Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

News-Ticker zum Ukraine-Krieg

Russen verbrennen angeblich Leichen in Krematorien – Mariupols Bürgermeister: „Neues Auschwitz“

Ukraine-Krieg - Mariupol
+
Diese von Planet Labs PBC zur Verfügung gestellte Satellitenaufnahme zeigt die Schäden an einem Lagerhaus des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Mariupol.

Seit über einem Monat tobt der schreckliche Krieg in der Ukraine. Die Empörung über Gräueltaten an Zivilisten im Kiewer Vorort Butscha im russischen Krieg gegen die Ukraine lässt nicht nach. Alles, was am Mittwoch (6. April) aktuell ist, gibt es in unserem Live-Ticker.

Das Wichtigste zum Thema in Kürze:

Update, 20.10 Uhr - Mariupols Bürgermeister: Russen verbrennen Leichen in Krematorien

Der Bürgermeister der umkämpften ukrainischen Hafenstadt Mariupol hat Russland vorgeworfen, zur Vertuschung von Kriegsverbrechen Leichen in mobilen Krematorien zu verbrennen. Mit dieser Praxis sollten Spuren verwischt werden, teilte die Stadtverwaltung am Mittwoch im Nachrichtenkanal Telegram mit. Russische Truppen haben bereits einen Großteil der Stadt besetzt.

„Das ist ein neues Auschwitz und Majdanek“, wurde Bürgermeister Wadym Bojtschenko in der Mitteilung mit Verweis auf die deutschen Vernichtungslager der Nazis im Zweiten Weltkrieg zitiert. Die Welt müsse die „Putin‘schen Unmenschen“ bestrafen. Die „Schmutzarbeit“ solle dabei von örtlichen Unterstützern der Russen verrichtet werden. Meldungen aus Mariupol können seit Wochen kaum unabhängig überprüft werden, auch weil internationale Medien vor Ort nicht mehr arbeiten können.

Bojtschenko sprach auch von der Bombardierung eines Kinderkrankenhauses, bei der knapp 50 Menschen gestorben sein sollen. Wann genau das passiert sein soll, sagte er nicht.

Die geflüchtete Stadtverwaltung geht angesichts der Zerstörungen durch russische Angriffe davon aus, dass in der umkämpften Stadt am Asowschen Meer inzwischen Zehntausende Zivilisten getötet worden sind. Bojtschenko zufolge wurde knapp 90 Prozent der städtischen Infrastruktur zerstört. 40 Prozent könnten nicht wiederaufgebaut werden. Eine spezielle Kommission erfasse die Schäden.

Vor Beginn des russischen Angriffskrieges lebten in Mariupol rund 440.000 Einwohner. Nach Schätzungen sollen sich jetzt noch 100.000 Menschen in der Stadt aufhalten.

Bereits zuvor hatten ukrainische Behörden und Medien mehrmals berichtet, russische Einheiten nutzten mobile Krematorien. Damals hieß es, diese würden eingesetzt, um die Leichen eigener Soldaten zu verbrennen. Dadurch sollten die Zahlen getöteter Truppen vertuscht werden. Auch dafür gab es bisher keine Bestätigung.

Update, 18.15 Uhr - Sanktionen: Niederlande legen 14 Superjachten von Russen an die Kette

Im Zuge der Sanktionen gegen Russland haben niederländische Behörden 14 russische Superjachten vorläufig beschlagnahmt. Diese Schiffe dürften die Werften nicht verlassen, teilte Außenminister Wopke Hoekstra am Mittwoch in Den Haag dem Parlament mit. Es handelt sich den Angaben zufolge um zwölf Jachten, die zurzeit bei niederländischen Werften gebaut werden. Zwei weitere Boote befinden sich wegen Wartungsarbeiten im Land. Die Luxusschiffe fallen nach Angaben des Ministers unter die europäischen Sanktionsregeln. Wer die Eigentümer sind, wurde nicht mitgeteilt.

