Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Darunter drei Polizisten

Sechs Angeklagte nach Massenpanik mit 131 Toten in indonesischem Fußballstadion

Indonesien
+
Fußballfans stürmen das Spielfeld im Kanjuruhan-Stadion nach dem Spiel zwischen Arema FC und Persebaya FC.

Malang/Indonesien – Eine kaum vorstellbare Tragödie ereignete sich nach einem Fußball-Spiel in Indonesien: Bei Ausschreitungen und einem Platzsturm kam es zu einer Massenpanik im Stadion. Über 100 Menschen starben. Nun sind bereits mehrere Menschen von der Justiz der fahrlässigen Tötung beschuldigt worden.

Update, Freitag (7. Oktober), 8.30 Uhr

Nach der Massenpanik in einem indonesischen Fußballstadion mit 131 Toten sind sechs Menschen von der Justiz der fahrlässigen Tötung beschuldigt worden. Es handele sich um drei Polizeibeamte und drei für die Sicherheit des Spiels Verantwortliche, darunter den Leiter des Organisationskomitees des Klubs Arema FC, wie der indonesische Polizeichef Sigit Prabowo am Donnerstag mitteilte. 

Zwei der beschuldigten Polizisten hätten die Anweisung gegeben, in dem Stadion von Malang im Osten der Insel Java Tränengas einzusetzen, sagte der Polizeichef. Der dritte Polizist habe von den Sicherheitsvorschriften des Weltfußballverbands Fifa gewusst, die den Einsatz von Tränengas am Spielfeldrand verbieten, diesen Einsatz jedoch nicht verhindert. Den Beschuldigten drohen Haftstrafen von bis zu fünf Jahren.

Zu der Massenpanik war es gekommen, als Anhänger des örtlichen Vereins nach einer Niederlage gegen den Erzrivalen Persebaya Surabaya auf das Spielfeld gestürmt waren. Als die Polizei Tränengas einsetzte, brach die allgemeine Panik aus. Überlebenden zufolge gingen die Beamten auch mit Schlagstöcken und Fußtritten gegen Fans vor. 

Nach Behördenangaben waren zudem 4000 Tickets mehr verkauft worden als zulässig. Auch sollen einige Ausgänge des Stadions Zeugen zufolge verschlossen gewesen sein. Während sich manche Zuschauer über Zäune kletternd in Sicherheit bringen konnten, wurden Schwächere an deren Fuß zu Tode gequetscht.

Sonntag (2. Oktober):

Update, 17.22 Uhr - Anteilnahme aus der ganzen Welt

Die schrecklichen Bilder von einer der schwersten Stadion-Katastrophen der Geschichte erschüttern die Fußball-Welt. Mindestens 125 Menschen kamen in Indonesien bei Ausschreitungen von Zuschauern, einem Tränengas-Einsatz der Polizei und einer anschließenden Massenpanik nach einem Erstliga-Spiel ums Leben. Auch Gianni Infantino zeigte sich schockiert. Es sei „eine Tragödie jenseits aller Vorstellungskraft“ und markiere einen „dunklen Tag“ in der Geschichte des Fußballs, sagte der Präsident des Weltverbands FIFA. „Die Fußball-Welt ist nach den tragischen Vorfällen in einem Schockzustand“.

Auch UEFA-Präsident Aleksander Čeferin brachte „im Namen des europäischen Fußballs unseren tiefen Schock und unsere Trauer“ zum Ausdruck. Allen Betroffenen versicherte er „Mitgefühl und Solidarität“. Papst Franziskus äußerte sich ebenfalls tief erschüttert. „Ich bete auch für diejenigen, die bei den Zusammenstößen nach einem Fußballspiel in Malang, Indonesien, ihr Leben verloren haben und verletzt wurden“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche nach dem Angelus-Gebet vor Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom.

