Buckingham Palast gehen.

dpa

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