Der Minister teilte auch mit, dass seit Verhängung der Sanktionen 516 Millionen Euro an russischen Guthaben blockiert und Transaktionen im Wert von 155 Millionen verhindert wurden.

Der Außenminister wurde vom Parlament heftig kritisiert, nachdem die Umsetzung der Sanktionen nur schleppend angelaufen war. Nach Berechnungen von Medien sollen russische Unternehmen und Oligarchen in den Niederlanden ein Vermögen von insgesamt rund 80 Milliarden Euro haben. Die Niederlande gelten wegen günstiger Steuerregeln für Unternehmen als Steuerparadies.

Update, 17.50 Uhr - Neue russische Offensive befürchtet: Ostukrainer zu Flucht aufgerufen

Aus Angst vor einer neuen russischen Offensive in der Ostukraine hat die Regierung in Kiew Menschen in den Gebieten Luhansk, Donezk und Charkiw dringend zur Flucht aufgerufen. „Bringen Sie sich in Sicherheit, solange es diese Möglichkeit noch gibt“, sagte die ukrainische Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk am Mittwoch Medienberichten zufolge. „Das muss jetzt sein, denn später werden die Leute beschossen und ihnen droht der Tod. Sie können dann nichts mehr dagegen tun, und wir werden ihnen nicht helfen können.“

Der Leiter der Regionalverwaltung des Gebietes Luhansk, Serhij Hajdaj, sagte in einer Videobotschaft, Russland ziehe derzeit weiter Streitkräfte in der Region zusammen. Er rechne mit dem Versuch größerer Angriffe in den nächsten drei bis vier Tagen.

Russland führt seit dem 24. Februar Krieg gegen das Nachbarland Ukraine. In der vergangenen Woche kündigte Moskau an, die Angriffe auf Kiew deutlich reduzieren zu wollen, sich aber stattdessen auf den Donbass zu konzentrieren.

Update, 17.05 Uhr - Putins Töchter sollen auf EU-Sanktionsliste

Wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nimmt die EU die Töchter des russischen Präsidenten Wladimir Putin ins Visier: Sie sollen auf die Sanktionsliste der Europäischen Union aufgenommen werden, wie Diplomaten am Mittwoch in Brüssel bestätigten. Damit drohen ihnen Einreiseverbote in die EU und das Einfrieren ihres Vermögens in Europa. 

Über Putins Töchter ist wenig bekannt, da der russische Präsident sein Privatleben vor der Öffentlichkeit abschirmt. Die ältere Tochter Maria Worontsowa wurde 1985 geboren, die jüngere, Katerina Tichonowa, 1986. Ihre Mutter ist Ludmila Putina, von der sich der Staatschef 2013 scheiden ließ. Russischen Medien zufolge ist Worontsowa studierte Ärztin und Miteigentümerin einer medizinischen Forschungsgesellschaft. Tichonowa leitet demnach ein Institut für Künstliche Intelligenz an der staatlichen Moskauer Universität.

Auch die USA verhängen angesichts des Kriegs in der Ukraine und der Gräueltaten im Kiewer Vorort Butscha neue Sanktionen gegen Russland. Die Strafmaßnahmen richten sich unter anderem gegen zwei große russische Banken sowie die erwachsenen Kinder des russischen Präsidenten Wladimir Putin und des Außenministers Sergej Lawrow, wie das Weiße Haus in Washington am Mittwoch ankündigte.