„Ich bin unsagbar traurig über die Vorfälle. Die Verarbeitung wird sicherlich lange brauchen“, sagte Trainer Thomas Doll, der seit April beim indonesischem Erstligisten Persija Jakarta angestellt ist, der „Bild“. „Ich habe schon die ersten Gespräche mit meinen Spielern dahingehend geführt. Sie alle sind verständlicherweise sehr betroffen. Das hat nichts mehr mit Fußball zu tun. Das alles macht schon sehr, sehr nachdenklich.“ Nachdem er und sein Team im Mannschaftshotel von der Nachricht erfahren hatten, „wurden wir aus Sicherheitsgründen in gepanzerten Polizeiwagen zu unserem in 40 Kilometer abgestellten Team-Bus gefahren und sind unter Polizeischutz nach Jakarta zurückgekehrt“, berichtete der frühere Nationalspieler.

Einer der schwersten Katastrophen der Fußball-Geschichte

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International setzt sich derweil für eine Untersuchung des Tränengaseinsatzes durch die Polizei ein. Es müsse sichergestellt werden, „dass eine derartige herzzerreißende Tragödie nie wieder passiert“, sagte Usman Hamid von Amnesty International in einer Mitteilung. Tränengas solle niemals auf begrenztem Raum eingesetzt werden.

Die Massenpanik ist eine der schwersten Katastrophen der Fußball-Geschichte. 1964 starben bei einem Spiel zwischen Peru und Argentinien in Lima mehr als 300 Menschen. Bei der Katastrophe von Hillsborough 1989 wurden 96 Fans des FC Liverpool getötet und mehr als 700 verletzt.

Update, 16.23 Uhr - Polizei korrigiert Zahl der Toten auf 125

Die Polizei hat die Zahl der Toten bei der Massenpanik im Anschluss an ein Fußballspiel in der indonesischen Provinz Ost-Java von 174 auf 125 Menschen gesenkt. Die ursprünglich höhere Zahl sei dadurch entstanden, dass einige Leichen mehr als einmal gezählt worden seien, erklärte der nationale Polizeichef Listyo Sigit Prabowo am Sonntag. Basierend auf der Überprüfung durch die polizeiliche Einheit zur Identifizierung von Katastrophenopfern und das Gesundheitsamt liege die offizielle Zahl der Todesopfer vorerst bei 125, sagte Prabowo.

Update, 9.35 Uhr - Zahl der Toten auf 174 gestiegen

Die Zahl der Toten bei einer Massenpanik nach dem Fußballspiel in der indonesischen Provinz Ost-Java ist auf 174 gestiegen. Das teilte Emir Dardak, Vizegouverneur der Region, am Sonntag (2. Oktober, Ortszeit) bei Kompas TV mit. Die Polizei habe Tränengas eingesetzt, um randalierende Fans zu zerstreuen, sagte der Polizeichef der Provinz, Nico Afinta, zuvor bei einer improvisierten Pressekonferenz. 34 Menschen seien auf dem Spielfeld des Kanjuruhan-Stadions ums Leben gekommen, alle weiteren in Krankenhäusern, sagte Afinta laut dem Radiosender Elshinta und dem Sender tvOne weiter. Zur Ursache für die Ausschreitungen machte er zunächst keine Angaben.

Zu den Ausschreitungen war es nach dem Erstliga-Spiel zwischen Arema FC und Persebaya FC gekommen. Im Anschluss an die 2:3-Niederlage von Arema hatten in Malang Tausende Zuschauer den Platz gestürmt. Auf Fotos, die auf der Seite von tvOne veröffentlicht wurden, ist unter anderem ein völlig zerstörtes Auto im Stadion zu sehen. Weitere Bilder zeigen den Platzsturm sowie Rauchschwaden auf dem Platz und den Tribünen.

Der indonesische Präsident Joko Widodo forderte in einer Ansprache eine „gründliche Untersuchung“. Zudem ordnete er nach eigenen Angaben an, dass der Spielbetrieb in der ersten Liga bis zu einer Auswertung der Untersuchungen und Verbesserungen durch den indonesischen Verband PSSI gestoppt werde. Widodo sprach den Opfern sein Beileid aus. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International setzt sich für eine Untersuchung des Tränengaseinsatzes durch die Polizei ein. Es müsse sichergestellt werden, „dass eine derartige herzzerreißende Tragödie nie wieder passiert“, sagte Usman Hamid von Amnesty International in einer Mitteilung. Tränengas solle niemals auf begrenztem Raum eingesetzt werden.

