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Ungewollt, aber bitter nötig

Nach zwölf Ehefrauen und 102 Kindern: Mann (67) aus Uganda denkt jetzt erst an Verhütung

Musa Hasahya (letzte Reihe, rechts) auf seinem Hof mit seiner Familie, welche aus rund 100 Kindern und zwölf Ehefrauen besteht.
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Musa Hasahya (letzte Reihe, rechts) auf seinem Hof mit seiner Familie, welche aus rund 100 Kindern und zwölf Ehefrauen besteht.

Musa Hasahya (67) hat zwölf Ehefrauen und gilt als Vater von mehr als 100 Kindern. Damit soll aber nun Schluss sein. Doch woher kommt der Sinneswandel?

Uganda – Viel Platz gibt es auf dem Bauernhof von Musa Hasahya in Uganda, den er auch bitter nötig hat. Der ehemalige Viehzüchter ist nämlich Vater von 102 Kindern, wovon ein Drittel noch bei ihm zu Hause wohnt. Hinzu kommen 578 Enkelkinder. Und das, obwohl er erst 67 Jahre alt ist. Er hat jetzt allerdings nicht mehr zwölf, sondern nur noch zehn Frauen. Sein jüngstes Kind ist sechs Jahre alt, sein ältestes 51 – rund 20 Jahre älter als seine jüngste Frau.

Die Geschichte Hasahyas scheint skurril zu sein. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass er tief in der Klemme steckt. Er ist seit Jahren nicht mehr in der Lage, seine Familie zu ernähren. Viele seiner Kinder sind krank und tragen Lumpen. Hasahya kann sich weder das Geld für einen Arzt, noch für die Schulgebühren leisten.

Früher wohlhabend und „eine Frau nach der anderen geheiratet“

Doch das war nicht immer so. Einst hatte er eine ertragreiche Viehzucht und war sehr wohlhabend. Im Gespräch mit der „Deutsche Presse-Agentur“ verriet er, dass er damals „eine Frau nach der anderen geheiratet“ habe. Das alles ist aber Schnee von gestern: „Mein Einkommen wurde durch die steigenden Lebenshaltungskosten über die Jahre immer geringer und meine Familie immer größer“, so Hasahya. Aufgrund von Diabetes und Bluthochdruck kann er nicht mehr arbeiten. Zwei Frauen hatten die immer mehr werdende Armut satt und haben schon längst das Weite gesucht.

Nicht nur Hasahya: Afrika wird in kommenden Jahren explodieren

Hasahya ist zwar nur ein extremes Beispiel für den Kontinent Afrika, wo aber die Bevölkerung mehr als auf jedem anderen Erdteil in den kommenden Jahren explodieren wird. Die zehn Länder mit der höchsten Fertilitätsrate liegen alle in Afrika. Die Spitze belegt das Land Niger in Westafrika, obwohl die Geburtenrate in den vergangenen zehn Jahren bereits von 7,5 Kindern pro Frau auf 6,7 gesunken ist.

Kein Vergleich zu Deutschland

Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Rate dem Statistischen Bundesamt zufolge gerade einmal bei 1,58 Kindern pro Frau. Tansania vermeldete unlängst einen neuen Bevölkerungsrekord. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Einwohner um zehn Millionen gestiegen. Nach Angaben des Berlin Instituts für Bevölkerung und Entwicklung dürfte sich die Zahl der in Afrika lebenden Menschen bis 2050 auf 2,5 Milliarden verdoppeln. Obwohl auch in Afrika die Geburtenrate seit den 1980er-Jahren im Schnitt sinkt, bleibt sie im Vergleich zu anderen Weltregionen mit Abstand am höchsten.

Migration nach Europa wird zunehmen

Deswegen gibt es viele Initiativen auf dem Kontinent, um das Wachstum zu begrenzen. Denn die ohnehin knappen Lebensmittelressourcen in Afrika geraten mit der zunehmenden Bevölkerungszahl weiter unter Druck. Auch global hat das Wachstum Auswirkungen: Afrika wird schon jetzt besonders stark von den Folgen des Klimawandels getroffen, in der Region Ostafrika leiden die Menschen unter der schwersten Dürre seit 40 Jahren. Bis 2050 dürfte die Migration aus Afrika nach Europa entsprechend weiter zunehmen.

Musa Hasahya ist Vater von rund 100 Kindern.

Polygamie verbreitet – weil Verhütungsmittel verpönt

Laut der Weltbank gebären Frauen in Uganda im Schnitt 4,7 Kinder. Entsprechend verdoppelt sich die Bevölkerung alle 20 Jahre. Da Uganda aktuell 47 Millionen Einwohner hat, erwarten Experten bis 2050, dass man die 100-Millionen-Grenze erreichen wird – und ein Ende ist nicht in Sicht. Weil: Uganda ein konservatives Land ist. Viele Kinder sind nach wie vor ein Zeichen von Wohlstand. Verhütungsmittel sind vielerorts bedauerlicherweise gar verpönt. Logische Konsequenz: Insbesondere im Osten des ostafrikanischen Landes ist Polygamie noch weit verbreitet.

Politik und Gesellschaft blockieren Sexualaufklärung

Obwohl seit Jahrzehnten schon Initiativen für Familienplanungsprojekte vorhanden sind, werden diese jedoch von Politik und Teilen der Gesellschaft oftmals blockiert. Das zumindest behauptet Jackson Chekweko, Geschäftsführer der NGO Reproductive Health Uganda, welche sich die Sexualaufklärung zur Arbeit gemacht hat. „Bei uns ist die Debatte von Traditionalismus und Fragen der Morallehre geprägt. Viele religiöse Organisationen wehren sich dagegen, dass junge Menschen Aufklärungsunterricht bekommen, und das Parlament schweigt“, so Chekweko.

Umdenken bei Hasahyas Familie

Auch wenn die finanzielle Notlage bei den Hasahyas viele Schwierigkeiten mit sich bringen, so hat sie zumindest für ein Umdenken gesorgt. Beispielsweise erklärt Zulaika, die jüngste Ehefrau und Mutter von elf Kindern: „Ich bekomme keine Kinder mehr. Ich habe die schlechte finanzielle Situation gesehen und nehme mittlerweile die Antibabypille.“ Wieso aber diese Entscheidung – mit dem falschen Mann – in Uganda jedoch lebensgefährlich sein könnte? Erst vor einem Monat wurde eine Frau von ihrem 47-jährigen Ehegatten getötet, weil sie Verhütungsmittel kaufte.

mck/dpa

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