Update, 15.56 Uhr - „Alle Russen sind Feinde“: Ukrainischer Botschafter Melnyk sorgt weiter für Debatten

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, sorgt mit einer Interview-Äußerung und einer Mitteilung auf Twitter über Feindschaft zu allen Russen für Diskussionen in sozialen Medien. In einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte Melnyk: „Ich sage es ganz klar: Russland ist ein Feindstaat für uns. Und alle Russen sind Feinde für die Ukraine im Moment.“ Das könne sich ändern. „Aber im Moment ist es so, dass wir keine Zeit haben zu fragen: „Bist du gegen Putin oder für ihn – oder hast du vielleicht nur teilweise Verständnis?“

Auf Twitter veröffentlichte Melnyk am Mittwochvormittag: „All Russians are now our Enemies“ („Alle Russen sind jetzt unsere Feinde“) und verwies auf sein Interview. Twitter-Nutzer warnten daraufhin vor Zuspitzungen und „rigidem Freund-Feind-Denken“. Zwar seien die Taten russischer Soldaten zu verachten, und eine „erschreckende Mehrheit“ der Russen unterstütze den Krieg, es dürfe aber nicht verallgemeinert werden. Teils gab es auch Unterstützung für Melnyk mit Hinweis auf dessen weitere Interview-Äußerungen.

In dem Interview sagte Melnyk weiter: „Uns kann es jetzt nicht darum gehen, zwischen bösen Russen und guten Russen zu unterscheiden.“ Denn Russland führe einen Krieg gegen die Ukraine. „Es ist nicht Putin, der Menschen in Butscha ermordet hat. Das waren konkrete Menschen aus verschiedenen Regionen Russlands. Sie haben ihre Verwandten, sie telefonieren nach Hause, sie plündern Häuser. Wir haben Tausende Telefonate, die wir aufgezeichnet haben als Beweisstücke für das Kriegstribunal.“

Dieser Krieg werde getragen „von Menschen, von Russen“, sagte Melnyk. Manche würden in diesen Krieg geschickt, manche entschieden sich aus freien Stücken: „Aus der Überzeugung, dass sie die Ukraine vernichten wollen. Und deswegen ist für mich klar, wahrscheinlich auch nach dem Krieg, dass Russland ein Feindstaat bleiben wird“, sagte Melnyk. Die Ukraine werde wahrscheinlich für lange Zeit ein Feind der russischen Gesellschaft bleiben: „Das liegt daran, dass die russische Propaganda seit der Krimannexion auf Hochtouren gelaufen ist.“

Update, 15.31 Uhr - Kiew ruft Einwohner der Ostukraine zum sofortigen Verlassen der Region auf

Kiew hat die Einwohner der Ostukraine wegen einer befürchteten russischen Großoffensive zum Verlassen der Region aufgerufen. Die Regionalbehörden „rufen die Bevölkerung dazu auf, diese Gebiete zu verlassen, und tun alles, damit die Evakuierungen organisiert ablaufen“, erklärte Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk nach Angaben des Integrationsministeriums auf Telegram am Mittwoch. Dies müsse „jetzt“ geschehen, andernfalls riskierten die Menschen zu sterben.

Die ukrainische Regierung geht von einem anstehenden Großangriff im Süden und Osten des Landes aus. An einer der wichtigsten Frontlinien im ostukrainischen Donbass bereiten sich die ukrainischen Streitkräfte derzeit darauf vor. „Wir wissen, dass die Russen stärker werden und sich auf einen Angriff vorbereiten“, sagte ein Offizier und verwies insbesondere auf vermehrte Flüge russischer Hubschrauber.

Update, 14.02 Uhr - Scholz: Russische Soldaten haben „Massaker an ukrainischen Zivilisten verübt“

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat dem russischen Militär die Verübung von Kriegsverbrechen in der ukrainischen Stadt Butscha vorgeworfen. Russische Soldaten hätten dort „ein Massaker an ukrainischen Zivilisten verübt, darunter Kinder, Frauen und alte Menschen“, sagte Scholz am Mittwoch im Bundestag. „Die Ermordung von Zivilisten ist ein Kriegsverbrechen.“ Die „entsetzlichen Bilder“ aus Butscha hätten „uns alle tief erschüttert“, sagte Scholz.

Behauptungen der russischen Führung, wonach entsprechende Aufnahmen gefälscht seien, wies er scharf zurück. „Die von Russland verbreitete zynische Behauptung, es handele sich bei diesem Thema um eine Inszenierung, fällt auf diejenigen zurück, die diese Lügen verbreiten.“ Die Täter und ihre Auftraggeber „müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, verlangte Scholz.

