Erdbeben: Noch über 100 Menschen eingeschlossen

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Christchurch - Ein Erdbeben hat Tod und Verwüstung über die neuseeländische Stadt Christchurch gebracht. Bis in die Nacht drangen aus den Trümmern die Schreie von Eingeschlossenen. Über 100 Menschen werden noch vermisst.

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Schüler in eingestürztem Gebäude eingeschlossen

Ein verheerendes Erdbeben hat in Neuseeland am mindestens 65 Menschenleben gefordert. Die Regierung rechnete mit weiteren Opfern. Die Innenstadt von Christchurch auf der Südinsel wurde teilweise zerstört. Dutzende Gebäude stürzten ein. Die Trümmer begruben zahlreiche Menschen unter sich. Auch der Turm der mehr als 100 Jahre alten Kathedrale hielt den Naturgewalten nicht stand. Die Rettungsarbeiten liefen bei Regen und unter Flutlicht die Nacht hindurch auf Hochtouren. Das Beben der Stärke 6,3 hatte die zweitgrößte neuseeländische Stadt mit etwa 390 000 Einwohnern um 12.51 Uhr Ortszeit erschüttert. In den Büros und Geschäften herrschte Hochbetrieb. Es stürzten auch Gebäude ein, die nach neuesten Standards für Erdbebensicherheit gebaut worden waren, wie der stellvertretende Regierungschef Bill English sagte. Herabstürzende Trümmer trafen zwei Stadtbusse. Überall lagen eingestürzte Mauern und umgeknickte Betonpfeiler in den Straßen.

Die Stadt erlebte mehr als 30 teils heftige Nachbeben. Mehr als 2000 Einwohner trauten sich nicht in ihre Häuser zurück und gingen in Notunterkünfte. Die Einwohner sprachen von Chaos und Panik. Tausende rannten schreiend ins Freie. Eingeschlossene riefen aus den Trümmern um Hilfe. Blutüberströmte Menschen liefen orientierungslos herum. Die aus Bochum-Wattenscheid stammende Häusermaklerin Sabine Cook war im Auto unterwegs, als das Beben passierte. “Es war unbeschreiblich! Als wenn ein Riese das Auto packt. Man verliert völlig die Gewalt“, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Sie sah weitreichende Zerstörung. “Kamine sind auf die Straßen gestürzt. Schaufensterscheiben waren kaputt und das Glas lag auf der Straße, Mauern waren eingestürzt und Zäune platt“, sagte sie. “Die Zerstörung ist unbeschreiblich.“ Helfer waren mit Baggern und Kränen im Einsatz, um Eingeschlossenen zu helfen. Nach einer ersten Bilanz von Bürgermeister Bob Parker konnten 120 Menschen gerettet werden. Mehr als 100 wurden gegen Mitternacht (Ortszeit) aber noch in den Trümmern vermutet.

Bilder aus der Unglücksregion

Erdbeben in Neuseeland: Dutzende Tote

“Es könnte die dunkelste Stunde Neuseelands sein“, warnte Regierungschef John Key. Die Behörden konnten keine Angaben über ausländische Opfer machen. Es sei leider zu erwarten, dass Touristen und ausländische Studenten betroffen seien, sagte English. “Die Menschen sitzen auf der Straße und halten die Köpfe in den Händen“, sagte Key. “Dies ist ein Land in tiefem Schmerz.“ Im Forsyth Barr-Gebäude saß Gary Moore zusammen mit etwa 20 Kollegen in der 12. Etage fest. “Beide Treppenhäuser sind eingestürzt, wir schauen in einen tiefen Abgrund“, erzählte er per Telefon im Fernsehen. “Wir können auch nicht auf das Dach kommen.“ Er wurde später gerettet.

Auch im TV-Gebäude saßen am Abend noch 50 Menschen fest. Zunächst konnten nur sechs gerettet werden, berichtete das neuseeländische Fernsehen. In der Innenstadt von Christchurch brach an mehreren Stellen Feuer aus. Zahlreiche Straßen waren überflutet, weil Rohre geborsten waren. Nach Angaben von Augenzeugen hatte sich der Boden teilweise um bis zu einem Meter gehoben. Die Rettungsdienste hatten nicht genügend Krankenwagen. Lieferwagen waren im Einsatz, um Verletzte zu transportieren. Sanitäter öffneten Krankenstationen zur Notversorgung am Straßenrand. Rund 80 Prozent der Stadt waren zeitweise ohne Strom. Auch die Wasserversorgung brach zusammen. “Wenn es regnet, bitte Wasser in Eimern sammeln“, riet das Amt für Zivilverteidigung. Es handelt sich um eines der folgenschwersten Erdbeben in Neuseelands Geschichte.

1931 kamen bei einem 7,9-Beben in der Hawke-Bucht 256 Menschen ums Leben. Die Folgen waren so verheerend, weil das Beben sich nur fünf Kilometer unter der Erdoberfläche ereignete und das Epizentrum nur zehn Kilometer vom Stadtzentrum entfernt lag. Christchurch war erst im vergangenen September von einem 7,1-Beben erschüttert worden. Damals war das Epizentrum aber 30 Kilometer entfernt, und der Erdstoß passierte am frühen Morgen, als nur wenig Menschen in der Stadt unterwegs waren. Nur ein Mensch starb an einem Herzanfall. Die Wiederaufbaukosten wurden auf vier Milliarden neuseeländische Dollar (2,2 Milliarden Euro) geschätzt.

dpa

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