Erstmeldung, Sonntag (2. Oktober), 7.15 Uhr:

Um die randalierenden Fans zu zerstreuen, habe die Polizei Tränengas eingesetzt, erklärte Generalinspektor Nico Afinta am Sonntag (2. Oktober; Ortszeit) bei einer improvisierten Pressekonferenz.

Wie der Radiosender „Elshinta“ und der Sender „tvOne“ berichten, sagte Afinta, dass bereits 34 Menschen auf dem Spielfeld des Kanjuruhan-Stadions gestorben seien und die Weiteren wiederum in Krankenhäusern. Zur Ursache für die Tragödie konnte er aber zunächst keine Angaben machen.

Ausschreitungen nach Derby-Spiel

Zu den Ausschreitungen war es nach einem Derby im Erstliga-Spiel zwischen Arema FC und Persebaya FC gekommen. Im Anschluss an die 2:3-Niederlage in Malang hatten Tausende Zuschauer wie aus dem Nichts den Platz gestürmt.

Auf Fotos, die auf der Seite von „tvOne“ veröffentlicht wurden, kann man unter anderem ein völlig zerstörtes Auto im Stadion sehen. Bei den Ausschreitungen wurden 13 Fahrzeuge beschädigt, darunter zehn der Polizei. Weitere Bilder wiederum zeigen den Platzsturm sowie Rauchschaden auf dem Platz und auch auf den Tribünen.

Auch Kinder und Polizisten kamen ums Leben

„Bei diesem Vorfall sind 127 Menschen gestorben, von denen zwei Mitglieder der Nationalpolizei sind“, wird Polizeihauptinspektor Afinta zitiert. Die meisten Menschen sollen laut Afinta an Sauerstoffmangel gestorben sein. Weitere Videos, die im Internet veröffentlicht wurden, zeigten, dass die Gänge eines nahe gelegenen Krankenhauses mit Leichen übersät waren.

Örtlichen Berichten zufolge hatten die medizinischen Einrichtungen Mühe, die Zahl der verletzten Fans zu bewältigen, sodass die Zahl der Todesopfer im Laufe der Nacht anstieg. Aktuell befinden sich Afintas Aussagen zufolge noch rund 180 weitere Menschen in umliegenden Kliniken. Unter den 127 Menschen, die ums Leben kamen, sollen sich auch Kinder befunden haben.

Entschädigungen angeboten: Klub nimmt Schuld auf sich

Die Fußball-Clubs Arema und Persebaya sprachen den Opfern und ihren Familien ihr Beileid aus. „Arema FC spricht tiefes Beileid für die Katastrophe in Kanjuruhan aus. Das Management von Arema FC ist auch für den Umgang mit den Opfern verantwortlich, sowohl für die Toten als auch für die Verletzten“, sagte Vereinschef Abdul Haris.

Der Club werde ein Krisenzentrum und eine Opferinformationsstelle einrichten. „Bei den Familien der Opfer entschuldigt sich das Management von Arema FC zutiefst und ist bereit, eine Entschädigung zu leisten. Das Management ist bereit, Vorschläge für den Umgang mit der Katastrophe anzunehmen, damit viele gerettet werden“, erklärte Haris. 

Arema darf keine Heimspiele mehr austragen

Der indonesische Fußball-Verband (PSSI) setzte den Spielbetrieb in der ersten Liga für eine Woche aus. Arema wurde die Austragung von Heimspielen für den Rest der Saison untersagt. Zudem habe der Verband ein Untersuchungsteam eingesetzt, das noch am Sonntag (2. Oktober) seine Arbeit aufnehmen sollte.

„PSSI bedauert die Aktionen der Aremania-Anhänger im Kanjuruhan-Stadion. Es tut uns leid und wir entschuldigen uns bei den Familien der Opfer und bei allen Beteiligten für den Vorfall“, sagte der Verbandsvorsitzende Mochamad Iriawan. Man werde die Polizei bei der Aufklärung unterstützen.

mck/dpa/afp

Kommentare