„Das Töten des russischen Militärs“ in der Ukraine gehe unterdessen unvermindert weiter, sagte der Kanzler. Es müsse damit gerechnet werden, dass „weitere solche Bilder“ wie in Butscha ans Licht kämen. Scholz forderte den russischen Präsidenten Wladimir Putin erneut auf, den „zerstörerischen und selbstzerstörerischen“ Krieg in der Ukraine sofort zu beenden.

Update, 13.37 Uhr - Selenskyj: Russland benutzt Hunger als Waffe im Krieg gegen Ukraine

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat der russischen Führung vorgeworfen, Hunger als Kriegswaffe einzusetzen. Russlands Armee zerstöre die Lebensgrundlage der Menschen und blockiere die Häfen des Landes, sagte Selenskyj bei einer per Videochat übertragenen Ansprache an das irische Parlament in Dublin am Mittwoch.

Er fügte hinzu: „Warum tun sie das? Weil sie Hunger als Waffe gegen uns, gegen einfache Menschen als Instrument der Unterdrückung einsetzen.“ Selenskyj warnte zudem vor einer globalen Hungerkrise infolge der russischen Invasion in sein Land, da die Ukraine bislang ein wichtiger Exporteur von Getreide war.

Der irischen Regierung dankte Selenskyj auch für ihre humanitäre und finanzielle Unterstützung sowie für die Aufnahme von Flüchtlingen. Irlands Premier Micheal Martin versprach weitere Hilfe sowie Unterstützung bei dem Bestreben Kiews, ein Mitglied der Europäischen Union zu werden. Der irische Regierungschef kündigte auch an, sich für weitere Sanktionen einzusetzen: „Wir wollen schwerst mögliche Sanktionen gegen Russland“, sagte Martin.

Das Thema Hunger dürfte Selenskyj in seiner Ansprache an die irischen Parlamentarier nicht zufällig ausgewählt haben. Irland litt im 19. Jahrhundert unter einer katastrophalen Hungersnot, die zum Tod von etwa einer Million Menschen führte und mehrere Millionen zur Auswanderung bewog. Die unangemessene Reaktion der Regierung in London führte zu Widerstand gegen die britische Herrschaft in dem Land.

Update, 12.44 Uhr - Video zeigt Raketenangriff auf Kinderkrankenhaus

Bei russischen Angriffen auf die südukrainische Stadt Mykolajiw sind nach ukrainischen Angaben mehrere Menschen getötet und verletzt worden. Der Gouverneur des Gebietes, Witalij Kim, schrieb am Montagabend auf Telegram von elf getöteten und 62 verletzten Menschen.

Der Bürgermeister der Stadt, Oleksandr Sjenkewitsch, schrieb zuvor auf Telegram von zehn Getöteten und 46 Verletzten. Nach seinen Angaben wurden Wohnhäuser, Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen sowie ein Waisenhaus beschossen. 120 Menschen hätten die Stadt am Montag mit Evakuierungsbussen verlassen. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig prüfen.

Im Osten der Ukraine in Awdijiwka starben am Montag nach Angaben des Gouverneurs des Gebiets Donezk, Pawlo Kirilenko, zwei Menschen, wie die „Ukrajinska Prawda“ schreibt. Dort und in Georgiewka, Nowoselowka und Wosdvyschenka wurden demnach neun Menschen verletzt.

Update, 12.20 Uhr - Selenskyj: EU bei Energie-Embargo zu zögerlich

Wolodymyr Selenskyj hat das Zögern der Europäer beim Verhängen von Energiesanktionen gegen Russland kritisiert. „Ich kann keine Unentschlossenheit tolerieren, nach allem, was wir durchgemacht haben und was Russland uns angetan hat“, sagte Selenskyj am Mittwoch in einer per Video im irischen Parlament in Dublin übertragenen Rede. Die „russische Militärmaschinerie“ dürfe nicht länger mit Geld aus Energieexporten versorgt werden.

Selenskyj erkannte an, dass eine neue „Rhetorik“ zur Verhängung von Sanktionen erkennbar sei. Er prangerte jedoch „die prinzipielle Einstellung einiger führender Politiker und Wirtschaftsführer“ an, die Krieg und Kriegsverbrechen offenbar für weniger schlimm als finanzielle Verluste hielten. Neben Energiesanktionen forderte Selenskyj den vollständigen Ausschluss russischer Banken vom westlichen Finanzwesen.

Update, 11.40 Uhr - Weber sieht Mehrheit für Öl-Embargo-Resolution im Europaparlament

Eine Mehrheit im Europaparlament würde nach Einschätzung des EU-Abgeordneten Manfred Weber (CSU) einen Lieferstopp von russischem Öl unterstützen. Er sehe, dass es einen breiten Konsens im Parlament für eine entsprechende Resolution gebe, sagte der Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion am Mittwoch in Straßburg. „Da gibt es große Gewinne, die nicht mehr nach Russland fließen würden.“

Dass die EU-Kommission zuvor ein Embargo gegen Kohle aus Russland vorgeschlagen hatte, nannte der CSU-Politiker einen guten Schritt. Beschließen kann das EU-Parlament solche Sanktionen jedoch nicht, das machen die EU-Staaten.

In Deutschland hatten sich auch andere hochrangige Unionspolitiker für ein Öl-Embargo ausgesprochen. Der Import von Öl müsse „in kürzester Zeit“ beendet werden, sagte der Unions-Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz. CSU-Chef Markus Söder sprach davon, man solle aus Öl und Kohle kurzfristig aussteigen, beim Gas dagegen mittelfristig.

Update, 11.20 Uhr - Von der Leyen droht Russland mit komplettem Ölembargo

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat neben einem Importverbot von Kohle auch ein Ölembargo gegen Russland angedroht. In Bezug auf den von der Kommission vorgeschlagenen Importstopp auf russische Kohle sagt von der Leyen vor dem Europäischen Parlament: „Diese Sanktionen werden nicht unsere letzten Sanktionen sein.“ Sie fügt hinzu: „Jetzt müssen wir uns Öl anschauen und die Einnahmen, die Russland aus fossilen Brennstoffen bezieht.“

Update, 11.10 Uhr - Russische Armee setzt Luftangriffe auf die Ukraine fort

Die russischen Truppen haben nach eigenen Angaben ihre Luftangriffe auf Ziele in der Ukraine fortgesetzt. Dabei seien ein Flugabwehrraketensystem vom Typ Osa, fünf Munitions- und Treibstofflager sowie elf Militärstützpunkte der ukrainischen Armee zerstört worden, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Mittwoch.

Insgesamt habe die russische Armee 24 militärische Ziele im Nachbarland getroffen. Diese Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. Allerdings bestätigte die Ukraine Raketeneinschläge in den Gebieten Lwiw, Winnyzja und Dnipro. Im ostukrainischen Gebiet Dnipro soll dabei ein Treibstofflager getroffen worden sein.

Das russische Militär hatte zuletzt mitgeteilt, sich bei seinen Angriffen auf den Osten der Ukraine zu konzentrieren. Dort sollen die Gebiete Luhansk und Donezk voll unter die Kontrolle der prorussischen Separatisten gebracht werden. Besonders hart umkämpft ist die große Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer, wo ukrainische Truppen Widerstand leisten gegen die russische Armee.

Update, 10.44 Uhr - Ukraine wartet auf 100 deutsche Panzer

Die ukrainische Regierung wartet einem Bericht zufolge weiterhin darauf, dass die deutsche Regierung eine Lieferung von 100 gebrauchten Panzern freigibt. Kiew habe sich in dieser Sache Ende vergangener Woche direkt ans Kanzleramt gewandt, berichtete die „Welt“ am Mittwoch unter Berufung auf ukrainische Regierungskreise. Bis Dienstagabend sei jedoch kein Signal gekommen, ob die Genehmigung erteilt werde.

Es geht demnach um 100 Panzer des Typs Marder. Diese habe der größte deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall bereits am 28. Februar der Bundesregierung angeboten. Die Fahrzeuge stehen dem Bericht zufolge derzeit bei Rheinmetall, weil die Bundeswehr sie ausgemustert hat - für einen Einsatz in der Ukraine müssten sie generalüberholt werden.

Dies würde allerdings bis ins nächste Jahr dauern. Die Idee sei deshalb, dass die Bundeswehr eigene Marder-Panzer an die Ukraine abgibt und die entstehenden Lücken im kommenden Jahr mit den generalüberholten Mardern auffüllt.

Bei einem Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im Kanzleramt am Freitag vergangener Woche habe eine Delegation um Ex-Boxweltmeister Wladimir Klitschko die Forderung nach den Panzern vorgetragen, schrieb die Zeitung. Die Delegation habe klargemacht, dass die Marder-Lieferung aktuell oberste ukrainische Priorität sei.

Update, 10.13 Uhr - Ukraine-Botschafter Melnyk geht Altkanzlerin Merkel scharf an

Ursprünglich hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Angela Merkel eingeladen, sich selbst ein Bild von dem Butscha-Massaker zu machen. Merkel allerdings zog es nicht in die Ukraine, sondern in den Frühlingsurlaub in die Toskana. Für Ukraine-Botschafter Andrij Melnyk ein Skandal. Auf Twitter ließ er seinem Unmut in Bezug auf einen Artikel der Bild-Zeitung zum Merkel-Urlaub freien Lauf. „Klar, in Florenz liegen ja keine ermordeten Frauen und Kinder auf den Straßen. Dafür gibt es aber so viel Kultur und Kunst. Herrlich“.

Update, 9.18 Uhr - Verantwortlicher für Gräueltaten von Butscha wohl ausgemacht

Das Rechercheprojekt InformNapalm hat laut eigenen Angaben den Kommandanten ausgemacht, der für die Verbrechen von Butscha verantwortlich ist. Auf diversen Social-Media-Kanälen heißt es, dass es sich dabei um Oberstleutnant Azatbek Omurbekov handelt. Dieser ist der Befehlshaber von Einheit 51460 der 64. Motorschützenbrigade.

Bei der Einheit handelt es sich um die Truppe, die sich zur Zeit der Kriegsverbrechen in ebendiesem Vorort von Kiew aufgehalten haben soll. Das Freiwilligenprojekt InformNapal nutzte für seine Recherchen Open Source Intelligence (Osint), also frei verfügbare Informationen aus dem Internet beispielsweise Satellitenaufnahmen.

Das Netzwerk hat alle verfügbaren Kontaktdaten von Omurbekov frei zugänglich gemacht. Also neben Namen auch. Anschrift, E-Mail-Adresse und Telefonnummer. Nach Angaben der britischen Zeitung „Sunday Times“ ist Omurbekov Anhänger der Orthodoxen Kirche und wurde erst im November von einem orthodoxen Priester gesegnet.

Update, 8.38 Uhr - Augenzeugin berichtet von Verbrechen in Butscha

Einige Wochen nach der Einnahme der ukrainischen Stadt Butscha durch russische Truppen nahm Olena eine Veränderung zum Schlechteren wahr. Ältere, härtere Soldaten kamen in die Stadt und verbreiteten Angst, erinnert sich die 43-jährige Bewohnerin der Stadt. „Direkt vor meinen Augen schossen sie auf einen Mann, der zum Einkaufen in einen Supermarkt gehen wollte“, sagt Olena, die ihren Nachnamen vorsichtshalber nicht nennt. 

Olena verbrachte den März mit ihren sieben und neun Jahre alten Kindern im Keller eines vierstöckigen Hauses. Ohne Strom. Zusammen mit anderen Bewohnern. „Es gab keine ukrainische Armee in der Stadt, nur die territoriale Verteidigung aus überwiegend unbewaffneten Wachposten von örtlichen Unternehmen. Und die sind geflohen“, erzählt sie.

Anfangs seien vorwiegend junge russische Soldaten gekommen, erzählt Olena. „Dann, zwei Wochen später, kamen andere, ältere.“ Sie seien älter als 40 gewesen. „Sie waren brutal. Sie haben alle misshandelt. Und dann begannen die Massaker“, fügt Olena hinzu und hält mit finsterem Blick gedankenvoll inne. Russland wies am Montag alle Anschuldigungen im Zusammenhang mit der Tötung von Zivilisten „kategorisch“ zurück.

Olena zufolge waren die älteren Soldaten „sehr gut ausgerüstet“ und trugen schwarze und dunkelgrüne Uniformen - anders als die Standarduniform der russischen Armee. „Es gab einige gute Kerle unter den russischen Soldaten, und da waren einige sehr raue Männer vor allem vom FSB“, dem russischen Geheimdienst, erzählt Olena. 

Sie sei zu den Soldaten gegangen, um sie zu fragen, was sie ihren Kindern zu essen geben solle, „und sie haben uns Lebensmittelrationen und Essen gebracht“, schildert sie. „Sie waren es, die uns gesagt haben, dass der FSB uns verboten hat herumzulaufen, dass es sehr gewalttätige Spezialeinheiten sind“, erzählt sie. „Es waren Russen, die das über Russen gesagt haben.“

Update, 7.45 Uhr - Mutige Ukrainerin stiehlt Munition von russischen Truppen

Im Gebiet Kiew hat eine ältere Frau nach Medienberichten von russischen Einheiten Munition gestohlen, während diese schliefen. Ihre „Beute“ habe sie dann im Hasenstall versteckt und später an ukrainische Soldaten übergeben, berichtete die ukrainische Agentur Unian in der Nacht zu Mittwoch unter Berufung auf ein vom Berater des ukrainischen Innenministeriums, Anton Heraschtschenko, in seinem Telegram-Kanal geteilten Video.

Die Frau habe gesagt, dass sie keine Angst gehabt habe, als die russischen Truppen in ihr Dorf Peremoha kamen, schreibt Unian. Sie habe aber beschlossen, diese zu „entwaffnen“. Als nun kürzlich ukrainische Truppen in ihr Dorf kamen, habe sie den Soldaten die Munition übergeben.

Update, 7.02 Uhr - Ukraine-Präsident mit denkwürdigem Auftritt vor UN-Sicherheitsrat

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat dem UN-Sicherheitsrat im Ukraine-Krieg Versagen vorgeworfen. „Wo ist der Sicherheitsrat?“, fragte der per Video zugeschaltete Selenskyj am Dienstag vor dem Gremium in New York. „Es ist offensichtlich, dass die zentrale Institution der Welt zum Schutz von Frieden nicht effektiv arbeiten kann.“

Entscheidungen des Sicherheitsrats seien aber für den Frieden in der Ukraine notwendig, sagte Selenskyj weiter. Er schlage deswegen drei mögliche Lösungen vor: Den Beweis, dass Reform oder Veränderung möglich seien, den Ausschluss von Russland, das als ständiges Mitglied jede Entscheidung blockieren kann, oder die komplette Auflösung des Rates.

Auch die gesamten Vereinten Nationen bräuchten Veränderung, sagte Selenskyj weiter. „Die 1945 in San Francisco gesetzten Ziele sind nicht erreicht worden und es ist unmöglich, sie ohne Reform zu erreichen.“ Selenskyj schlug dafür unter anderem eine große „globale Konferenz“ in Kiew vor. „Wir müssen alles tun, was in unserer Macht steht, um der nächsten Generation eine effektive UN zu übergeben“, sagte der ukrainische Präsident. „Die Ukraine braucht Frieden, Europa braucht Frieden und die Welt braucht Frieden.“

Die Gräueltaten an Bewohnern der Stadt Butscha sind nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Selenskyj kein Einzelfall. „Die Welt hat jetzt gesehen, was Russland in Butscha getan hat, aber die Welt hat noch nicht gesehen, was sie in anderen besetzten Städten und Regionen unseres Landes getan haben“, sagte der per Video zugeschaltete Präsident.

„Butscha ist leider nur eines von vielen Beispielen dafür, was die Besatzer getan haben“, sagte er weiter. Es sei nichts anderes als die Handlungen von Terroristen und handele sich um die schlimmsten Kriegsverbrechen seit dem Zweiten Weltkrieg. Russland müsse dafür zur Rechenschaft gezogen werden, forderte Selenskyi, der dem Sicherheitsrat auch ein Video mit aneinandergereihten Fotos von Gräueltaten zeigte und die Verbrechen detailliert beschrieb.

Nach Butscha: Selenskyj will, dass Russland für Kriegsverbrechen büßt

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert nach den Gräueltaten von Butscha eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland. Man solle Strafmaßnahmen gegen die Russische Föderation verhängen, die der Schwere der vom russischen Militär in der Ukraine begangenen „Kriegsverbrechen“ angemessen seien, sagte Selenskyj in seiner allabendlichen Videobotschaft, die in der Nacht zu Mittwoch auf Telegram veröffentlicht wurde.

Nach dem Rückzug russischer Truppen aus dem Nordwesten der ukrainischen Hauptstadt hatten Aufnahmen von Leichen auf den Straßen des Vororts Butscha international für Entsetzen gesorgt. Die Ukraine macht russische Truppen für die Gräueltaten verantwortlich. Diese hatten die kleine Stadt bis vor kurzem besetzt. Moskau bestreitet die Vorwürfe und spricht von einer Inszenierung, allerdings ohne Beweise oder Belege. Die USA und ihre Verbündeten hatten nach Bekanntwerden der Vorfälle in Butscha neue Sanktionen angekündigt. Details dazu sollen womöglich am Mittwoch bekanntgegeben werden.

Selenskyj sagte in der Videobotschaft weiter, die ukrainischen Streitkräfte hielten die meisten Gebiete, in die Russland versucht habe, vorzudringen. Am schwierigsten sei die Lage im Donbass und im Gebiet Charkiw im Osten des Landes. Russland sei zudem dabei, mehr Truppen für eine neue Offensive in die Ukraine zu schicken. „Wir wissen von den Versuchen der russischen Führung, in ganz Russland neue Dummköpfe unter Kadetten von Militärschulen, Menschen mit Kampferfahrung und Wehrpflichtigen zu sammeln, um sie alle in einer weiteren Offensive ins Gemetzel zu schicken“, sagte er.

In Kiew bereite man bereits den Besuch der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell vor, sagte Selenskyj weiter. Aus Brüssel hatte es davor geheißen, ein Treffen in Kiew solle noch vor der für Samstag in Warschau geplanten Geberkonferenz erfolgen, bei der Geld für die Millionen Flüchtlinge und Vertriebenen des Kriegs gesammelt werden soll.

Die Nacht in der Kurzzusammenfassung

  • Explosionen erschüttern erneut Westen und Södosten der Ukraine
  • US-Militärführung fordert permanente Stützpunkte an Nato-Ostflanke
  • Mehr als 3800 Menschen aus umkämpften Gebieten evakuiert
  • USA stellt 100 Mio. Dollar Militärhilfe für Ukraine zur Verfügung
  • Russland kündigt neue Angriffe in Mariupol an
  • Lawrow warnt vor Tricks bei den Verhandlungen mit Russland

Den Ticker vom Dienstag (5. April) zum Nachlesen gibt es hier.

nt/fgr/dpa/afp